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Landsberg

03.05.2020

Corona-Auflagen: In Landsberg gibt es Kritik an der Rückkehr zur Normalität

Am Eiscafe Cortina am Peter-Dörfler-Weg wurden mittlerweile Abstandshalter angebracht.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am Samstag waren viele Menschen in Landsberg beim Einkaufen unterwegs. Das missfällt zahlreichen Bürgern. Andere protestieren für mehr Freiheit.

Stau auf den Straßen und lange Warteschlangen vor den Geschäften. So war der Samstagvormittag in Landsberg. Nach dem Feiertag waren viele Menschen in der Stadt beim Einkaufen. Das wird auch kritisiert. Etliche Bürger beschwerten sich bei unserer Zeitung, dass dabei vor allem die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden. Doch es gibt auch andere Meinungen. Bei einer spontanen Aktion auf dem Hauptplatz protestierten etwa 50 Personen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus.

Seit Beginn der Woche dürfen etliche Geschäfte wieder öffnen. Allerdings müssen dort Abstandsregeln eingehalten werden, damit sich die Besucher nicht mit dem Coronavirus anstecken. Zudem gilt für die Bürger eine Maskenpflicht beim Einkauf. Am Samstagvormittag herrschte nun erstmals großer Andrang in Landsberg. Vor einzelnen Geschäften in der Fußgängerzone und am Hauptplatz bildeten sich lange Warteschlangen. Auch am Fachmarktzentrum im Osten der Stadt war das der Fall.

Am Samstagvormittag waren viele Menschen beim Einkaufen in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Auf Nachfrage bestätigte die Polizei, dass deutlich mehr in Landsberg los war als in den Wochen zuvor. So staute sich unter anderem auch der Verkehr an manchen Stellen in der Stadt, etwa an der Zufahrt zum Fachmarktzentrum. Verstöße gegen die Abstandsregeln oder die Maskenpflicht gab es offenbar nicht. Zumindest wurden keine bei der Polizei angezeigt.

Kritik am Verhalten der Einkaufenden gab es auf der Facebook-Seite unserer Zeitung und in Zuschriften an unsere Redaktion. Ein Landsberger schreibt von Chaos in zwei Geschäften im Fachmarktzentrum: „Von Abstandsregel keine Spur, so ein Gedränge und ein rappelvoller Laden.“ Diese Einschätzung teilt auch ein Facebook-Nutzer, der aber auch andere Geschäfte dafür lobt, dass sie auf die Einlassbeschränkungen achten würden.

Wie hier vor der Metzgerei Moser in Ludwigstraße bildeten sich am Samstagvormittag in Landsberg lange Warteschlangen.
Bild: Thorsten Jordan

Am Sonntag vor einer Woche war vor allem an den Eisdielen in Landsberg viel los. Babsi Schwarz aus Fuchstal war ebenfalls in der Stadt. Was sie entlang der Lechmauer erlebte, machte sie fassungslos und wütend. Am Peter-Dörfler-Weg beim Eiscafé Cortina standen die Menschen an und wollten ein Eis kaufen. „Von Abstand keine Spur. Ein Vorbeikommen an der Schlange ist mit ausreichend Abstand an dieser engen Stelle ohnehin nur schwer möglich. Erst recht nicht, wenn auf der einen Seite die Menschen in der Schlange auch noch zu dritt nebeneinander statt hintereinander stehen und sich obendrein andere noch zum Eisverzehr gegenüber an die Lechmauer stellen, statt das Eis mitzunehmen“, sagt sie. Wer durch wollte, sei gezwungen gewesen, knapp an anderen Menschen vorbeizulaufen. Schwarz hätte sich gewünscht, dass die Eisdiele jemanden abstellt, der auf die Abstandsregeln hinweist, oder dass sich Polizei oder Ordnungskräfte des Themas angenommen hätten.

Die Polizei kann nicht überall vor Ort sein

Manuel Carucci, Inhaber des Eiscafés Cortina, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er zum einen nur innerhalb seines Geschäftes verpflichtet sei, die Einhaltung des Abstands sicherzustellen, er aber draußen zusätzlich ein Schild an der Markise angebracht hat, dass seine Gäste bitte zwei Meter Abstand halten sollten. „Man kann es gar nicht übersehen“, sagt er. Beim Peter-Dörfler-Weg handle es sich um öffentlichen Raum, für den Polizei und Ordnungsamt zuständig seien. „Einer meiner Mitarbeiter weist unsere Gäste sogar des Öfteren auf den Abstand hin und muss sich dafür teils anmotzen lassen.“ Michael Strohmeier, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Landsberg, sagt auf Nachfrage des LT, dass die Polizeibeamten die Einhaltung der Regeln grundsätzlich überprüfen, aber nicht überall vor Ort sein können. Man sei auf Hinweise angewiesen, was durchaus passiere, so Strohmeier. „Vor allem Käufer in Lebensmittel- und anderen Märkten kontaktieren uns deswegen immer wieder. Wir gehen den Hinweisen auch nach, aber bis die Kollegen vor Ort sind, hat sich die Situation oft schon entspannt.“

Babsi Schwarz treibt vor allem die Sorge um, dass die „Einschränkungen und Belastungen der vergangenen Wochen“ umsonst waren. Eine Sorge, die Inhaber Carucci nachvollziehen kann. „Ich telefoniere regelmäßig mit Freunden in Italien, dagegen sind die Auflagen hier noch locker, und nach so vielen Wochen sollten die Leute auch wissen, dass sie Abstand halten sollen.“

Protest auf dem Hauptplatz

In mehreren Städten in Deutschland haben an diesem Samstag zeitgleich Menschen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus protestiert. Auch am Hauptplatz in Landsberg trafen sich rund 50 Personen zu einer spontanen Versammlung. Nach Angaben der Polizei verlief der Protest friedlich.

Gegen 15 Uhr hatten sich die Teilnehmer der Versammlung auf dem Hauptplatz getroffen. Laut Polizei hielten sie den Mindestabstand von 1,50 Metern ein – eine Auflage für diese spontane Versammlung. Zudem durften keine Reden gehalten werden. Ihre Meinung schrieben die Teilnehmer daher auf Plakate. Sie forderten unter anderem die Einhaltung der Grundrechte, sprachen sich gegen eine Impfpflicht aus oder kritisierten die Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr, teilt die Polizei mit.

Wie bei den anderen Versammlungen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord auch verlief die Protestaktion in Landsberg ruhig. Die Polizei habe nicht eingreifen müssen, sagt ein Polizeisprecher. Nach gut einer Stunde wurde die Versammlung beendet.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Kritik an Corona-Auflagen: Wie viel Freiheit ist machbar?

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