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Landsberg

23.11.2019

Beim Ehrenabend treffen sich Politik und Kultur in Landsberg

Oberbürgermeister Mathias Neuner und der neue Träger des Hubert-von-Herkomer-Preises, Egon Stöckle.
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Oberbürgermeister Mathias Neuner und der neue Träger des Hubert-von-Herkomer-Preises, Egon Stöckle.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Im Rathaus-Festsaal erhält der Bildhauer Egon Stöckle den Hubert-von-Herkomer-Preis der Stadt Landsberg. Und zwei langjährige und besonders aktive Stadträte können sich über den Goldenen Ehrenring freuen.

Kultur und Politik kamen am Freitagabend im Festsaal des Historischen Rathauses in Landsberg zusammen. Zum achten Mal verlieh die Stadt ihren nach dem Maler Hubert von Herkomer benannten Großen Kunst- und Kulturpreis. Außerdem zeichnete Oberbürgermeister Mathias Neuner zwei seit mehr als 20 Jahren tätige Stadträte mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt aus.

Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Hubert-von-Herkomer-Preises an den Bildhauer Egon Stöckle. Dieser mit 7000 Euro dotierte Preis ist die höchste Auszeichnung, welche die Stadt für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, Architektur, Musik, Literatur, Fotografie oder des Films vergeben kann. Bevorzugt sollen damit Künstler geehrt werden, deren Person oder Werk einen speziellen Bezug zu Landsberg und dessen Umkreis haben.

Mit Sinn für Humor und das Wesentliche

Dieses Mal entschied die Jury sich für den 83-jährigen Bildhauer Egon Stöckle. Der gebürtige Kaufbeurer lebt nicht nur seit Jahrzehnten im weiteren Umkreis von Landsberg (einst in Oberfinning, heute in Hohenfurch), sondern ist im Landsberger Stadtbild durch seine Werke sehr präsent, wie die Kunsthistorikerin Dr. Gudrun Szczepanek in ihrer Laudatio verdeutlichte. Der Bildhauer, so stellte sie an den Anfang ihrer Rede, überzeuge dabei „nicht nur mit Inhalten, sondern auch mit Qualität und ausdrucksvoller Formensprache mit Sinn für Humor und Abstraktion des Gegenstandes auf das Wesentliche“.

Das gilt aber nicht nur für sein künstlerisches Schaffen, sondern auch für seine Dankesworte. Diesen stellte er den Satz voran: „Was ich heute vorhabe, dazu haben meine Freunde nur kopfschüttelnd gelächelt, dass ich wage, eine Rede zu halten.“ Sie fiel kurz und auf das Wesentliche reduziert aus, mit Dank an die Stadt und die Jury, besonders aber auch an seine Freunde und Begleiter sowie seinen Lehrer an der Kunstakademie, den Bildhauer Heinrich Kirchner, der ihn zum Bronzeguss gebracht habe. Stöckle erinnerte an seinen ersten öffentlichen Auftrag, eine Skulptur eines Barmherzigen Samariters, die 1977 vom damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel eingeweiht wurde. Insbesondere in der Stadt Landsberg folgten auch weitere Werke mit religiösen Motiven: Der Gute Hirte im Hof des Pfarrzentrums Mariä Himmelfahrt oder der Tabernakel in der Heilig-Engel-Kirche. Bekannt ist Stöckle in Landsberg aber auch durch zahlreiche Büsten: Sie zeigen den von den Nationalsozialisten ermordeten Gründer des Studentenwerks, Fritz Beck, den Namensgeber des Herkomerpreises, Hubert von Herkomer, den ebenfalls in der NS-Zeit verfolgten Jesuitenpater Rupert Mayer und das mutige Kaminkehrerehepaar Alois und Maria Elsner, das Häftlinge in den KZ-Außenlagern heimlich mit Lebensmitteln, Medizin und Wäsche versorgte.

