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15.07.2020

Berufliche Schulen: Warum die Sanierung viel mehr kostet

Der alte Teil der Berufsschule Landsberg muss dringend saniert werden. Fenster und Isolierung sind undicht und es dringt Wasser ein, wie Schulleiter Lorenz Häckl (links), und sein Stellvertreter Thomas Schlütsmeier zeigen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Erweiterung und Sanierung der Beruflichen Schulen Landsberg kostet 50 Millionen Euro. Veranschlagt war viel weniger. Diskussionen gibt es beim Brandschutz.

Die Nachricht mussten die Räte in der Sitzung des Kreisausschusses erst einmal verdauen: Die Sanierung und Erweiterung der Beruflichen Schulen in Landsberg kostet 50 Millionen Euro, deutlich mehr als veranschlagt. Und es wird länger dauern als zunächst vorgesehen.

Renate Standfest (Grüne) verwies darauf, dass für das Projekt im aktuellen Schulentwicklungsplan 28 Millionen Euro eingeplant seien. „Müssen wir jetzt bei allen Maßnahmen mit einer Verdopplung der Kosten rechnen?“ Hochbauamtsleiter Christian Kusch sagte dazu, dass der derzeitige Schulentwicklungsplan bis 2024 gelte, es darüber hinaus noch keine Planung gebe. Da die Sanierung und Erweiterung voraussichtlich in zwei Bauabschnitten erfolge und der Landkreis ohnehin ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan liege, reichten die 28 Millionen Euro bis 2024 aber.

Die Mehrkosten seien mehreren Gründen geschuldet, so Kusch. So würden die Werkstätten deutlich größer und man reagiere auf steigende Schülerzahlen, was damals „so nicht absehbar“ gewesen sei. Auch sei der Bestand nun genauer untersucht worden. Der Landkreis könne mit einer Förderung von 25 bis 30 Prozent, bezogen auf die Gesamtkosten, rechnen, sagte er. Landrat Thomas Eichinger betonte in der Sitzung, dass es sich bei der erstmals öffentlich präsentierten Zahl um eine Kostenschätzung handle. Ein finanzieller Puffer für mögliche Preissteigerungen ist derzeit nicht einkalkuliert laut Planerin Anne Kern. Die komplette Fertigstellung ist für 2028 geplant.

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Eine große Zahl an Mängeln

Architekt Peter Kern zählte in seiner Bestandsaufnahme eine große Zahl an Mängeln auf, die behoben werden müssten. So gehen Stahlträger durch Glasscheiben, was Kältebrücken zur Folge habe, auch sei eine Großzahl der Fenster undicht und das Wasser könne in die Gebäude eindringen und verursache Feuchteschäden. Auch in den Heizungsraum dringe Wasser ein und der Brandschutz sei ungenügend. Zudem hätten die Untersuchungen ergeben, dass das Tragwerk in den Werkstätten so marode sei, dass es nicht mehr saniert werden könne. Und auch die Haustechnik bedürfe einer Erneuerung.

Bekommen sollen die Beruflichen Schulen zudem eine Mensa mit 200 Plätzen für die Schüler und einen separaten Bereich mit 50 Plätzen für die Lehrer. Thomas Salzberger (SPD) erkundigte sich, warum die Lehrer einen eigenen Bereich bekommen sollen und ob die Zahl an Plätzen wirklich nötig sei, schließlich könne in Schichten gegessen werden. Schulleiter Lorenz Häckl entgegnete, dass auf ein Lehrerzimmer verzichtet werde. „Dieser Rückzugsraum ist für Gespräche wichtig, die nicht für die Ohren der Schüler gedacht sind.“ Insgesamt besuchen rund 2200 Schüler die Bildungseinrichtung. Wegen der unterschiedlichen Blöcke von Theorie und Praxis seien meist etwa 1100 gleichzeitig da. Hinzu kommen etwa 150 Lehrkräfte.

Der alte Teil der Berufsschule muss dringend saniert werden. Mit Eimern muss das Wasser im Flur der Werkstätten aufgefangen werden, wie  Schulleiter Lorenz Häckl (links) und sein Stellvertreter Thomas Schlütsmeier zeigen.
Bild: Thorsten Jordan


Der Schulleiter warb für eine schnellstmögliche Sanierung. Nur so könne Themen wie der E-Mobilität bei den Kfz-Monteuren und Industrie 4.0 Rechnung getragen werden. „Beim Holzbau sind wir bei den Maschinen gut aufgestellt, aber wir haben Platzprobleme. Ich gehe zudem davon aus, dass der Ausbildungszweig Gestaltung an der Fachoberschule wachsen wird.“

Im Kreisausschuss wurden zwei Varianten zum Bauablauf vorgestellt, die jeweils unterschiedliche Szenarien für Schulgebäude, Werkstätten, Turnhalle und geplante Mensa enthielten. Die Räte bevorzugten die Lösung, die Turnhalle bereits im ersten Bauabschnitt zu erledigen, der 2021 beginnen soll und dies nicht als letzte Maßnahme durchzuführen. Hintergrund ist, dass dort nach dem Willen der Räte die Mensa angebaut werden soll. Alternativ war auch in der Diskussion, die Mensa nördlich der Turnhalle zu errichten. Über der Mensa sollen Schulungsräume entstehen.

Bei den Werkstätten favorisierte der Kreisausschuss die Lösung, drei neue Gebäude zu errichten. Eine davon soll auf einer Freifläche entstehen und im ersten Bauabschnitt errichtet werden. Diese Lösung empfahlen auch die Architekten, die diese mit einem gemeinsamen Dach überspannen wollen. Auch in den Gebäuden sind Unterrichtsräume vorgesehen. Kreisrat Tobias Linke (Bayernpartei) erkundigte sich, wie das angesichts des Lärms aus der Schreinerwerkstatt umgesetzt werden soll. „Die Unterrichtsräume befinden sich im Obergeschoss und wir bauen eine entsprechend gute Zwischendecke“, antwortete Architektin Anna Kern.

Brandschutz soll im zweiten Abschnitt erledigt werden

Zu Diskussionen führte in der Sitzung, dass bei der favorisierten Lösung der Brandschutz erst im zweiten Bauabschnitt verbessert wird, der 2024 beginnen soll. Landrat Thomas Eichinger informierte, dass die Beruflichen Schulen Bestandsschutz haben. „Es geht hier aber auch um die rechtliche Sicherheit. Am Dominikus-Zimmermann-Gymnasium hat es schon mal gebrannt“, mahnte er. Alexander Herrmann (Grüne) empfahl, prüfen zu lassen, ob der Brandschutz zuerst umgesetzt werden müsse, sonst sollte die favorisierte Lösung realisiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Investition in Berufsschulen ist teuer, aber nötig

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