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Dienhausen

01.12.2020

Bei Fliesen Unsin aus Dienhausen packt auch der Senior-Chef noch an

Daniel Unsin (rechts) hat inzwischen den Fliesenlegerbetrieb von Vater Matthäus in Dienhausen übernommen, Mutter Birgid kümmert sich um die Büroarbeit.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Vor 37 Jahren gründete Matthäus Unsin aus Dienhausen einen Fliesenlegerbetrieb. Sohn Daniel hat die Firma inzwischen übernommen. Warum der Vater einst eine Kapelle baute.

Seit 37 Jahren gibt es im kleinen Örtchen Dienhausen den Fliesenlegerbetrieb von Matthäus Unsin. Als er sich 1983 selbstständig machte, wagte der gelernte Maurer sowie Pflaster-, Mosaikleger- und Fliesenlegermeister einen mutigen Schritt. Denn erst einmal hieß es investieren in Maschinen und Fahrzeuge.

Schon allein wegen der teuren Anschaffungen, zu denen im Lauf der Jahre noch viele weitere kamen, ist er froh, dass sein im selben Jahr geborener Sohn Daniel den Betrieb 2016 übernommen hat. „Es ist ja alles da“, sagt der 69-Jährige, der aus einer kleinen Landwirtschaft stammt und seit 55 Jahren am Bau arbeitet, „es wäre doch schade, wenn es nicht weitergeht“. Zwang, den Betrieb zu übernehmen, übten die Eltern nie aus. Doch nach einem Praktikum in einer Maschinenbaufirma reifte in Daniel der Wunsch, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. „Das hat mich gefreut“, sagt Matthäus Unsin.

Vor der Arbeit geht es jeden Tag in die Crescentiakapelle

Beim Bau des gemeinsamen Hauses sei ihm und seiner Frau Birgid die Idee gekommen, einen Ausstellungsraum zu integrieren. Birgid übernahm Ausstellung und Verkauf. „Das war praktisch“, findet sie, „so konnte ich auch bei den Kindern sein“. Ein Lehrling und ein Geselle wurden eingestellt. Inzwischen wird der neunte Berufsanfänger ausgebildet.

Noch immer arbeitet der Firmengründer von früh bis spät im Betrieb mit. „Um sieben Uhr in der Früh bin ich im Lager, und um sieben Uhr abends sperre ich wieder zu“, sagt Unsin. Er betreut Baustellen, liefert Material und bespricht alle Projekte im Vorfeld mit den Kunden. „Das ist ein Glück für unseren Sohn, so kann er voll mitarbeiten“, sagt Birgid Unsin.

Blick in den Ausstellungsraum der Firma Fliesen Unsin in Dienhausen.
Bild: Thorsten Jordan

Bevor ihr Mann sich in die Arbeit stürzt, fährt er jeden Tag in die nahe gelegene Crescentiakapelle, die er im Wald als Dank für die Rettung seines Sohnes errichtet hat, der 1983 schwer krank zur Welt kam und von mehreren Ärzten schon aufgegeben worden war. Neben dem Engagement, um sein Gelübde für die Genesung einzulösen, und der Arbeit nahm sich Matthäus Unsin jahrelang Zeit für Hilfseinsätze in Rumänien und baute dort mit Mitstreitern ein Kinderheim. „37-mal war ich dort, immer für eine Woche“, sagt er, „weil ich den Kindern dort helfen wollte.“ In ihrer Einstellung zur Arbeit sind sich Vater und Sohn sehr ähnlich. Matthäus Unsin, der „keine fünf Minuten ruhig sein kann“, wie seine Frau sagt, und immer ein Projekt am Laufen hat, und Daniel, der „drei Baustellen an einem Tag macht“, so der Vater. „Der kann arbeiten wie ein Viech“, bekräftigt Birgid Unsin.

Beim Morgenkaffee wird die Lage besprochen

In jeden Arbeitstag starten die drei gemeinsam. Sohn Daniel kommt aus dem Anbau, in dem er mit seiner Frau und den vier Kindern wohnt, rüber zum Morgenkaffee und der Lagebesprechung, um anschließend die Baustellen anzufahren. Vater Matthäus bricht um halb sieben Uhr morgens zu der von ihm errichteten Crescentia-Kapelle im Wald auf und bereitet im Lager alles vor. Auf dem Weg zu seiner ersten Baustelle fährt er seinen Enkel zur Schule.

Die Arbeit ist körperlich schwerer geworden – der Trend geht mittlerweile zu großformatigen Platten.
Bild: Thorsten Jordan

In der Firma Unsin ging die Arbeit nie aus, die Auftragslage war stets gut. „Wir mussten nie Werbung machen“, betont Matthäus Unsin. Zwischenzeitlich wuchs die Belegschaft auf 13 Mann. Ein schwerer Arbeitsunfall mit einem Wirbelsäulenbruch, teilweiser Lähmung und mehrmonatigem Klinikaufenthalt zwang Unsin jedoch, seinen Betrieb zu verkleinern. Heute werden – wo nötig – Subunternehmer ins Boot geholt, aber auch wieder Mitarbeiter gesucht. „Wir machen alles, vom kleinsten WC bis zur großen Wohnanlage“, sagt Matthäus Unsin. Bei größeren Baustellen arbeitet er eng mit Kollegen zusammen, sodass immer zehn Mann für den Dienhausener im Einsatz sind. Kontakt zu jungen selbstständigen Fliesenlegern – die meisten sind Ein-Mann-Betriebe – knüpft er beim Einkauf im Baustoffhandel und lädt sie ein, sich zu melden, wenn im Auftragsbuch eine Lücke klafft. „Man muss einen guten Kontakt pflegen“, sagt er.

Der Trend geht zu großformatigen Fliesen

Die Arbeit eines Fliesenlegers sei körperlich schwerer geworden, sagen die Unsins. Der Grund ist der Trend zu immer großformatigeren Platten: 90 mal 90 Zentimeter sind gerade angesagt. „Zwei Fliesen wiegen 37 Kilogramm, das musst du erst mal in den ersten oder zweiten Stock tragen“, sagt der Senior.

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