Newsticker
FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae: "Konzeptlose Öffnungen werden vor Gericht kaum Bestand haben"
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Anton Lichtenstern: Der Chronist der Stadt

Landsberg

24.01.2019

Anton Lichtenstern: Der Chronist der Stadt

Anton Lichtenstern war viele Jahre Stadtheimatpfleger in Landsberg. Für sein ehrenamtliches Engagement wird er am Freitag bei einem Festabend des Historischen Vereins ausgezeichnet.
Bild: Detlef Fiebrandt

Das historische Erbe seiner Heimatstadt Landsberg kümmert Anton Lichtenstern seit vielen Jahrzehnten. Dafür wird er am Freitag geehrt. Doch eigentlich will er gar nicht so viel Aufhebens um seine Person machen

Alle zehn Jahre – zu den runden Geburtstagen – ist es auch für Anton Lichtenstern nicht zu vermeiden, dass er ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird. Dass viel Aufhebens um seine Person gemacht wird, mag er nämlich überhaupt nicht. Aber seine Tätigkeiten als ehemaliger Stadtheimatpfleger und rege tätiger heimatkundlicher Autor sind nun mal aller Ehren wert. Und so bekommt er am Freitag, 25. Januar, – genau einen Monat nach seinem 80. Geburtstag – die Ehrennadel des Verbandes der bayerischen Geschichtsvereine. Der Historische Verein Landsberg richtet für Lichtenstern dazu einen Festabend im Festsaal des Historischen Rathauses in Landsberg aus.

Mehr zum Thema finden Sie hier: Ein Buch erzählt vom Leben am Lech


Die bislang letzte große Ehrung hatte Lichtenstern vor ziemlich genau zehn Jahren erfahren. Damals wurde er mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt ausgezeichnet, nachdem er kurz nach seinem 70. Geburtstag sein Amt als Stadtheimatpfleger aufgegeben hatte. Das Interesse für das Gesicht und die Geschichte seiner Heimatstadt war Anton Lichtenstern in gewisser Weise in die Wiege gelegt, als er am Weihnachtstag 1938 in der Bayervorstadt geboren wurde. Die Lichtensterns sind eine seit 300 Jahren in Landsberg nachweisbare Familie. Vor allem Lichtensterns Urgroßvater Josef und sein Vater Anton prägten als Zimmerer und Architekt die bauliche Tradition der Stadt mit.

Stadtbildprägende Häuser erhalten

Anton Lichtenstern wurde zwar Lehrer, nahm aber schon früh die Bemühungen auch seines Vaters um den Erhalt des Landsberger Stadtbilds wahr. Dieser verzichtete nämlich zum Beispiel auf einen lukrativen Auftrag (den Neubau eines Kaufhauses anstelle der „Herzogstuben“ am Hauptplatz), um dieses stadtbildprägende Haus zu erhalten. Mit Erfolg: Am Ende sei auch dessen Eigentümer zur Überzeugung gelangt, dass dieses historisch bedeutsame Haus erhalten bleiben müsse. Das alles geschah in einer Zeit, als es in Bayern noch kein Denkmalschutzgesetz gab und der Erhalt eines alten Gebäudes nur durch die Einsicht seines Besitzers möglich war.

Mit 33 Jahren im Stadtrat

Als Anton Lichtenstern 1972 mit 33 Jahren in den Stadtrat gewählt wurde, wurde er auch gleich zum Referenten für Denkmalpflege bestellt. Dabei gelang es ihm, den bereits beschlossenen Abriss des Salzstadels zu verhindern. Lange blieb Lichtenstern jedoch nicht in der Stadtpolitik. Beruf und Familie seien ihm damals mit drei kleinen Kindern wichtiger gewesen – und ohne lange Stadtratssitzungen blieb ihm auch mehr Zeit, sich mit Denkmalfragen zu beschäftigen, dies auch ganz praktisch: So kaufte und renovierte Lichtenstern 1979 ein Benefiziatenhaus im Hinteranger, das die Kirche ebenfalls bereits zum Abbruch freigegeben hatte. 2008 gab Lichtenstern das Amt des Stadtheimatpflegers, das er 17 Jahre ausgeübt hatte, auf. Er gehört nicht zu denen, die nicht loslassen können: „Festzuhalten und zu meinen, dass alles so bleiben muss, wie es immer war, ist abwegig“, sagt Lichtenstern, „und irgendwann muss es der nächsten Generation überlassen werden, was für eine Stadt sie haben will.“

Jetzt ist er vor allem als Autor tätig

In den vergangenen zehn Jahren war Lichtenstern vor allem als Autor tätig. 2012 etwa bescherte er den Landsbergern zum 850. Jahrestag der Stadtgründung ein besonderes Geschenk: eine kompakte Stadtgeschichte, die prägnant einen Gesamtüberblick zur Entwicklung Landsberg gibt. Und es vergeht kaum ein Jahr, in dem Lichtenstern nicht mindestens einen Beitrag in den Landsberger Geschichtsblättern veröffentlicht.

In der neuesten Ausgabe stellt Lichtenstern Johannes Schrott vor. Der in Seestall geborene Dichter ist heute praktisch niemanden mehr ein Begriff. Im 19. Jahrhundert sei Schrott freilich eine bekannte Künstlerpersönlichkeit gewesen, dessen Dichtungen auch von den Königen Maximilian II. und Ludwig II. geschätzt wurden, die ihn entsprechend förderten, wie Lichtenstern erzählt.

Im vergangenen Jahr befasste sich Lichtenstern mit der Kreuzigungsdarstellung am Bayertor und stellte dabei bemerkenswerte Bezüge zur Verehrung der Drei Hostien auf dem Heiligen Berg in Andechs her. Vor allem den zeitlichen Zusammenhang hob er in seinem Aufsatz für die Geschichtsblätter hervor. Die Andechser Wallfahrtskirche wurde 1423 errichtet, das Bayertor 1425. „Solche Sachen sind ganz spannend, wenn man da drauf kommt“, freut sich Lichtenstern über solche Erkenntnisse.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren