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Historie

06.02.2013

Bierkeller ist jetzt ein Baudenkmal

Der Keller unter dem früheren Gasthof Gattinger-Keller an der Rotter Straße in Dießen ist jetzt in die Denkmalliste eingetragen worden.
Bild: Gerald Modlinger

Schutz für den Gattinger-Keller. Für das Grundstück waren Mehrfamilienhäuser und Tiefgarage beantragt

Die Marktgemeinde Dießen ist um ein Baudenkmal reicher: Der Gattinger-Keller an der Rotter Straße wurde jetzt in die Denkmalliste eingetragen, berichtete Bürgermeister Herbert Kirsch in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Denkmalschutz bezieht sich jedoch nicht auf die gleichnamige frühere Gastwirtschaft, sondern auf den eigentlichen Keller, auf dem das Gasthaus steht. Er ist somit dem Blick von der Straße verborgen.

Die Denkmalschützer wurden auf den Bierkeller aufmerksam, als im Herbst im Rathaus eine Bauvoranfrage eingereicht wurde. Diese sah vor, die vorhandenen Gebäude abzubrechen und auf dem mehr als 2400 Quadratmeter großen Grundstück drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 21 Parteien zu errichten. Die Gemeinde hatte zwar gegen eine solche Neubebauung grundsätzlich nichts einzuwenden. Dem Abbruch des Kellergewölbes und der geplanten Tiefgarage könne jedoch nicht zugestimmt werden, solange die Denkmaleigenschaft des unterirdischen Gebäudes nicht geklärt ist.

Der Keller reicht laut Alois Koch, dem Bruder des inzwischen verstorbenen letzten Wirts vom Gattinger-Keller, Hermann Koch, rund acht Meter in die Tiefe und befindet sich unterhalb des eigentlichen Gasthofgebäudes. Laut Landesamt für Denkmalpflege wurde das unterirdische Bierlager 1831 errichtet. Der Keller wurde in Tufffelsen geschlagen, aus Tuffsteinen wurden auch die Wände erbaut. Das Gewölbe errichtete man aus Ziegelsteinen des 1827 durch einen Blitzschlag getroffenen und zerstörten Turms der barocken ehemaligen Stiftskirche der Augustiner-Chorherren.

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Erbauer des Kellers war der damalige Besitzer des Weilheimerbräus, Georg Weyher. Es handelte sich jedoch dabei nicht um den ersten Keller an dieser Stelle. Aus einer älteren Beschreibung des Weilheimerbräus – die Brauerei befand sich an der Ecke Prinz-Ludwig-/Mühlstraße an der Stelle der jetzigen Sparkasse – von 1788 geht hervor, dass zu dem Anwesen auch bereits damals ein Märzenkeller an der Rotter Straße gehörte.

Aus zwei Brauereien wurde ein Betrieb

Der Name Gattinger-Keller wurde üblich, nachdem der aus Pähl stammende Johann Gattinger 1860 in die Braustätte eingeheiratet hatte. 1862 konnte er seinen Betrieb erweitern, als er den benachbarten Schretterbräu seines Schwiegervaters Jakob Doll erwarb. Er ließ beide Anwesen abbrechen und als ein großes Haus neu errichten. Mit 16 Fremdenzimmern stellte sich Gattinger bereits auf den allmählich aufkommenden Tourismus ein.

Der Gattinger-Keller an der Rotter Straße diente zunächst ausschließlich als Bierlager für die Sommermonate. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging aber die Zeit der Dießener Brauereien zu Ende. Auch der Weilheimerbräu stellte wohl um 1900 seinen Braubetrieb ein. 1906 endete die Zeit der Gattingers. Es folgten etliche Eigentümerwechsel, bis 1937/38 die Sparkasse Dießen die Liegenschaft kaufte, um darauf eine Geschäftsstelle zu errichten.

Der Bierkeller an der Rotter Straße war kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu einem Gasthof ausgebaut worden. Als Ende der 1920er-Jahre der Gattinger-Besitz ein weiteres Mal zum Verkauf stand, erwarb der Münchner Metzger Alois Koch das Anwesen an der Rotter Straße. Später wurde es um eine Kegelbahn erweitert. Der alte Keller wurde weiterhin genutzt, um das inzwischen von der Paulaner-Thomas-Salvator-Brauerei aus München bezogene Bier zu kühlen. Sein Sohn Alois kann sich noch erinnern, wie im Winter Eis aus dem benachbarten Metzgerweiher in den Keller gebracht wurde.

Der Keller hat für das Denkmalamt eine mehrfache Bedeutung. Er dokumentiere eine ungewöhnlich hohe Zahl von Brauereien in Dießen (zehn Braustätten im 18. Jahrhundert) und veranschauliche die damalige wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Marktes. Der Keller sei auch außergewöhnlich groß, lediglich der klösterliche Bierkeller hatte ähnliche Ausmaße. Und schließlich seien die Ziegelsteine wichtige materielle Zeugnisse der Geschichte der berühmten Stiftskirche.

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