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Kinsau

15.04.2019

Braucht Kinsau eine neue Halle?

Der Mehrzweckraum in Kinsau wird nicht nur für Sportveranstaltungen genutzt, auch die Bürgerversammlung fand dort statt.
Bild: Manuela Schmid

Eigentlich sollte die alte Mehrzweckhalle saniert werden. Jetzt wird ein Neubau favorisiert. Warum Bürgermeister und Gemeinderat ihre Meinung geändert haben.

Mit der Sanierung der Mehrzweckhalle beschäftigt sich der Kinsauer Gemeinderat schon seit mehreren Jahren. Nun hat sich herausgestellt, dass eine Instandsetzung des ehemaligen „Hitlerjugendheims Kinsau“ viel zu teuer käme. Die Gemeinde favorisiert jetzt einen Neubau. Allerdings würde eine Sanierung deutlich mehr kosten als ein Neubau. Das war das große Thema bei der Bürgerversammlung.

Kosten sind noch nicht bekannt

Wo genau die neue Halle stehen soll, ist noch nicht klar: „Irgendwo auf dem Areal um die jetzige Halle herum“, sagte Bürgermeister Marco Dollinger auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch die Kosten seien noch nicht bekannt. Dazu habe die Gemeinde einen Architekten beauftragt, der eine Grobkostenkalkulation durchführen soll. Die Entscheidung für einen Hallen-Neubau fiel aufgrund eines Vorprojekts, das der Gemeinderat in Auftrag gegeben hatte. Bei dem Vorprojekt, das der Architekt geleitet hatte, wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen. „Wir haben eine ganze Handvoll an Fachplanern für dieses Vorprojekt gebraucht“, sagte Dollinger. Daher seien auch die Kosten von 37000 Euro gerechtfertigt.

Das Ergebnis der Studie: Es gebe zahlreiche Mängel hinsichtlich Sicherheit und Brandschutz. Ebenso seien Lüftungstechnik, Heizungs- und Elektroinstallationen mangelhaft. Und die Barrierefreiheit könne nur durch sehr aufwendige Maßnahmen erreicht werden. Allen voran sei aber der große Mehrzweckraum ein Problem. Der Mehrzweckraum darf aber eigentlich gar nicht als Sportraum genutzt werden, da die Stützen der Dachkonstruktion mitten im Raum angebracht sind und ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen. „Auch wenn es sich bei dem Mehrzweckraum nicht um eine Sporthalle im eigentlichen Sinne handelt, sind die sicherheitsrelevanten Forderungen für den Sportbetrieb einzuhalten“, sagte Dollinger in der Bürgerversammlung.

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Zusätzliches Unfallrisiko

Entfernt werden können die tragenden Teile der Dachkonstruktion aber auch nicht. „Die sechs V-Stützen können aus statischer Sicht nicht entfernt werden, da sie zusammen mit den Dachbindern einen Rahmen bilden, der die Aussteifung der Halle gegen horizontal angreifende Lasten wie Wind, Schnee oder Erdbeben darstellt“, sagte Dollinger. Zudem stellen Stützen und loses Mobiliar ein zusätzliches Unfallrisiko dar. Auch die Küche entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen und der Schießbereich im Untergeschoss verfüge über keinen funktionsfähigen zweiten Rettungsweg.

Ungenügende Sicherheit biete auch der Musikprobenraum im Dachgeschoss. Die einläufige Holztreppe, die zum Musikerraum hinaufführt, erfülle weder die Vorgaben der Treppennorm noch die Auflagen aus dem Brandschutz. Barrierefreiheit werde momentan in keinem einzigen der Nutzungsbereiche in dem Gebäude erfüllt. Nicht einmal ein rollstuhlgerechtes WC sei vorhanden. Im vorderen Keller fand sich außerdem eine Schadstoffbelastung mit PCP. Diese sei schon behoben. „Die anschließende Messung der Asbestfaserkonzentration im Sanierungsbereich ergab keinerlei Hinweise mehr auf eine Belastung“, sagte der Bürgermeister in der Versammlung. „Erhebliche Mängel“ gebe es derzeit bei den Elektroinstallationen. Die Lüftungstechnik sei veraltet und die Luftführung zum Teil nicht mehr zulässig.

Deutlich teurer als ein Neubau

Falls die Gemeinde die Halle instand setzt, würde der Bestandsschutz der Mehrzweckhalle wegfallen, sagt der Bürgermeister. Damit müsste die Gemeinde sämtliche Anforderungen an den Brandschutz in vollem Umfang einhalten und genügend Rettungswege schaffen. Um alle Mängel in der Mehrzweckhalle zu beseitigen und alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, müssten laut Dollinger erhebliche Teile der Bausubstanz zurückgebaut werden, sodass das Gebäude nahezu entkernt werden müsste. „Die zu erwartenden Kosten für eine Instandsetzungs- und Umbaumaßnahme würden die Kosten für einen Neubau mit gleicher Kubatur deutlich überschreiten“, sagte Dollinger.

Der Gemeinderat habe daher mit den Vereinsvertretern und dem Architekten einen Workshop durchgeführt, um das Vorgehen abzustimmen. „Als Konsens dieser Veranstaltung ging hervor, dass wir einen Neubau favorisieren.“ Die Gemeinde wolle nun beim Amt für Ländliche Entwicklung ein Konzept einreichen und einen Zuschussantrag stellen. Erst wenn eine grobe Kostenschätzung und ein Zuschussbescheid vorliegen, beginne die Detailplanung.

Ein weiteres wichtiges Thema der Bürgerversammlung in Kinsau: Staatsstraße in Kinsau: Wird die Gefahrenstelle entschärft?

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