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Kaufering

07.07.2017

2018 tritt Erich Püttner nicht mehr an

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Erich Püttner tritt nicht mehr an.
Bild: Jordan

Der Kauferinger Bürgermeister will aufhören. Seine Gründe nennt er heute Abend bei der UBV-Jahreshauptversammlung.

Eigentlich wollte der Kauferinger Bürgermeister erst am 25. Juli – an seinem Geburtstag – bekannt geben, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. „Doch diese Entscheidung muss ich wohl zuerst der UBV mitteilen.“ Deshalb gibt er seinen Nichtwiederantritt bei der Jahreshauptversammlung heute Abend bekannt. Püttner wurde 2012 nach Dr. Klaus Bühlers Rücktritt ins Amt gewählt.

Eigentlich habe er vorgehabt, noch mal anzutreten und nach zwei Jahren 2020 zurückzutreten, damit die Legislaturperioden von Marktgemeinderat und Bürgermeister wieder zusammen liegen. Doch es stehen große Entscheidungen in Kaufering an: Der Neubau des Feuerwehrhauses, das Wasserleitungsnetz und Lösungen für den sozialen Wohnungsbau. „Ein Wechsel würde so mitten in die laufenden Projekte fallen, das ist wenig sinnvoll.“ Er habe kleinere gesundheitliche Probleme. „Die kognitiven Kräfte sind nicht mehr so wie mit 40.“ Er wolle mehr auf seinen Körper hören, und ihm sei es nicht wichtig, nach Wohlstand, Macht und Ansehen zu streben, diese zerstören die Seele. Da gebe es einige traurige Beispiele. „Für mich ist ein Leben mit leichtem Gepäck und als Pilger unterwegs zu sein, eine sinnvolle Aufgabe.“ Püttner will zurück zu den Wurzeln seiner Berufung und seiner Grundüberzeugung gehen. „Ich will als Sozialpädagoge und Christ für die Menschen da sein.“ Seine Zeit im Amt wolle er mit der gleichen Energie bis zum letzten Tag bewältigen.

Wer wird nun 2020 aber kandidieren? In einer ersten Stellungnahme sagte die neue CSU-Vorsitzende, dass sie sich eine Kandidatur durchaus vorstellen könnte. Gabriele Uitz: „Das entscheidet aber eine Aufstellungsversammlung, wenn man mich fragt, stehe ich gerne für diese Aufgabe bereit“. Auch Gabriele Triebel (GAL) ist sich sicher, dass ihre Gruppierung einen Kandidaten aufstellen wird. Ob sie selbst wieder kandidieren will? „Das ist mir im Moment noch zu früh zum Beantworten“, sagt sie. (Weitere Stellungnahmen der Fraktionen folgen.)

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Die Auseinandersetzung mit dem politischen Erbe

Beim Amtsantritt sah Püttner noch sehr positiv in die Zukunft. „Ich freue mich, auf seine langjährige Arbeit aufzubauen, werde diese aber mit eigenen Projekten und Schwerpunkten weiterentwickeln“: Diesen Satz sprach Erich Püttner bei seiner Nominierung als Bürgermeisterkandidat der Kauferinger UBV im Dezember 2011 auch mit Blick auf den damals noch amtierenden Bürgermeister Dr. Klaus Bühler aus. Man kann diese Aussage ganz unterschiedlich verstehen. Nach dem Selbstverständnis eines Menschen, der als künftiger Bürgermeister Entscheidungs- und Verantwortungsträger sein will, dürfte die Betonung auf dem zweiten Teil des Satzes gelegen haben. In den Ohren von Püttners Vorgänger dürfte vor allem der erste Teil angekommen sein.

Es dauerte denn auch nicht lange, bis sich dieser Konflikt zuspitzte und aus Weggefährten Gegner wurden. Als Ende 2012 nach einer Anzeige gegen Bühler staatsanwaltschaftliche Ermittlungen im Hinblick auf dessen Neigung, auch solche Entscheidungen zu treffen, die eigentlich dem Gemeinderat vorbehalten sind, eingestellt wurden, zeigte sich Püttner noch froh.

Dann muss sich jedoch das Verhältnis der beiden ziemlich schnell grundlegend geändert haben. Ein halbes Jahr später sah sich Püttners Vorgänger jedenfalls veranlasst, mit einer eigenen Wählergruppe wieder aktiv in die Kommunalpolitik einzugreifen. Da hörte sich Püttners Reaktion schon distanzierter an: „Wir haben eine Demokratie, und jeder kann machen, was er will“, kommentierte er Bühlers Rückkehr. Und der damalige UBV-Chef Dr. Börries zu Castell konstatierte, dass es nicht so laufe, wie sich Bühler das einst vorgestellt habe.

Nach der Gemeinderatswahl 2014 wurde es für Püttner nicht einfacher: Auch im Gemeinderat saß er nun seinem Vorgänger und drei seiner Parteigänger gegenüber, während die auf vier Mandate zusammengeschrumpfte UBV in dem Gremium keine Hausmacht für den Bürgermeister darstellte. Die anderen Fraktionen traten zwar der Bühler-Gruppe meist geschlossen gegenüber und ließen deren politische Initiativen durchwegs abblitzen.

Die Auseinandersetzung mit dem politischen Erbe seines Vorgängers blieb jedoch das bestimmende Leitmotiv der Amtszeit von Erich Püttner. Dies lag auch daran, dass sich Bürgermeister und Gemeinderat nach der Ära Bühler einem eher beschränkenden finanziellen Rahmen gegenüber sahen.

Das bezeichnende Motto Püttners bei der Bürgerversammlung 2015 lautete „Sanieren, Instandsetzen, Werte erhalten“. Damit ging der Bürgermeister zwar auf die Bedürfnisse vieler in die Jahre gekommener gemeindlicher Liegenschaften wie Sporthalle und Schule ein, das hörte sich aber viel bescheidener als früher an. Das aufgeheizte politische Klima in Kaufering machte es Püttner oft schwer: Als im Winter 2016 gestritten wurde, ob der Schmitterbauer abgerissen oder dort Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge geschaffen werden solle, warf ihm die GAL Wankelmütigkeit vor. Hatte Püttner sich auf einer turbulenten Bürgerversammlung im Altort noch nicht positioniert, stimmte er tags darauf für den Abriss des Hofs.

Seine Informationspolitik während des Trinkwasserproblems ein Jahr später war wieder Wasser auf die Mühlen des Bühler-Lagers und die Art, wie Püttner das Thema Tempo 30 zu regeln gedachte, löste einen regelrechten Volksaufstand aus, der sich in 2000 Unterschriften artikulierte.

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