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Landsberg

24.07.2020

Chemikalien: Welche Regeln an Schulen gelten

Alfred Lippl, Schulleiter am Ammersee Gymnasium, zeigt eine Liste, auf der die einzelnen Gefahrenzeichen zu sehen sind.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus An der Schlossbergschule in Landsberg muss ein Behältnis mit Ätzkali gesprengt werden. Das LT fragt zum Umgang mit gefährlichen Stoffen an Schulen nach.

Einmal im Jahr werden an der Mittelschule Landsberg Alt-Chemikalien von einer Spezialfirma eingesammelt. Diesmal endete die Aktion mit einem großen Knall, der in der Stadt weithin zu hören war. Das Landsberger Tagblatt hat sich an den Schulen im Landkreis umgehört, wie dort mit Materialien, die im Chemieunterricht zum Einsatz kommen, umgegangen wird.

Das beauftragte Augsburger Unternehmen holte am Donnerstag zunächst „aussortiertes Material“ an der Mittelschule ab und fuhr dann weiter zur Schlossbergschule, wo es einen Großeinsatz und Straßensperrungen auslöste. Die Mitarbeiter der Firma fanden dort ein Behältnis mit Kaliumhydroxid – auch Ätzkali genannt – dessen Transport zu gefährlich erschien. Schließlich wurde die Flasche von Spezialisten des Landeskriminalamts gesprengt.

Markus Arnold, der stellvertretende Schulleiter an der Johann-Baptist-Baader-Mittelschule Fuchstal (MS Fuchstal) weiß: „An unserer Schule wurde schon vor Jahren alles entsorgt, von dem nicht genau gesagt werden konnte, wie es um die Sicherheit steht.“ Chemikalien, die im Chemieunterricht verwendet werden, befinden sich nach seinen Angaben in einem extra dafür ausgelegten Raum. „Der Raum wird regelmäßig überprüft“, sagt Arnold. Darum kümmert sich an der MS Fuchstal eine Lehrkraft, die als Sicherheitsbeauftragte unter anderem auch dafür zuständig ist, dass die Feuerschutztüren an der Schule intakt oder die Feuermelder einsatzbereit sind.

Chemikalien: Welche Regeln an Schulen gelten

Manche Schränke haben eine Entlüftung

Am Ammersee-Gymnasium in Dießen gibt es spezielle Schränke, in denen Chemikalien aufbewahrt werden. „Manche verfügen über eine Entlüftung“, erläutert Schulleiter Alfred Lippl. Alle Chemikalien werden in einer Liste geführt, die der Fachbetreuer und Sammlungsleiter für den Bereich Chemie am ASG pflegt. „Würde aber beispielsweise ein Umzug anstehen, würden wir nicht nur die Liste zur Hand nehmen, sondern jede einzelne Chemikalie anschauen und entscheiden, was damit geschehen soll.“

In Augenschein nehmen, das ist auch am Dominikus-Zimmermann-Gymnasium der sicherste Weg, zu beurteilen, ob eine Chemikalie entsorgt werden muss oder nicht. „Manchmal reicht es schon, zu erkennen, dass sich beispielsweise auf einer Substanz eine Kruste bildet, um zu wissen, dass sie entsorgt werden sollte“, erklärt Iris Mössinger, Oberstudienrätin und Sicherheitsbeauftragte am DZG.

Als Fachleiterin und Sammlungsleiterin Chemie ist sie die „Herrin“ über rund 800 einzelne Gebinde, die anhand eines Ampelsystems kategorisiert sind. Denn nicht jede Chemikalie eignet sich beispielsweise für Unterrichtsversuche.

Was wann und wie entsorgt werden muss, darum kümmern sich die Chemielehrer und die Sicherheitsfachkräfte an den Schulen in der Regel selbst. Vier Chemielehrer gibt es an der Wolfgang-Kubelka-Realschule in Schondorf. Sicherheitsbeauftragter ist ein Fachlehrer aus der Physik. Wie Konrektorin Ursula Meisinger-Schmidt dem Landsberger Tagblatt berichtet, wird die Fachkraft regelmäßig geschult und auch in Sachen Chemikalien-Lagerung auf den neuesten Stand gebracht.

Verantwortlich für den sicheren Umgang und die fachgerechte Lagerung von Chemikalien in den Schulen sind die Fachlehrer, bestätigt auch Anna Diem-Sickinger, Pressesprecherin des Landratsamts, das als Sachaufwandsträger für die weiterführenden Schulen im Landkreis auch für die Entsorgungskosten aufkommen muss. Eine zentrale Stelle im Landratsamt gibt es für diese Aufgabe nicht.

LKA ist Ansprechpartner der Polizei

Dass sich die Spezialisten der Technischen Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamts um die Chemikalie kümmerten und nicht die hiesige Feuerwehr, hängt laut Michael Strohmeier, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Landsberg, mit den Richtlinien der Polizei zusammen. „Das LKA ist in einem solchen Fall unser Ansprechpartner.“ Es gibt im Landkreis Landsberg auch einen Gefahrgutzug der Feuerwehren, der bei Unfällen mit Chemikalien ausrücken kann. Diesem gehören Mitglieder der Feuerwehren aus Landsberg, Kaufering und Dießen an.

Strohmeier sagt, laut den Experten sei es keine Option gewesen, das Gefäß vor Ort in einem gekühlten Behälter, der mit nicht brennbarem Material aufgefüllt ist, zu verstauen und abzutransportieren. „Die Fachleute haben nicht mal den Verschluss geöffnet, weil es dann im ungünstigsten Fall zu einer Detonation hätte kommen können. Verkehrsbehinderungen sind das deutlich kleinere Übel im Vergleich zu einem Menschenleben.“ Die Neue Bergstraße war zeitweise komplett gesperrt worden. Es gab längere Rückstaus.

Lesen Sie dazu auch: Sprengkommando rückt an der Schlossbergschule an

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