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Dießen

08.03.2020

Bürgermeisterwahl in Dießen: Bei den Publikumsfragen wird es spannend

Sieben Bürgermeisterkandidaten und ein Moderator bei der Podiumsdiskussion in Dießen (von links): Hannelore Baur, Florian Zarbo, Volker Bippus, Dominic Wimmer (Landsberger Tagblatt), Marianne Scharr, Roland Kratzer, Sandra Perzul und Gabriele Übler.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seine Ziele und Vorstellungen zu den großen Themen in Dießen zu erläutern ist das eine. Aber wie geht man mit konkreten Fragen der Bürger um? So schlagen sich die Bürgermeisterkandidaten dabei.

Auch bei einer Podiumsdiskussion von Bürgermeisterkandidaten gibt es eine Pflicht und eine Kür oder anders ausgedrückt – eingeübte Stücke und Improvisation. Die einzelnen, vorbereiteten sechs Themenblöcke (von Alt und Jung bis Zukunftsinvestitionen) konnten die sieben Dießener Bürgermeisterkandidaten gewandt abarbeiten. Die Kür waren jedoch die spontanen Bürgerfragen, da stieg in der mit 1000 Besuchern besetzten Mehrzweckhalle die Spannung. Dort fand der von der Marktgemeinde veranstaltete und vom stellvertretenden LT-Redaktionsleiter Dominic Wimmer moderierte Kandidatenwettstreit statt.

Da ging es nicht nur darum, den potenziellen Wählern attraktive inhaltliche Angebote zu machen. Manchmal wurde dabei auch deutlich, wo der gemeindliche Gestaltungsspielraum endet oder wo die Meinungen zwischen Kommunalpolitikern und Bürgern auseinandergehen.

Dialog ist nicht immer Zustimmung

Beispiel Mühlstraße: Zwar hatten viele Kandidaten in ihren Stellungnahmen zum Stichwort „Wirtschaft“ betont, wie wichtig der Dialog mit dem Gewerbeverband sei. Die Antworten auf die Frage von dessen Vorsitzender Uschi Wacke nach einer Einbahnstraßenregelung, um mehr Parkplätze zu ermöglichen, verdeutlichten auch, dass Dialog nicht immer Zustimmung zu einzelnen Wünschen sein muss.

Bürgermeisterwahl in Dießen: Bei den Publikumsfragen wird es spannend

Die Antworten hörten sich an wie ein 7:0 gegen eine Einbahnstraße: Die Anlieger wollten keine Einbahnstraße, sagte Hannelore Baur ( SPD), Florian Zarbo ( Freie Wähler) bekundete, „ich finde die jetzige Situation gar nicht schlecht“. Volker Bippus (UBV) und Gabriele Übler (Grüne) warnten davor, dass bei einer Einbahnregelung schneller gefahren werde. Roland Kratzer ( CSU) erklärte, „ich würde die Mühlstraße so lassen“ und appellierte an die Verkehrsteilnehmer, rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Sandra Perzul (Dießener Bürger) fragte sich, wie sich eine Sperrung in einer Richtung auf die angrenzenden Straßen auswirken könnte.

Bti gegen Mücken: Die Kandidaten sind skeptisch

Ähnlich erging es einem Fragesteller, der wissen wollte, wie die Bürgermeisterkandidaten gegen Mückenplagen am Ammersee vorgehen würden. Der Einsatz von Bti-Bakterien gegen Mücken wurde auf dem Podium praktisch rundweg abgelehnt – auch mit Hinblick auf die ansonsten eingeforderten Bemühungen um die Artenvielfalt.

Auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) kam bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Dießen zu Wort, als es um Vor-Ort-Sprechstunden von Landsberger Behörden in Dießen ging, im Hintergrund Moderator Dominic Wimmer.
Bild: Julian Leitenstorfer

Mehr Zuspruch erfuhr hingegen ein Fragesteller aus dem Asyl-Helferkreis. Dieser fragte, warum es in Dießen keine Sprechstunden von Jobcenter und Arbeitsagentur gebe, wo doch die Busverbindung nach Landsberg so schlecht sei. Sie werde gleich am Montag bei der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, wo sie selbst arbeite, nachfragen, versicherte beispielsweise Sandra Perzul. Marianne Scharr dachte auch darüber nach, dafür eine Stelle im Rathaus zu schaffen. Doch dann war es Landrat Thomas Eichinger (CSU), der im Publikum saß und, nachdem er von Gabriele Übler direkt angesprochen worden war, die Aussichten dämpfte. „Es ist leider so, dass das schon Geld kostet und ich nehme nicht an, dass Dießen der einzige Ort wäre, der diese Leistung in Anspruch nehmen würde“, sagte er.

Nicht viel schlimmer als in den 1990er-Jahren

Konfliktstoff bietet auch immer wieder das Thema Bauen. Nachdem die Kandidaten mehrfach betont hatten, wie wichtig es sei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, Nachverdichtung und Geschosswohnungsbau zu ermöglichen, kam aus dem Publikum prompt die Frage, welche Möglichkeiten es denn gebe, etwas gegen „Häuser mit dem Charme von Schuhschachteln“ zu unternehmen.

Am Ende der großen Podiumsveranstaltung in der Dießener Mehrzweckhalle gab es von den rund 1000 Besuchern tosenden Applaus für die Kandidaten.
Bild: Julian Leitenstorfer

„Wir brauchen Wohnraum“, entgegnete Hannelore Baur der Fragestellerin, und Baugrund sei „wahnsinnig teuer“. Gemeinden hätten nur bedingt Einfluss auf Gestaltungsfragen, machten Florian Zarbo, Marianne Scharr, Sandra Perzul und Volker Bippus deutlich. Gabriele Übler, die in den 90er-Jahren aus Dießen weg- und vor ein paar Jahren wieder hergezogen ist, brach derweil eine Lanze für die Baupolitik der Gemeinde in dieser Zeit: „Als ich zurückgekommen bin, fand ich es nicht viel schlimmer.“

Und was ist mit der Ökologie?

Ein Thema, das ansonsten die aktuelle politische Debatte wesentlich prägt, kam erst ziemlich am Schluss zur Sprache: „Was bedeutet für Sie ökologisches Handeln?“, wollte ein Besucher noch wissen. Die Antworten fielen zwar knapp, aber vielleicht auch gerade deswegen sehr aufschlussreich aus: Mehr öffentlicher Nahverkehr spare Kohlendioxid ein, sagte Hannelore Baur. Florian Zarbo setzt auf mehr Grün- und Blühflächen, Volker Bippus auf Baumpflanzungen, Marianne Scharr auch auf die (ökologische) Landwirtschaft, Roland Kratzer darauf, ökologische und soziale Entwicklung in Einklang zu bringen. Sandra Perzul appellierte, dass jeder bei sich selber beginnen könne, und Gabriele Übler meinte, man solle sich neu bewusst werden, was eigentlich gutes Leben bedeute und ob dazu beispielsweise zwei SUV vor der Türe gehören müssen.

Einen weiteren Beitrag zur Podiumsdiskussion finden Sie hier: Bürgermeisterwahl in Dießen: Heiße Eisen und eine ganz schwierige Frage

Viel Anerkennung zollt LT-Redaktionsleiterin Alexandra Lutzenberger nach der Podiumsdiskussion den Dießener Bürgermeisterkandidaten. Die Dießener Kandidaten: Die glorreichen Sieben

Die Podiumsdiskussion in Bildern finden Sie hier:

Bürgermeisterwahl in Dießen: Bei den Publikumsfragen wird es spannend
25 Bilder
Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Dießen
Bild: Julian Leitenstorfer
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