Stadttheater

03.04.2019

Blutleere Figuren

Michael Vogtmann (rechts) als Charles und Tillbert Strahl vom Metropoltheater München bei ihrem Gastspiel im Stadttheater.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Metropoltheater München war in Landsberg mit „King Charles III“ zu Gast. Warum nur das Drumherum witzig war

Es wäre interessant zu erfahren, ob die Schauspieler das Stück allzu gern spielen, das sich in nicht allzu schnellem Tempo über die Bühne im Stadttheater bewegte. Zumindest wirkten sie nicht lustvoll. Oder war dieses seltsam farblose Agieren Teil der Inszenierung?

Zu Gast war das Metropoltheater München, bekannt für eigentlich stets gute Qualität, mit „King Charles III“ (Autor Mike Bartlett). Der Stoff/Inhalt des Stücks ist ja durchaus reizvoll: Der Tod hat Einzug gehalten im britischen Königshaus: Queen Elizabeth und wie sich im Verlauf herausstellt, auch längst Prinz Philipp, hat der Sensenmann gemäht. Beider Sohn Charles kann endlich, im zarten Alter von über 70 Jahren, den Thron besteigen. Das erweckt doch einiges an Neugier.

Wie würde er sich nach Meinung des Autors geben? Wie würde sich Camilla an seiner Seite verhalten? Und wie schließlich, würden die Verwandten und vor allem, die Bürger reagieren? Zusätzlich war der Abend als „in bester Shakespearescher Tradition“ angekündigt. Der Vergleich mit dem großen Dramatiker der Renaissance war schon mal zu hoch gegriffen, zu blutleer waren die Figuren. Möglicherweise sollte mit Letzterem auf die Machtlosigkeit, ja Überflüssigkeit eines Königshauses in der heutigen Zeit hingewiesen werden. Deutlich wurde dies, als sich der neue König weigerte, ein Gesetz zu unterschreiben.

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Die vielen kurzen Bilder, die der Autor von den Geschehnissen zeichnet, zerfledderten das Stück, anstatt einen roten Faden zu knüpfen. Es kommen Kondolenzbesucher, der Premierminister schaut vorbei, die Presse verlangt ihren Tribut. Und dann ist da auch noch die Familie. Aber musste das wirklich sein, dass Lady Di als wunschpunschversprechender Poltergeist durch die Wände des Hauses flutscht?

Witzig war das Drumherum: Im Foyer war ein großes Memorial mit von Verehrern der verstorbenen Königin hinterlassenen Blumen, Plüschtieren, Botschaften. Der Saal wurde kurzfristig zum Unterhaus und während der Pause war der Mob unterwegs und demonstrierte. Die minutenlange Unterschreiberei von Abdankung und Inthronisation setzte dem Ganzen dann aber die gar nicht königliche Krone der Zeitverschwendung auf.

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