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Konzert

01.06.2019

Akkordeon trifft Mundharmonika

Otto Lechner (am Akkordeon) und Svängs beim Auftritt im Landsberger Stadttheater.
Bild: Julian Leitenstorfer

Otto Lechner und Svängs sorgen im Stadttheater für Kurzweil

Wien, das kann man trotz aller aktuellen politischen Ereignisse getrost behaupten, ist in Europa so etwas wie der musikalische Schmelztiegel der Kulturen. Musikalische Ereignisse, die neue Himmelsrichtungen erobern, machen – egal aus welcher Richtung kommend – in der Donaustadt erst einmal Rast. Otto Lechner, seit über 30 Jahren in Wien lebend, hat sich persönlich für ein Instrument entschieden, das wie wenige andere genau dieses Kulturen Überwindende und Verbindende versinnbildlicht: Das Akkordeon. Damit war er nun im Landsberger Stadttheater zu Gast.

Dieses „Ersatzklavier“ des kleinen Mannes ist sowohl in der Volksmusik zu Hause, wie mittlerweile auch in den großen europäischen Konzerthäusern dieser Welt; es wird in Südamerika mit ebensolcher Begeisterung gespielt, wie in Spanien oder Russland. Egal, ob polnische Polkas oder irische Weisen, sizilianische oder finnische Folklore – das Akkordeon verkörpert ländliche Tradition und urbane Modernität zugleich. Wo wäre dieses Instrument also besser aufgehoben, ja platziert, als in Wien? In Landsberg präsentierte Otto Lechner ein ganz spezielles Programm. Denn er spielte zusammen mit dem finnischen Mundharmonika-Quartett Sväng. Ähnliches, was über das Akkordeon geschrieben wurde, gilt auch für die Mundharmonika. Beide, getragen auf dem Rücken und in den Taschen von Ein- und Auswanderern, waren einst auch Teil der ethnischen Wanderbewegungen der Menschheit der Moderne. Insofern stand das Konzert in Landsberg auch ganz im Zeichen einer volksmusikalischen Unabhängigkeitsbewegung.

Und so wundert es nicht, dass das Repertoire an diesem Abend tatsächlich etwas Multikulturelles ausstrahlte. Es gab Tangos und Walzer, Schlager aus Japan, (Balkan-)Blues, (Gypsy-)Swing und Polkas, Interpretationen Jean Sibelius‘, aus Joseph Haydns reichen Streichquartettschaffens und Filmmusik. Ein Potpourrie der Stile quer durch die Jahrhunderte.

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Begonnen hat der Abend mit den Svängs. Die Vier lassen an chromatischen und diatonischen Mundharmonikas die Luft heiß zirkulieren. Schwerstarbeit für Lungen und Lippen der Musiker. Wenn bei Eero Turkka, Eero Grundström, Jouko Kyhälä und Pasi Leino die instrumentalen Stimmen ineinandergreifen, klingen sie wie ein hochvirtuoses Orchester mit einem ganz spezifischen Sound. Sie spielen das Publikum schwindlig, motivieren und provozieren sich gegenseitig, befinden sich in einem ständigen Austausch von Ideen und Befindlichkeiten.

Nach der Pause dann der zeitlose, der begnadete Otto Lechner. Auch er bringt die Luft um sein volkseigenes Instrument herum zum vibrieren, besticht mit seiner spontanen Frische und Erfindungskraft, wenn er über die Klaviatur, über die Bassregister und -manuale fliegt. Sein Spiel ist ein Tanz auf dem Vulkan stilistischer Absonderlichkeiten. Aber immer wirkt sein Tun bodenständig, begeistert seine Authentizität, reißen seine Improvisationen das Publikum mit.

Gemeinsam werden Lechner und Sväng dann zum erkundenden Quintett, ohne dass ihre filigranen, hoch konzentrierten Interpretationen an Qualität einbüßen. Ihr Spiel geht weit über die Formel vier plus eins hinaus.

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