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Landsberg

30.12.2018

Amsel, Drossel, Fink und Star: Wie gut kennen unsere Leser die Vogelarten?

Wie gut kennen unsere Leser die heimischen Vogelarten aus? Das LT hat den Test gemacht.
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Wie gut kennen unsere Leser die heimischen Vogelarten aus? Das LT hat den Test gemacht.
Bild: Stephanie Millonig

Immer weniger Kinder erkennen Singvögel. Das LandsbergerTagblatt hat den Test gemacht und Passanten Bilder von Vögeln gezeigt. So sieht das Ergebnis aus.

„Amsel, Drossel, Fink und Star...“ – für viele Kinder sind dies nur noch Namen aus einem Kinderlied. Laut einer Studie Münchner Wissenschaftler erkannte nur ein Drittel der 2000 befragten Schüler eine Amsel. LT-Redakteurin Stephanie Millonig war neugierig und war mit Vogelbildern in Landsberg unterwegs, um Passanten zu fragen, ob sie den dargestellten Vogel benennen können.

Felix Schmidt aus Waal tut sich mit den ersten fünf Vogelbildern leicht, doch bei Dompfaff (Gimpel) und Bachstelze setzt es aus. Er hat beim Waldspaziergang mit den Eltern gelernt, Vögel zu bestimmen gelernt - und das will er auch seinem Sohn mitgeben. Der Fünfjährige ist noch zu jung, um die Arten auseinanderzuhalten, beobachtet aber mit Neugier eine Kohlmeise, die in kurzer Entfernung nach Nahrung sucht. Arten richtig zu erkennen, dazu nutzt Schmidt den Google-Assistent: Solange der Piepmatz nur lange genug ruhig sitzt, wird er auch erkannt, ist sich Schmidt sicher. Er setzt auch darauf, dass man Filme drehen kann und Algorithmen dann die Art identifizieren.

Isolde Böhnert aus Dinkelscherben hat kein Problem, alle zehn Arten zu identifizieren, den Buchfink kennt sie nur als Fink. „Manche Vögel erkenne ich auch an der Stimme“, erzählt die 59-Jährige. Dieses Wissen müsse man weitergeben. Es sei schön, Vögel zu beobachten, es gebe einem Ruhe. Die 31-jährige Stefanie Böhnert kennt sich ebenso aus wie ihre Mutter, nur Sohn Simon ist nicht ganz so artensicher.

Wenn das Internet bei der Artenbestimmung hilft

„Vogelarten kenn’ ich keine“ – ein 18-Jähriger aus Denklingen will nicht mal einen Blick auf die Karten werfen. Ein Vater mit neunjähriger Tochter aus Fürstenfeldbruck rät mehr, als dass er es weiß, dass das Vögelchen mit der roten Brust ein Rotkehlchen ist. Und die zwei 21-jährigen Frauen Theresa Schöpf und Elena Friedel, die gerade Mittagspause machen, identifizieren nur den Spatz. „Ich sehe schon, dass da was fliegt“, erzählt Theresa Schöpf. Zu wissen, wie die Vögel heißen, ist ihr aber nicht so wichtig.

Wenn Opa und Oma nicht mehr nahe sind und beide Eltern berufstätig, wer lehrt Kindern dann, wie Amsel, Meise und Co. aussehen? Fängt die Schule das auf? Individuell abgefragt werden laut dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Erich Bachmaier, die Vogelarten nicht. Einzelne Arten seien beim Thema Hecke in der ersten und zweiten Jahrgangsstufe Thema, um Nahrungszusammenhänge gehe es in der dritten und vierten Jahrgangsstufe. „Ein bisschen was ist im Lehrplan“, sagt Bachmaier. Er sieht die Problematik nicht nur bei der Tierbestimmung auch darin liegen, dass immer mehr nur für Probearbeiten gelernt werde und auf den Übertritt zum Gymnasium hin. Fürs Vogelbeobachten bleibt laut Bachmaier angesichts von Probenstress zu wenig Zeit.

So sieht der Lehrplan aus

Auch der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Michael Comes-Lipps, macht die Erfahrung, dass Kinder immer weniger Vögel kennen. „Das stellen wir seit Jahren fest, es ist eigentlich dramatisch.“ Denn die Vogelwelt gerade auf den Feldfluren wie Lerchen, Kiebitze und Co. nähmen immer mehr ab. „Aber es merkt keiner, weil die Tiere nicht mehr bekannt sind.“ Die Unkenntnis beziehe sich nicht nur auf die Vogelwelt, auch bei den Pflanzen sei es so. „Wir müssten eigentlich ans Kultusministerium gehen und formulieren, was verloren geht, wenn Kinder kein Gänseblümchen mehr erkennen.“

Schulamtsdirektorin Brigitte Sulzenbacher erläutert, dass die Umwelterziehung zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen sowohl in der Grund- als auch in der Mittelschule gehöre. Im Lehrplan der Grundschule sei das Thema Umweltbildung im Fachlehrplan „Heimat- und Sachunterricht“ in jeder Jahrgangsstufe verankert. Im Unterricht sollen dabei die Neugier der Kinder und ihre Freude am Entdecken geweckt und verstärkt sowie ein planvolles und systematisches Vorgehen beim Beobachten und Entdecken von Phänomenen in Natur und Technik erlernt werden.

Bald ist wieder die große Vogelzählaktion

Konkret finde sich in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 jeweils der Lernbereich „Natur und Umwelt“ mit dem Unterpunkt „Tiere, Pflanzen, Lebensräume“. In der 1. und 2. Klasse gehe es um das Erkennen und Beschreiben heimischer Vogelarten, in der 3. und 4. Klasse um die Beobachtung und Betrachtung im jeweiligen Lebensraum und um die Dokumentation von Beobachtungen. Die Auswahl der heimischen Vogelarten sei nicht festgelegt, sie werde von der Lehrkraft im spezifischen Klassenlehrplan getroffen.

In der näheren Umgebung würden auch Tiere beobachtet, Wald und Wiese, eventuell auch Zoos würden besucht. Vogelhäuschen bauen, Meisenknödel herstellen oder der Bau eines Nistkastens für Fledermäuse gehören laut Sulzenbacher dazu. Kinder beobachteten Vögel im eigenen Garten oder brächten Vogelnester oder zerbrochene Vogeleier mit.

Vom 4. bis 6. Januar ruft der Landesbund für Vogelschutz wieder zur Zählung der Wintervögel in den Gärten auf. Wie es geht, lesen Sie auf Seite 30.

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