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Landsberg

08.05.2020

Corona in der JVA Landsberg: So reagiert die Anstaltsleitung

Der Haupteingang zur Landsberger Justizvollzugsanstalt. Mehrere Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert.
Bild: Thorsten Jordan

Plus In der Justizvollzugsanstalt in Landsberg infizieren sich mehrere Mitarbeiter mit dem Coronavirus. Wie man sich im Gefängnis jetzt auf weitere Fälle vorbereitet.

Um eine Ausbreitung des Coronavirus hinter Gittern zu verhindern, hat sich der Alltag in den Gefängnissen in Bayern stark verändert. Die wenigen Freiheiten, die Häftlinge haben, wurden wegen der Corona-Pandemie noch weiter eingeschränkt – zum Schutz der Gefangenen und der Bediensteten. „Wir wollen unbedingt vermeiden, dass sich das Virus im Gefangenenbereich ausbreitet“, sagt Harald Eichinger, der stellvertretende Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Landsberg. Doch dieser Ernstfall ist nun beinahe eingetreten. Denn in Landsberg haben sich fünf Bedienstete mit dem Coronavirus infiziert.

Im Laufe der vergangenen Woche hätten sich die betroffenen Mitarbeiter bei ihrer Dienststelle gemeldet und mitgeteilt, dass sie positiv auf das Virus getestet wurden. Die Mitarbeiter hätten seit Wochen klare Vorgaben des Justizministeriums zu beachten, wenn sie coronatypische Symptome feststellen. „Jeder, der Symptome verspürt, muss sofort nach Hause gehen“, sagt Harald Eichinger. Die fünf infizierten Bediensteten hätten ihre Symptome laut Eichinger zu Hause festgestellt. Danach sei keiner von ihnen mehr zum Dienst erschienen.

Die bislang getesteten Häftlinge sind negativ

Die Betroffenen befinden sich nun für zwei Wochen in häuslicher Quarantäne. Ihre Kontaktpersonen, also Kollegen, Gefangene, Familienmitglieder und Bekannte seien in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt unter Hochdruck ebenfalls auf das Virus getestet worden. Zwischen 70 und 100 Personen seien getestet worden. Noch liegen laut Eichinger nicht alle Ergebnisse vor, bis Freitagmittag habe es aber keine neuen Fälle gegeben. Innerhalb der JVA testeten unter anderem die ehrenamtlichen Helfer des Infektmobils zwölf Gefangene. Alle auf das Virus getesteten Häftlinge seien symptomfrei, ihre Tests negativ.

Die JVA in Landsberg hat rund 300 Mitarbeiter, derzeit sind dort im geschlossenen Vollzug 404 Häftlinge untergebracht. Normalerweise wären es deutlich mehr Inhaftierte. „Weil derzeit ein Flügel des Hauptgebäudes saniert wird, fallen 120 bis 150 Haftplätze weg“, sagt Harald Eichinger. Sollten sich Gefangene infizieren, stünden innerhalb der JVA drei Bereiche zur Verfügung, in denen sie isoliert werden könnten. 40 bis 50 Personen könnten dort untergebracht werden, sagt der 51-jährige Regierungsdirektor.

Notfalls kommt Personal aus anderen Anstalten

In der JVA in Landsberg gibt es auch eine Krankenabteilung. Ihr sollen mögliche Infizierte fern bleiben, wie Eichinger sagt. Noch müssten die Isolierbereiche nicht genutzt werden. Dort würden unter anderem auch Neuzugänge untergebracht, die für zwei Wochen in Quarantäne müssten. Der Anstaltsarzt sowie Krankenpfleger würden sich um mögliche Infizierte kümmern. Die Bediensteten verbringen ihre Quarantäne zu Hause. Sollte es weitere Fälle unter den Mitarbeitern geben, sieht Harald Eichinger die JVA Landsberg gut gerüstet. „Wir haben bereits Hilfsangebote von anderen Anstalten erhalten, die Personal zur Verfügung stellen würden.“ Die Unterstützung sei groß, auch vonseiten des Gesundheitsamts.

Es gilt in einigen Bereichen Maskenpflicht

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie hatte sich auch das Leben der JVA Landsberg verändert. Bayernweit wurden private Besuche der Gefangenen verboten. „Sie dürfen stattdessen häufiger und länger telefonieren“, sagt Harald Eichinger. Notwendige Besuche von Anwälten, Gerichtspersonen oder Polizisten seien unter strengen Auflagen möglich. Darunter falle eine Maskenpflicht, ausreichende Desinfektion und eine Trennvorrichtung im Besuchsraum. Auch im Verkaufsraum der JVA und in den Werkstätten gelten die Corona-Auflagen. Im Verkaufsraum im Außenbereich unweit des Haupteingangs, in dem unter anderem Wurstwaren und Eier eingekauft werden können, gelten laut Eichinger die gleichen Regeln wie in Supermärkten. „Die Gefangenen, die dort arbeiten, tragen Schutzmasken“, sagt der stellvertretende Leiter. Auch für Kunden gelte Maskenpflicht, zudem dürfe immer nur ein Kunde in den Verkaufsraum.

Laut Landratsamt haben sich bis Freitag im Landkreis 343 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Sieben Patienten werden im Landsberger Klinikum behandelt, einer von ihnen auf der Intensivstation.

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