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Sergey Malov in Augsburg: Auf dem Schultercello klingen Seufzer eindrucksvoll

Sinfoniekonzert

Sergey Malov in Augsburg: Auf dem Schultercello klingen Seufzer eindrucksvoll

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    Dank Halteriemen „an der Schulter“ zu spielen: Das Violoncello da spalla, hier in den Händen von Sergey Malov beim Konzert im Kongress am Park.
    Dank Halteriemen „an der Schulter“ zu spielen: Das Violoncello da spalla, hier in den Händen von Sergey Malov beim Konzert im Kongress am Park. Foto: Mercan Fröhlich

    Dieses Instrument sieht, hört man nicht alle Tage: Ein Violoncello da spalla, ein Cello, das nicht, wie sonst üblich, „da gamba“, also zwischen den Beinen, gespielt wird, sondern mittels eines Gurtes über die Schulter – im Italienischen „da spalla“ – gelegt wird. Sieht dann aus wie eine unters Kinn gerückte Gitarre, ist aber ein Streichinstrument, das jedoch nicht, wie die Violine, in der Horizontalen, sondern mit dem Bogen in senkrechter Bewegung gestrichen wird. Sergey Malov ist der Virtuose, der sich auf das Spiel eines solchen Fünfsaiters versteht und damit inzwischen auch einen gewissen Bekanntheitsgrad errungen hat. War es Malovs und seines Instruments wegen, dass das Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker im Kongress diesmal an beiden Abenden ausverkauft war?

    Es lag gewiss auch daran, dass das Programm viel Mozart beinhaltete, war doch schon das Konzertmotto – Hommage an den gerade erst vergangenen 270. Geburtstag des Komponisten – mit ebendiesem Namen überschrieben. Ja, es gab nicht wenig zu hören aus dem Köchelverzeichnis, aber es war dann doch auch nicht alles Mozart. Und schon gar nicht war Mozart auf dem Cello da spalla zu hören, dafür aber Sergey Malov in anderer Funktion, nämlich als Dirigent.

    Blechbläser und Pauken in originaler Anmutung

    In letzterer Kombination begann der Abend mit der Ouvertüre zu Mozarts „Ascanio in Alba“. Ein Werk des 15-Jährigen und doch schon wunderbarer Wolfgang Amadé, vor allem, wenn er so über die Rampe kommt wie von den Philharmonikern unter ihrem Gastdirigenten. Trocken, mit knappstem Strich von den Streichern intoniert, nahm die Musik hier Fahrt auf, und dass das alles so leichtfüßig erklang, war nicht zuletzt darin begründet, dass Trompeten, Hörner, Pauken bei den Philharmonikern wieder mal in der Originalinstrumenten-Variante zum Einsatz kamen. Sergey Malov dirigierte dazu in graziösen Bewegungslinien, mit seinem im Nacken zusammengebundenen Haar hätte er beinahe als Musikzeremonienmeister der Mozartzeit durchgehen können.

    Auf die „Ascanio“-Ouvertüre folgte Carl Philipp Emanuel Bachs Cello-Konzert in A-Dur. Aber nicht wie gehabt Werk an Werk gesetzt, sondern musikalisch verbunden durch eine eigens komponierte, vor allem vom Cembalo getragene Überleitung, während derer sich Sergey Malov dann auch sein Cello über die Schulter legte und zu präludieren begann, bevor alles in das reguläre Bach-Konzert mündete. So, die eigene Spiel- und Improvisationskunst vorführend, war es wohl im 18. Jahrhundert Brauch gewesen.

    Weich im Klang, doch fehlt die Sonorität des großen Bruders

    Das Schultercello im solistischen Gebrauch: Der Klang ist weich, je nach Lage sogar seidig, es fehlt aber auch die Sonorität und vor allem die klangliche Trennschärfe, die man vom größeren Cello-Bruder gewohnt ist – es ist wie immer bei historischen Instrumenten, über das Für und Wider lässt sich aus gegensätzlichen Perspektiven argumentieren. Am eindrucksvollsten vermag Malov das Cello da spalla im langsamen Satz zu präsentieren, hier, in den seufzerhaft fallenden Sekundschritten entfaltet das Instrument nachgerade sprechende Qualitäten. Schwieriger ist es für den Solisten, sich klanglich gegen das Volumen des (Streich-)Orchesters durchzusetzen, vor allem in den Tutti.

    Sergey Malov versteht sich aber nicht nur auf den Schulter-Exoten, sondern auch auf die herkömmliche Violine, wie er nach der Pause mit Mozart vorführte, von dessen „Haffner-Serenade“ das Rondo gegeben wurde, ein regelrechter Violinkonzertsatz. Und noch einmal gab es für Malov Gelegenheit, seine Fähigkeiten als Geiger auszustellen, in Tschaikowskys „Mozartiana“, jener eher selten aufgeführten Suite, die der russische Komponist über verschiedene Mozart-Themen verfasst hat und die gerade im letzten ihrer vier Teile einer ganzen Reihe von Instrumenten Gelegenheit zu solistischer Exposition bietet. Wo Malov nicht als Violinist gefragt war, dirigierte er, und dies mit viel Übersicht, hielt er doch den dichten Tschaikowsky-Orchesterklang angenehm am dynamischen Zügel.

    Auch beim Höhepunkt des montäglichen Konzertabends, der sich schon vor der Pause ereignete mit der Aufführung der Mozart-Sinfonie Nr. 38, war Malov als Dirigent am Wirken. Herrlich organisch, ohne jeden gewollten Nachdruck, stellte sich in der langsamen Einleitung die für diese „Prager Sinfonie“ typische „Don Giovanni“-Atmosphäre ein durch knapp-unerbittlich gesetzte Trompetenstöße und züngelnde Violinen. Das sich anschließende Allegro erschien erneut wie hingetupft vom fabelhaft disponierten Orchester, das sich gleichwohl vom Dirigenten Schwung und federnde Spannung einhauchen ließ. Sinnend, ohne abzuschweifen, der Andante-Mittelsatz; packend in seiner aufschäumenden Gestik das Finale, mitreißend, ohne in Hektik zu verfallen. Einem solcherart nachgereichten Geburtstagsgeschenk hätte auch Mozart applaudiert.

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