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Landkreis Landsberg

19.06.2020

Corona: Die Wirtin des Landsberger Bräustüberls gibt auf

Christa Sippel, die Betreiberin des Waitzinger Bräustüberls in Landsberg, hört wegen der Corona-Krise auf.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Viele Gaststätten im Landkreis Landsberg kämpfen mit den Folgen der Pandemie. In Landsberg zieht eine Gastronomin jetzt die Reißleine. Aber es gibt auch Beispiele, die Hoffnung machen.

Die Tage des Waitzinger Bräustüberl in Landsberg sind gezählt: Am Sonntag empfängt Pächterin Christa Sippel zum letzten Mal Gäste: Die Corona-Krise zwingt sie zur Aufgabe. Ob das Ende des Bräustüberls nur der Anfang eines Gaststättensterbens im Landkreis ist, bleibt abzuwarten. Eine Nachfrage des Landsberger Tagblatts zeigt aber, dass auch andere Wirtshäuser vor großen Problemen stehen. Aber es gibt auch eine Neueröffnung.

Christa Sippel ist anzumerken, wie schwer ihr die Entscheidung fällt. Seit 15 Jahren ist sie in der Landsberger Traditionsgaststätte tätig – angefangen hatte sie damals im Service, seit sieben Jahren ist sie Pächterin des Bräustüberls. „Es rentiert sich einfach nicht mehr“, sagt sie. Seit 25. Mai dürfen die Gaststätten in Bayern wieder unter strengen Auflagen öffnen – ab Montag, 22. Juni, dürfen auch wieder Familien- und Vereinsfeste mit bis zu 50 Personen in Gasträumen gefeiert werden. Doch auch das hilft Christa Sippel nicht: „Mit den Abstandsregeln bringe ich solche Veranstaltungen nicht bei mir unter“, sagt sie.

Es rentiert sich nicht

Nach der Wiedereröffnung Ende Mai war sie schon skeptisch gewesen – und war damit richtig gelegen. „Am Anfang sind die Leute nicht gekommen, jetzt sind es zwar ein paar mehr“, sagt sie, doch es rentiere sich nicht. „Natürlich könnte ich einen Kredit aufnehmen, aber ich habe drei Kinder, da will ich mich nicht so verschulden.“

Corona: Die Wirtin des Landsberger Bräustüberls gibt auf

Die Familie ist auch das, was ihr momentan Halt gibt: Da ihr Mann als Koch arbeitete, konnte kein Feiertag gemeinsam begangen werden. „Wir waren jeden Muttertag, Vatertag, an Weihnachten und Silvester in der Arbeit“, sagt sie. Diese Feste könne man nun gemeinsam feiern. Wie es für sie persönlich beruflich weitergeht, weiß sie noch nicht, aber ihr Mann, der nicht nur Koch, sondern auch Krankenpfleger ist, hat eine neue Anstellung gefunden.

Nur sieben Tische stehen zur Verfügung

In eine ungewisse Zukunft blickt auch Dragan Kolenda, der Pächter des Opatija Grills in Landsberg. „Es sieht traurig aus, wir können nur sieben Tische besetzen.“ Das „Essen to go“ halte ihn am Leben, sagt er. „Wir haben 30 bis 35 Prozent weniger Umsatz, aber noch können wir überleben.“ Jetzt hofft er auf einen schönen Sommer, damit man den Biergarten nutzen kann, das würde das Geschäft wieder ankurbeln.

Gottfried Blätz von der gleichnamigen Gaststätte in Fuchstal ist froh, dass es wieder läuft.
Bild: Thorsten Jordan

Irgendwie durchhalten will und muss auch Gottfried Blätz von der Restauration Blätz in Fuchstal. Er hat viel in sein Gasthaus investiert und muss diese Ausgaben wieder erwirtschaften. Der Liefer- und Abholservice, den man sofort angeboten hatte, sei sehr gut angenommen worden. „Da hatten wir am Sonntag bis zu 100 Essen. Jetzt sind es etwa 30.“ Unter der Woche sei mehr los, da bietet Blätz günstige Tagesgerichte an. „Man merkt einerseits, dass die Leute Angst haben, auf der anderen Seite fangen sie an zu sparen.“ Gewinn könne man derzeit nicht machen.

Anders sieht die Situation im „Thymian“ in Dießen aus. „Wir sind sehr froh, dass es so gut geht“, sagt Inhaberin Beate Seizer. Seit dem 26. Mai hat auch sie wieder geöffnet und „es rentiert sich“. Das könnte an mehreren Gründen liegen. „Wir haben viele Stammgäste und eigentlich auch coronafreundliche Räumlichkeiten, wenn man so will“, sagt Seizer. Zwar musste man auch die Sitzplätze reduzieren, doch da drei Räume zur Verfügung stehen, „können wir die Gäste gut verteilen“. Inzwischen konnte man im „Thymian“ auch den Abhol- und Lieferservice wieder einstellen – man begrüßt die Gäste zurück im Restaurant.

Michaela Herz eröffnet in Landsberg das „Herzstück“ in der Schlossergasse.

Und es gibt am Dienstag auch die Neueröffnung einer Gaststätte – in Landsberg. Im früheren „Macado“, in der Schlossergasse gegenüber dem Stadttheater, eröffnet Michaela Herz in wenigen Tagen das „Herzstück“. Dort wird es einen Mittagstisch mit Selbstbedienung, Kaffee und selbst gemachten Kuchen sowie abends eine kleine Abendkarte geben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von LT-Redakteurin Margit Messelhäuser: Das ist wohl nur der Anfang

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