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Landkreis Landsberg

18.01.2020

Brandserie geklärt: Jetzt herrscht Erleichterung

Die Polizei hat in der Nacht auf Freitag die mutmaßlichen Brandstifter geschnappt, die wohl für die Brandserie im Landkreis Landsberg verantwortlich sind. Dieses Fot stammt von einem brennenden Holzstapel in Unterdießen.
Bild: Polizei

Plus Die Polizei schnappt zwei mutmaßliche Täter auf frischer Tat. Die zwölf Fälle im Landkreis Landsberg stehen damit vor der Aufklärung. Wie Brandopfer Karl Fernsemer aus Rott reagiert.

Landwirte, Feuerwehrleute und Polizisten können aufatmen: Die seit Wochen im Landkreis Landsberg tobende Brandserie ist wohl gelöst. Die Ermittler haben in der Nacht auf Freitag zwei Männer festgenommen, die bei Unterdießen einen Holzstapel angezündet haben. Diese und weitere Taten haben sie bereits gestanden. Seit Mitte Dezember brannten im südlichen Landkreis und im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau zwölf Feldstadel. Ob alle Taten auf das Konto der 24 und 25 Jahre alten Männer gehen, werden die weiteren Ermittlungen zeigen. Einer der beiden Männer stammt aus der Gemeinde Thaining.

Karl Fernsemer war die Erleichterung am gestrigen Freitag förmlich anzuhören. „Ich hoffe, es sind die Richtigen und hoffe, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt.“ Der Landwirt aus Rott zeigte sich froh darüber, dass die Polizei die mutmaßlichen Brandstifter gefasst hat. Fernsemer selbst wurde eines ihrer Opfer. In der Nacht auf Samstag, 14. Dezember, brannte seine Feldscheune. 13 Oldtimer-Traktoren des leidenschaftlichen Sammlers verbrannten. „Die letzten Wochen waren nicht schön“, sagt der 57-Jährige. Denn die Schlepper des "Hanomag-Bauern" waren nicht versichert. Zudem machte sich die Sorge bei ihm breit, dass sein zweiter Stadel angezündet werden könnte. Deshalb holte er 30 Rundballen von dort auf seinen Hof und fuhr mit seinen beiden Söhnen Thomas und Andreas häufig abends und nachts zur Scheune, um zu schauen, ob dort alles in Ordnung ist. „Das hat mich dann immer beruhigt.“

PK bei der Kripo in FFB: Manfred Frei Kriminaldirektor/Leiter Kriminalpolizeiinspektion FFB im Interview
Bild: Thorsten Jordan

So wie Karl Fernsemer ging es unzähligen Landwirten aus dem südlichen Landkreis Landsberg. Sie schlossen sich zusammen und fuhren nachts Patrouille. In Fuchstal sollen es sogar über 30 gewesen sein, die einen Schichtplan aufstellten. Einmal, so erzählt man sich, haben sie nachts einen Autofahrer in die Enge getrieben. Und dieser habe sich dann als Kriminalbeamter ausgewiesen. Für die Polizei waren die vergangenen Wochen äußerst arbeitsintensiv. Das wurde bei der gestrigen Pressekonferenz in Fürstenfeldbruck deutlich. Dort lieferte Kriminalrat Manfred Frei Details zur Brandserie und den mutmaßlichen Tätern. „Wir haben die Brände sehr ernstgenommen“, so Frei mit Blick auf eine 14-köpfige Ermittlungsgruppe. Unabhängig davon wurde ein weiträumiges Gebiet, in dem sich rund 500 bis 600 Feldscheunen befinden, von Beamten in Uniform und in Zivil regelmäßig kontrolliert – Tag und Nacht. „Wir haben 6000 Mannstunden in der Nacht geleistet – außerhalb der Ermittlungsarbeit.“

Brandserie geklärt: Jetzt herrscht Erleichterung

Im Wohnort des Kripo-Chefs brannte es zuerst

Ausgerechnet im Wohnort des Kripo-Chefs – in Fuchstal – nahm die Brandserie am 13. Dezember ihren Ursprung. Auch im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau ereigneten sich zwei Fälle. Die mutmaßlichen Täter gingen dabei meist mit Grillanzündern, Spiritus und anderen Brandbeschleunigern vor, wie die Ermittler bekanntgaben. In ihre konkrete Ermittlungsarbeit wollten sie ansonsten keinen Einblick geben. Nur: „Wir haben ein Fahndungskonzept erarbeitet und den Fahndungsraum an die weitläufige Topografie angepasst. Das hat dazu geführt, dass im Rahmen einer Fahndungsstreife der Brand bei Unterdießen aufgefallen ist.“ Man habe auch ins Kalkül gezogen, dass der oder die Täter aus dem Umfeld der Feuerwehr stammen. „Das hat sich nicht bestätigt und wir sind sehr froh, dass dem nicht so ist.“

Karl Fernsemer hat wieder einen Oldtimer-Traktor

Auch bei den Brandschützern nahm man die Nachricht vom Ermittlungserfolg gestern mit Erleichterung auf, wie Kreisbrandrat Johann Koller sagte. „Ansonsten waren die Brände Alltagsgeschäft. Nur, dass wir eben ein paar Mal nachts öfter aufstehen mussten.“ Landsbergs kommissarischer Polizeichef Michael Strohmeier ist auch erleichtert: „Anfangs wurde es in der Bevölkerung so formuliert, dass wir tatenlos zusehen würden. Wir sind froh, dass die Bevölkerung wieder ruhig schlafen kann.“

Auch Karl Fernsemer aus Rott dürfte jetzt wieder ruhigere Nächte haben. „Wenn nachts die Sirene gegangen ist – und das war dreimal der Fall –, dann sind wir immer raus.“ Und der „Hanomag-Bauer“ hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er bei einer Verurteilung der mutmaßlichen Täter ein klein wenig Geld bekommt. Einen „neuen“ Hanomag hat er seit Donnerstag. Ein Sammlerstück aus den 60er-Jahren.

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