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Landsberg

20.07.2019

10.000 Zuschauer verfolgen den Ruethenfestzug in Landsberg

Die Panduren sind ein wilder Haufen! Während des Ruethenfestzugs machen sie immer wieder einen Sturmangriff.
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Die Panduren sind ein wilder Haufen! Während des Ruethenfestzugs machen sie immer wieder einen Sturmangriff.
Bild: Thorsten Jordan

Stürmische Panduren, Fahnenschwinger und bunte Blumenmädchen erfreuen die Besucher. Bei 29 Grad erleiden drei Zuschauer einen Schwächeanfall. Noch bis morgen Abend wird in Landsberg gefeiert.

Helga Haschka und Gisela Hicks haben es sich am Holzmarkt im Schatten der Stadtpfarrkirche auf Klappstühlen bequem gemacht. Sohn Johannes Hicks bezeichnet die beiden älteren Damen lachend als „Ruethenfest-Ultras“. Klar, dass sie den Festzug, der gleich beginnt, aus der ersten Reihe sehen wollen: „Wir schauen ihn immer an.“

Akustisch hat er sich schon angekündigt: Der kaiserliche Zug und die Schweden sind aus ihren Lagern am Schlossberg und am Bayertor zum Sammelpunkt an der Spöttinger Straße gezogen und auch die über 140 Kaltblüter werden vom Bauhof dorthin geführt, wo sie vor die Festwägen gespannt werden.

Am Spitalplatz wird ein Ochse am Spieß gegrillt

Die Tribünen füllen sich allmählich und auch an den Absperrungen platzieren sich die Menschen. Nach Schätzung der Polizei sind es schlussendlich an die 10.000 Menschen in Landsberg. Und so mancher deckt sich bevor er für den Ruethenfestzug eine Beobachtungsposition bezieht, mit Brotzeit ein, beispielsweise beim Wirtshaus am Spitalplatz, wo seit 5 Uhr morgens ein Ochse am Spieß brät.

10.000 Zuschauer verfolgen den Ruethenfestzug in Landsberg

Wer klug ist, hat auch Wasser eingepackt, denn die Tribünen am Hauptplatz stehen bei Temperaturen von 29 Grad in der prallen Sonne. Das Rote Kreuz muss auch drei Personen behandeln, die wegen der Hitze und möglicherweise zu wenig Flüssigkeitsaufnahme einen Schwächeanfall erleiden, wie Andreas Lehner vom BRK auf Nachfrage erläutert. Es seien aber keine ernsthaften Erkrankungen.

Ein Fest der Kinder

Viele haben sich aber mit Hut oder Sonnenschirm ausgerüstet. Alexander Schweitzer aus Landsberg hat sich mit Baseballmütze und Sonnencreme eingedeckt. Auch für ihn und seine Familie ist das Ruethenfest ein Muss. Diesmal marschiert der zehnjährige Sohn Theo als Landsknecht mit, aber auch die drei Male zuvor haben sie es angeschaut. Alexander Schweitzer findet es bemerkenswert, dass das Fest von Kindern gestemmt wird.

Über 1000 Kinder sind es, die an diesem Fest teilnehmen, wie der Vorsitzende des Ruethenfestvereins, Tobias Wohlfahrt, als Moderator auf der Bühne berichtet. Er muss die Zeit ein wenig überbrücken, denn ganz pünktlich geht’s nicht los, doch einige Minuten nach 14 Uhr hört man Fanfarenklänge. Reiter mit Fanfaren führen den Ruethenfestzug an, der historisch einschneidenden Momente der Stadtgeschichte und für Landsberg wichtige historische Persönlichkeiten vorstellt – dargestellt von Kindern und Jugendlichen.

Die Kinder schneiden Ruten vor der Stadt

Gleich zu Beginn des Zuges zeigen sich die Ruethenkinder, deren Geschichte Basis des Ruehtenfests ist: Einst zogen Schulkinder mit ihren Lehrern vor die Tore der Stadt, um Ruten zu schneiden und als sie wieder zurückkamen wurden sie von den Eltern bewirtet. Als man im 19. Jahrhundert dieses Fest wieder aufgriff, kam die Darstellung von Historie auf Festwägen hinzu.

Und somit bringt der Ruethenfestzug auch Lehrreiches für den, der die Stadtgeschichte nicht so kennt: Beispielsweise über Herzog Heinrich den Löwen, der Landsberg wahrscheinlich im 12. Jahrhundert gegründet hat. Oder Kaiser Ludwig den Bayern, der 1315 nach Landsberg kam, um den Bürgern für ihre Treue zu danken. Und natürlich Herzog Ernst, der in Begleitung zweier Landsberger Bürgersmädel, der weißen, und der gelben Dame, erscheint und einer der Förderer der Stadt ist. Thomas Wohlfahrt erzählt zu allen ein wenig und auch im Programmheft finden sich kurze Erklärpassagen.

Hier sehen Sie Impressionen des Ruethenfestumzugs:

Ruethenfest: Beim Festumzug des Landsberger zeigte sich der Himmel von seiner bayerischsten Seite und die Kinder mussten auch nicht allzu sehr in der Hitze schmoren.
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Kaiserwetter beim Landsberger Ruethenfestumzug
Bild: Thorsten Jordan

Das schöne an dieser Geschichtsstunde: Es sind lauter Kinder und Teenager, die die bedeutenden Personen darstellen. Außerdem sind da die herzallerliebst anzusehenden Blumenmädchen in ihren bunten Kostümen oder die Rosenmädchen auf dem gleichnamigen Wagen. Der Spielmannszug der Landsknechte zeigt, dass er spielen gelernt hat und die Panduren – es sind die jüngsten unter den Soldaten des Ruethenfests – stürmen immer wieder mit lautstarkem Kampfrufen los.

Die Panduren haben schon zur Eröffnung am Freitag vor einer Woche die Stadtkasse gestohlen und Tobias Wohlfahrt kündigt an, dass das noch eine Lösung her muss, sonst bekomme er Ärger mit Oberbürgermeister Mathias Neuner. Man wird sehen, das Fest ist noch nicht zu Ende und das Lagerleben von Panduren, Schweden, Kaiserlichen und Landsknechten noch bis Sonntagnachmittag zu erleben.

Applaus für die italienischen Fahnenschwinger

Doch auch die Erwachsenen, die am Festzug teilnehmen, bekommen die Sympathie des Publikums – vor allem wenn sie wie italienischen Fahnenschwinger Kunststücke zeigen und ihre Fahnen hoch in die Luft werfen. Die Fahnenschwinger sind übrigens am Sonntag um 10 Uhr am Hauptplatz zu erleben.

Während sich der Zug auf der einen Seite vom Hauptplatz verabschiedet, kommen die ersten Gruppen über die Herzog-Ernst-Straße retour und ziehen wieder zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Heiß ist der Zug auch für die Tiere. Für die Hunde, die der Falkenjagdgruppe folgten, gibt es extra zwei Wasserstationen.

Kopfbedeckung und Wasser mitnehmen, das rät auch das BRK für den morgigen Umzug, der ebenfalls um 14 Uhr beginnt. Jetzt am Samstagnachmittag und -abend können sich die Besucher ab 17 Uhr noch beim Einmarsch der Landsknechte, dem Empfang von Herzog Ernst durch die Bürger und historischen Tänzen vergnügen und im Anschluss beim Altstadtreiben mit Markt.

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