Von "Keilmännern" und "Schattentieren"

Laudatorin Gudrun Szczepanek machte die mehr als 100 Gäste aus Politik und Kultur aber auch auf die freien Arbeiten des Bildhauers aufmerksam, die sich unter anderem auf Stöckles Kalkbrennerhof befinden: Serien wie „Mann und Frau“, die „Keilmänner“, seine Schattentiere (vier davon gibt es auch auf dem Hof der Platanenschule), Stöckles Köpfe, Türme, Häuser und Tore. Wie viele Gedanken sich Stöckle über die Menschen, Natur, Pflanzen und Tiere mache, zeige sich besonders eindrucksvoll an der Skulptur einer Mutter mit Kind auf dem Kalkbrennerhof. Sie steht dort, wo der damalige Kalkbrenner eine inzwischen verfallene und abgerissene Kapelle erbaute, um für eine doch noch gut verlaufene Geburt zu danken.

Heiter wie am Ende bei den Dankesworten Stöckles war es auch zu Beginn des Ehrenabends gewesen. Oberbürgermeister Mathias Neuner konnte zwei Stadtratskollegen den Goldenen Ehrenring verleihen. Axel Flörke und Christoph Jell gehören nicht nur seit mehr als 20 Jahren dem Stadtrat an, sondern zählen laut Neuner auch zu den besonders umtriebigen und aktiven Stadtpolitikern, die in dieser Zeit nicht nur in einer Fraktion ihre Spuren hinterlassen haben.

Stadtrat Christoph Jell wurde mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt ausgezeichnet und bekam dazu auch eine Urkunde von Oberbürgermeister Mathias Neuner.
Foto: Thorsten Jordan

Christoph Jell: Vom Lehrling zum Meister

So kam Christoph Jell im Juli 1998 bei der CSU als Nachrücker für Ernst Müller in den Stadtrat, er wechselte in der folgenden Wahlperiode zur Landsberger Liste und wurde 2008 und 2014 über die UBV/Freien Wähler in den Stadtrat gewählt. Alt-Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle zeichnete Jells Werdegang nach: Vom Lehrling am Ende seiner Amtszeit und über die Gesellenjahre unter Ingo Lehmann sei er jetzt als Fraktionsvorsitzender der UBV gleichsam zum „Meister“ geworden. „Alles gelogen, aber gefallen hat es mir trotzdem“, erwiderte Jell augenzwinkernd.

Oberbürgermeister Mathias Neuner steckt Drittem Bürgermeister Axel Flörke den Goldenen Ehrenring an.
Foto: Thorsten Jordan

Axel Flörke: Von Förderverein zu Förderverein

Ähnlich verschlungen ist die politische Laufbahn von Axel Flörke. Der gebürtige Berliner, der als Lehrer nach Landsberg kam, trat bereits 1991 als Nachrücker bei den Grünen in den Stadtrat ein, wechselte 1995 zu FW/UBV, gab sein Mandat im Juli 2000 auf, um 2008 erneut für die UBV in den Stadtrat einzuziehen, dem er seit 2014 als Vertreter der „Landsberger Mitte“ angehört. Ein besonderes Interesse entwickelte Flörke dabei für die Kultur in der Stadt, weshalb der Dritte Bürgermeister gemeinhin auch als „Kulturbürgermeister“ bezeichnet wird. Als solcher tat und tut er sich besonders in der Förderung vieler Projekte hervor. Dabei erinnerte er im Gespräch mit seiner Vorgängerin Sigrid Knollmüller an die Beschaffung eines Flügels für den Rathaus-Festsaal und auf die seiner Meinung nach dringend notwendige Sicherung der Kirche und Gruft der Ursulinen. „Deshalb gründe ich gerade den nächsten Förderverein.“

Nach einem letzten Stück von Egon Stöckles Musikerfreunden Erwin Rehling und Pit Holzapfel verlagerte sich der Festabend wieder in die darunterliegende Etage des Rathauses, wo ein Buffet mit herzhaften und süßen Schnittchen aufgebaut war.

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