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Landsberg

30.07.2020

Arbeiten mit Maske: „Alles ist besser als ein zweiter Lockdown“

Michael Fahrenholz bedient seine Gäste im Gasthof Mohren trotz Hitze mit Maske.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Es ist Sommer in der Stadt und viele Menschen müssen trotz hoher Temperaturen ihren Mund-Nasen-Schutz beim Arbeiten tragen. Das kann für manchen eine große Belastung sein.

Haare waschen, schneiden und auch noch föhnen sind bei Außentemperaturen, die an der 30 Grad Marke kratzen, auch in „normalen“ Zeiten für Friseure kein Zuckerschlecken. In Zeiten wie diesen, wo Mund-Nasen-Bedeckungen unseren Alltag prägen, erst recht nicht. Und auch das Servieren von Speisen und Getränken, beispielsweise am Hauptplatz, verlangt dem Servicepersonal so einiges ab. Das LT hat sich in der Mittagszeit in der Innenstadt umgeschaut.

Michael Fahrenholz bedient vor dem Gasthaus Mohren am Hauptplatz die Gäste. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel und das Hauptplatz-Pflaster heizt sich extrem auf. Während die Gäste im Schatten unterm Sonnenschirm auf ihr Essen warten, muss Fahrenholz ständig zwischen dem Pass an der Küche, wo die Speisen zum Abholen für ihn bereit stehen, und den Esstischen im Freien hin- und herlaufen. Schweißperlen machen sich auf seiner Stirn breit, die Brille beschlägt immer wieder und hinter der Mund-Nasen-Maske fällt das Atmen zunehmend schwer.

Kurze Pausen einlegen

Auf selbst genähte Masken, wie er sie anfangs getragen hat, verzichtet Fahrenholtz. „Die sind jetzt im Sommer einfach zu warm.“ Aber auch hinter den leichteren Einmal-Masken staut sich die Wärme und Feuchte der Atemluft. Zum Glück gestattet ihm und seinen Kollegen Chef Ioannis Toukas immer wieder, kurze Pausen einzulegen. „Dann ziehe ich mich zurück an einen Ort, wo sonst niemand ist, und nehme die Maske kurz ab“, sagt Fahrenholz.

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Ihm sei es sehr wichtig, dass sein Personal unter diesen erschwerten Bedingungen trotzdem gut und gerne arbeite, sagt Toukas, der Geschäftsführer des Traditionsgasthauses am Hauptplatz. Normalerweise gebe es halbstündige Pausen, das habe man aber jetzt geändert. „Lieber haben meine Leute mehrmals zehn Minuten Verschnaufpause, als dass irgendwer kollabiert.“ Und wenn zwischendurch jemand noch mehr Bedarf nach einer kurzen Auszeit zum Luftholen hat, dann regelten das die Kollegen ganz unkompliziert untereinander.

Auch Ioannis Toukas trägt seine Maske. Auch er gönnt es sich, wenn sonst niemand im Raum ist, diese kurz abzunehmen. Aber im Großen und Ganzen habe er sich sehr gut an den Schutz gewöhnt. Außerdem sei es wichtig, dass sich alle an die Regeln halten. „Je disziplinierter wir sind, desto schneller ist das ganze hoffentlich auch wieder vorbei.“

Friseurin Sabine Valier beim Haare waschen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Heiß ist es in diesen Tagen auch im Salon von Sabine Valier. Da helfe es auch nicht wirklich viel, wenn in ihrem Cityfriseur in der Ludwigstraße alle Fenster geöffnet seien, um wenigstens ein bisschen für Luftaustausch zu sorgen. „In der Stadt steht die Luft ja meistens, da weht kein Lüftchen.“ Unter anderen Umständen würde im Salon ein Ventilator für Erfrischung sorgen. Der aber darf derzeit nicht betrieben werden, weil sich sonst Aerosole stärker in der Luft verbreiten könnten und damit die Ansteckungsgefahr steigt. Also heißt es für Sabine Valier und ihr Team: Zähne zusammen beißen und durchhalten. Das aber ist gar nicht so einfach.

Viel trinken hilft

„Ich habe schon ab und zu Kreislauf- und Atemprobleme“, erzählt Mitarbeiterin Vivian Conrad. Vor allem die heiße Föhn-Luft mache zu schaffen. „Wenn wir den Föhn von den Kunden weghalten, bläst uns die Luft meist direkt ins Gesicht, dann wird es noch wärmer unter der Maske“, sagt sie. Abhilfe schaffe da nur ein kurzer Aufenthalt auf der kleinen Terrasse, die zum Salon gehört, und viel trinken. Und geföhnt wird seit dem Neustart sogar mehr als sonst, stellt Sabine Valier fest. „Die Kunden legen viel mehr Wert auf eine schöne Stylingfrisur als sonst in heißen Sommern.“ Das läge wohl daran, dass durch die Maske das halbe Gedicht verdeckt sei und eine perfekte Frisur das wieder wettmachen soll.

Nicole Höflmair berät eine Kundin in Suzan's.
Bild: Julian Leitenstorfer

Nicole Höflmair, Mitarbeiterin bei Suzan’s im Vorderen Anger, kommt mit der Kombination aus sommerlicher Hitze und Maske tragen ganz gut zurecht. „Alles ist besser, als wieder einen Lockdown zu riskieren“, lautet ihr Motto. Wenn keine Kundschaft im Laden sei, könne sie ihre Maske ja auch kurz abnehmen.

Außerdem trennt eine Plexiglas-Scheibe sie und die Kunden an der Kasse, da müsste sie den Mund-Nasen-Schutz nicht unbedingt dauernd tragen. Im Laden hat sich Erika Eichhorn gerade ein Kleid ausgesucht. Zusammen mit ihrer Tochter Christine Siegwart ist sie auf Shoppingtour. Beide tragen eine Maske und haben damit kein Problem. „Das ist doch zum gegenseitigen Schutz von uns allen, vor allem besteht dann weniger die Gefahr, dass sich Risikogruppen anstecken“, sagt Siegwart. Auch wenn es ein bisschen anstrengender ist, sich mit Maske in der Kabine umzukleiden, glaubt Nicole Höflmair, dass die meisten Kunden froh sind, endlich wieder shoppen gehen zu können. Auch wenn es gerade so richtig heißt ist.

In Kinsau gab es Streit wegen einem Mund-Nasen-Schutz: Streit in Tankstelle: Kunde trägt keinen Mund-Nasen-Schutz

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