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Landsberg

05.06.2016

Aufklärerin der Nazi-Zeit: Barbara Fenner verunglückt in Tiroler Bergen

 Die Geschichtsforscherin Dr. Barbara Fenner ist bei einem Bergunfall tödlich verunglückt. Auf dem Bild ist sie bei einer Buchvorstellung 2014 in der Landsberger Stadtbücherei zu sehen.
Bild: Thorsten Jordan

Die Geschichtsforscherin Dr. Barbara Fenner glitt beim Wandern in Tirol auf einem Schneefeld aus und starb.

Dr. Barbara Fenner ist tot. Die Geschichtsforscherin und ehemalige Lehrerin für Deutsch und Geschichte in Landsberg, die für ihr Engagement um die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet worden war, verunglückte am Dienstag in den Tiroler Bergen, wie die Landespolizeidirektion Tirol bestätigte. Tragische Duplizität der Ereignisse: Anton Posset, wie Fenner 73 Jahre alt und ehemaliger Lehrer in Landsberg, dessen Name ebenfalls untrennbar mit der Aufarbeitung der Geschichte der Konzentrationslager Kaufering/Landsberg in Verbindung steht, stürzte im September 2015 in den Ammergauer Bergen ab.

Fenner hatte in einem Dorf der Gemeinde Wildschönau Urlaub gemacht. Da sie seit Sonntag nicht mehr gesehen worden war, alarmierte ihre Vermieterin die Polizei. Am Donnerstag wurde dann die Leiche der 73-jährigen auf 1533 Metern Höhe im Bereich Kaiserbründl gefunden, 60 Meter unterhalb eines Fußweges. Die Polizei geht davon aus, dass sie bereits am Dienstag auf einem Schneefeld ausrutschte und abstürzte.

Landsberg ist ein Ort, in dem die Geschichte des Nationalsozialismus sehr präsent ist – als Ort der Festungshaft Hitlers, als Standort von Konzentrationslagern und als Platz, an dem Kriegsverbrecher hingerichtet wurden. Barbara Fenner machte sich als Geschichtslehrerin zur Aufgabe, Erinnerungen an diese Historie zu bewahren in ganz konkreter Weise: Unter dem Motto „Wir machen ein KZ sichtbar“, legte sie 1993 bis 1995 mit Neunt- und Zehntklässlern des Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasiums Spuren des Außenlagers Kaufering XI – einem Außenlager von Dachau, frei.

Fenner schrieb „Landsbergs schwierige Zeitgeschichte“

Sie setzte sich aber auch theoretisch mit der Vergangenheit der Lechstadt auseinander und schrieb über „Landsbergs schwierige Zeitgeschichte“, so der Titel eines ihrer Bücher. Fenner beschäftigte sich nicht nur mit der Historie selbst, sondern auch damit, wie sich diese weitergeben lässt: 2013 schloss sie eine Dissertation ab, in der unter anderem thematisiert wurde, wie im Geschichtsunterricht durch das planmäßig Arbeiten mit Emotionen, die im Lernprozess entstehen, wachsendes Geschichtsbewusstsein vermittelt werden kann.

Fenner war für ihr Engagement um die Aufarbeit der NS-Geschichte im Landkreis 2012 mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet worden. 2014 erhielt sie in Augsburg den Marion-Samuel-Preis der Augsburger Stiftung Erinnerung.

Matthias Neuner ist erschüttert über die Neuigkeit. Landsbergs Oberbürgermeister hatte zweifache Berührungspunkt: „Frau Fenner war meine Deutschlehrerin.“ Als Kommunalpolitiker erlebte er sie als „angenehme, engagierte Person. Lernen aus der Geschichte war ihr wichtig.“ Ihr Engagement sei mit dafür verantwortlich, dass Gedenkarbeit präsent sei. Was Basis auch dafür sei, dass mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten derzeit ein Konzept erarbeitet werde, wie diese Geschichte vermittelt und an sie erinnert werden solle. „Sie bildete auch die Stadtführerinnen bei diesem Thema aus und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Thema Gedenkarbeit auch bei den Schülern präsent war“, sagt die ehemalige 3. Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller.

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