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Porträt
22.06.2022

Eine ganz andere Sisi: Vicky Krieps ist die neue Kaiserin Elisabeth im Film

Vicky Krieps spielt in "Corsage" zur Eröffnung des Filmfests München die Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn.
Foto: Arte/G.e.i.e. /Felix Vratny

Ihr Zauber ist ein herrlich eigenwilliger: Vicky Krieps lebt in Berlin und ist eine Bereicherung für die Filmwelt. Was macht sie in "Corsage" nun wohl aus Kaiserin Elisabeth?

Natürlich, die Elisabeth der Ernst-Marischka-Filme ist eine zwar unverbrüchlich geliebte, aber künstlerisch wie biografisch längst überkommene Legende. Auserzählt scheint die Faszination in der Wandlung vom tragischen Märchen der „Sissi“ zur widerspruchsvollen Biografie der „Sisi“ trotzdem längst nicht. Nachdem erst Ende des vergangenen Jahres eine Fernsehserie eine etwas herbe Neuinterpretation versuchte, folgt an diesem Donnerstag mit der Eröffnungspremiere des Münchner Filmfestes schon die nächste: „Corsage“ bedeutungsvoll genannt, in zwei Wochen in den Kinos startend.

Warum man sich das anschauen sollte? Die Antwort könnte allein die Besetzung der Hauptfigur liefern. Denn Vicky Krieps trat in ihren bisherigen Rollen als in beiden Wortsinnen merkwürdige Frau auf: unschuldig und abgründig, befremdlich und hinreißend. Aber nicht in der oft gepriesenen Wandlungsfähigkeit bei Schauspielern – sondern immer alles auf einmal! Ein herrlich eigenwilliger Zauber, den die heute 36-Jährige zuverlässig entfaltet.

Vicky Krieps hat auch schon Erfahrung mit der Figur Romy Schneider

Nur zum Beispiel in ihrem wohl bislang prominentesten Auftritt: Da spielte sie bei Regiestar Paul Thomas Anderson an der Seite des großen Daniel Day-Lewis in dessen Abschiedsfilm „Der seidene Faden“ seine Geliebte, zugleich voll Verletzlichkeit und Sturheit. Und noch einen Hollywoodstar begleitete Krieps zur finalen Klappe: den bald darauf gestorbenen Philip Seymour Hoffman in „A Most Wanted Man“. Bis hin zum Mystery-Thriller „Old“ zuletzt: eine bereichernde Figur für die Filmwelt, die da ledig mit ihren beiden Kindern in Berlin lebt.

Ursprünglich in Luxemburg geboren, der Papa wie der Opa ganz oben im dortigen Kulturministerium, wandelt Vicky Krieps damit auf den Spuren ihrer deutschen Mutter, die an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte. Ihr Elternhaus sei „pazifistisch, weltoffen“ gewesen – so zog es sie schon mal selbst ins Weite, zur Arbeit mit Kindern in den Townships Südafrikas, aber auch zur Fortsetzung ihrer schulischen Leidenschaft, des Theaters, zum Schauspielstudium nach Zürich. Man könnte von mutigen eigenen Theaterstücken („Kopf ab!“), einem Emmerich-Film und mehreren Drehs mit Daniel Brühl erzählen oder schon einer Hauptrolle als prägnante Frauenfigur, der Flugpionierin Elly Beinhorn im TV.

Aber irgendwie typischer ist doch ihre Verbindung zu „Sissi“. Als nämlich der Film „3 Tage in Quiberon“ 2018 zeigte, welche Tragik das Leben für die einstige Märchendarstellerin Romy Schneider noch bereithielt, hatte Vicky Krieps einen kleinen, aber eigenwilligen Auftritt als Zimmermädchen. Und bereits vier Jahre zuvor hatte sie endgültig bewiesen, was sie selbst im Zentrum zu meistern imstande ist, in „Das Zimmermädchen Lynn“. Als introvertierte junge Frau lag sie da am liebsten unter dem Bett, während Hotelgäste darauf verkehrten – und verliebte sich dann in eine Domina. Irre – gut. Was wird das wohl für eine Sisi?

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