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Landsberg

25.12.2020

Armen-Speisung in Landsberg freut nicht nur die Bedürftigen

Essensausgabe für Bedürftige an der "Stufe 15" in Landsberg: Links Initiatorin Billie Salzeder mit ihrer Mitarbeiterin Katharina Widok.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Das Landsberger Lokal Stufe 15 ist vom Corona-Lockdown selbst gebeutelt. Trotzdem verschenkt es an Weihnachten Essen. Die Aktion regt zum Nachdenken an.

Der einladende Duft von Eintopf und Punsch liegt über der Straße vor dem Landsberger Lokal Stufe 15. Geschäftsführerin Billie Salzeder hat sich für den Heiligen Abend etwas Besonderes einfallen lassen: kostenloses Essen für Bedürftige am Mittag. Und nach leichten Anlaufschwierigkeiten zeigt sich: Es war eine hervorragende Idee von Billie Salzeder und ihren Mitarbeitern.

Große Töpfe mit Suppe und Eintopf dampfen auf einem Tisch vor dem Lokal. „Unsere Mitarbeiter in der Küche haben am Vortag noch bis abends Gemüse geschnitten“, sagt Billie Salzeder. In diesem außergewöhnlichen Jahr wollte sie ein Zeichen setzen. „Uns hat es beschäftigt, wie die Not gestiegen ist“, sagt die Geschäftsführerin. Durch den Lockdown hat auch sie Einbußen hinnehmen müssen, aber „jammern hilft nichts, wenn wir alle zusammenhelfen, dann wird die Welt ein Stück herzlicher“.

Das Wetter lädt in Landsberg nicht zum Verweilen ein

Viel Energie haben sie und ihr Team in das Projekt gesteckt – und auch viele positive Rückmeldungen erhalten. „Heute Morgen haben wir noch Getränke geschenkt bekommen, die wir verteilen sollen“, freut sich Mitarbeiterin Katharina Widok. Die Köstlichkeiten an den Mann/die Frau zu bringen, ist zunächst aber gar nicht so leicht. Der Wind pfeift durch den Vorderen Anger, die wenigen Menschen wollen schnell ihre Erledigungen machen und wieder nach Hause. Billie Salzeder lässt sich davon nicht entmutigen: Allen ruft sie ein fröhliches „Frohe Weihnachten“ zu und lädt sie zum Essen ein.

Schließlich bleibt eine Landsberger Familie stehen und lässt sich zum Punsch – natürlich alkoholfrei – einladen. Dass hier kostenlos Essen für Bedürftige angeboten wird, wussten sie nicht. „Aber das repräsentiert doch genau das, worum es an Weihnachten geht“, sagt der 13-jährige Benedikt.

Thorsten T. (rechts) hat über die Caritas von der Aktion gehört und ist zur Stufe 15 gekommen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Und kaum ist der Anfang gemacht, bleiben immer mehr Personen am Stand vor der Stufe 15 stehen. Wer es sich leisten kann, gibt für das Essen eine Spende – aber es kommen auch Bedürftige, die sich über eine kostenlose warme Mahlzeit freuen. Thorsten T. etwa. Er hatte durch die Caritas von dieser Essensausgabe erfahren. „Das ist ein großer Gewinn“, freut er sich über das Essen, und auch den Kontakt.

Wegen Corona fehlt der Kontakt

Er besucht die Tageseinrichtung für psychisch Kranke und Behinderte der Caritas. „Eigentlich wollten wir auch vor einigen Wochen ein Grillfest machen, aber es kam nicht zustande, es traut sich keiner zu kommen.“ Der fehlende Kontakt sei schwer zu verkraften – und da sei schon dieses Treffen vor der "Stufe 15" ein schönes Erlebnis.

Nicht nur vor dem Lokal wurde Essen ausgegeben: Mitarbeiter der Stufe 15 brachten es auch ins Awo-Seniorenheim.
Bild: Julian Leitenstorfer

Dieses Erlebnis haben auch viele andere – und so ist es für Billie Salzeder und ihr Team dann doch eine absolut gelungene Aktion. Nach dem schleppenden Beginn hatte sie schon befürchtet, den Eintopf einfrieren und „dann drei Wochen Eintopf essen“ zu müssen. So weit kommt es nicht: Einen Teil des Essens bringen sie ins Awo-Seniorenheim und der Rest wird gerne von Besuchern auf der Straße gegessen – und getrunken. Und dabei „gab es so viele schöne Gespräche“, freut sie sich.

Die Spenden werden gleich weitergegeben

Weil es ihr ausschließlich um die gute Sache ging, hat Billie Salzeder auch die Spenden weitergeleitet: 85 Euro kamen zusammen, auf 100 Euro hat sie aufgestockt, und darüber darf sich nun die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung freuen.

„Es war einfach schön, dass so viele gespendet haben. Ich glaube, wir haben es geschafft, ein bisschen zum Teilen und zur Nächstenliebe anzuregen“, sagt Billie Salzeder. „Und dass wir uns wieder ein bisschen darauf besinnen, was Weihnachten eigentlich bedeutet.“

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