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Penzing

28.09.2018

Das LTG 61 der Bundeswehr ist endgültig Geschichte

Das Nachkommando des Lufttransportgeschwaders LTG 61 hat den Fliegerhorst in Penzing am Freitag verlassen. Das Bild zeigt, wie die letzten Angehörigen und Mitarbeiter die Hauptwache passieren.
Bild: Thorsten Jordan

Die letzten Soldaten und Mitarbeiter des Nachkommandos haben den Fliegerhorst in Penzing verlassen. Ein Stück des Traditionsgeschwaders bleibt aber erhalten.

Am Ende flossen dann doch die Tränen. Mit diesem Freitag verließ nun auch der letzte Soldat, die letzte Mitarbeiterin des bereits aufgelösten Lufttransportkommandos 61 (LTG) den Fliegerhorst in Penzing. „Danke für die tolle Zeit“ gab ihnen der Leiter des Nachkommandos, Oberstleutnant Klaus Schierlinger, mit auf den Weg.

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Bewegende Worte fanden zuvor der Spieß der Truppe, Oberstabsfeldwebel Georg Spallek, wie auch Standortpfarrerin Heike Ranke, die eigens noch einmal dem „Rest der Truppe“ gute Wünsche mit auf den Weg gab. „Bisher hab ich die Gedanken an diesen Moment immer erfolgreich zur Seite geschoben“, gestand Oberstleutnant Klaus Schierlinger ein. Jetzt, da der Zeitpunkt des Abschieds tatsächlich gekommen sei, kämpfe er permanent mit seinen Emotionen. Schierlinger selbst war immer wieder in unterschiedlichen Verwendungen zum LTG 61 zurückgekehrt, die vergangenen sieben Jahre als stellvertretender Kommodore. Viel Zeit zum Reflektieren bleibt ihm allerdings nicht: „Am Sonntag geht’s schon nach Berlin zum letzten Kommodore des LTG 61, Oberst Daniel Draken“. Im Referat Grundsatz, Führung und Einsatz wird er zumindest die nächsten sechs Monate verbringen, bevor er seine letzten drei Dienstjahre „heimatnah“ entweder in München oder in Bogen verbringen wird.

Die Kaserne ist jetzt menschenleer

Die letzte Pressemitteilung musste Oberstleutnant Max-Josef Kronenbitter tatsächlich von seinem persönlichen E-Mail-Account abschicken, denn die noch verbliebenen Rechner wurden schon vor Tagen vom bundeseigenen IT-Systemhaus (BWI) abgeholt. Wirkte das Stabsgebäude, in dem jahrzehntelang der älteste fliegende Einsatz-Transportverband gelenkt wurde, in den vergangenen Monaten schon sehr ausgedünnt, ist jetzt jegliche Betriebsamkeit verschwunden. Viel schlimmer: die Gänge, die Büros – alles menschenleer. Dort, wo früher Bilder von Geschwader-Kommodores und Kasernenkommandanten an den Wänden hingen, sind jetzt graue Ränder mit einem Nagel in der Mitte zu sehen – sie wirken, so Kronenbitter, fast wie Traueranzeigen.

Das LTG 61 der Bundeswehr ist endgültig Geschichte

Auch das Kasernengelände lässt die einstmalige Betriebsamkeit eines Einsatzgeschwaders nur noch erahnen. Es ist auf dem Gelände so ruhig wie früher nicht einmal am Wochenende. Vereinzelt begegnet der Besucher einem Soldaten, ab und zu biegt noch ein Privatfahrzeug um die Ecke. Auf der Flight, wo tonnenschwere Transall-Transporter in schöner Regelmäßigkeit in Richtung Balkan, Afrika oder Afghanistan aufbrachen, wachsen bereits kleine Bäumchen. Die Natur holt sich ihren Raum bereits zurück.

Fliegerhorst-Gemeinde Penzing übernimmt einige Objekte

254 Soldaten, Angestellte und Beamte bildeten Anfang des Jahres das Nachkommando. In den vergangenen neun Monaten hatten sie die Aufgabe, nach der Auflösung des LTG 61 noch Material im Anschaffungswert von immerhin rund 68 Millionen Euro auszubuchen, zu verteilen oder zu entsorgen. „Unsere Materialliste enthielt von der Pistole bis zum Ersatztriebwerk alles“, erzählt Stabsfeldwebel Christian Groß, der zusammen mit Hauptmann Hubert Gulde als Logistiker Abnehmer für jedes Teil finden musste. Vieles sei dabei zum LTG 63 nach Hohn (Schleswig-Holstein) gegangen, dem letzten noch verbliebenen Transall-Geschwader. Insgesamt wurde Material im Gesamtgewicht von 470 Tonnen abgewickelt. Die Kaffeemaschine aus dem Offizierskasino, mit der legendär guter Kaffee gebraut wurde, steht jetzt im Kasino in Laupheim.

Objekte von lokaler Bedeutung überließ Hauptmann Peter Hammer dem Landsberger Stadtmuseum oder dem Archiv der Fliegerhorst-Gemeinde Penzing. Sein Motto: „Alles ist besser als Verschrotten.“ Ihm selbst fällt der Abschied besonders schwer. Als Kasernenkommandant war es „sein Fliegerhorst“, er kannte jedes Gebäude, jede Ecke, jede Pflanze. Die 270 Hektar sind und bleiben für ihn „ein ganz besonderes Fleckerl auf Erden“.

Wie geht es auf dem Fliegerhorst in Penzing weiter?

Das eine Nachkommando ist seit Freitag Geschichte, ein anderes nimmt die Arbeit auf. Der abgesetzte Bereich des Instandsetzungszentrums 11, der für die „Verschrottung“ der Transall verantwortlich ist, wird aber in genau einem Jahr den Fliegerhorst ebenfalls verlassen. Dessen Zukunft steht noch in den Sternen. Die Luftwaffe hat, wie vom LT bereits exklusiv berichtet, ihren Verzicht offiziell erklärt. Sollte kein anderer Organisationsbereich, also Heer, Marine oder auch Cybereinheiten, einen Bedarf anmelden, könnte das Areal veräußert werden. Bis das so weit ist, sind jedoch durchaus Mitnutzungsverträge für zivile Unternehmen möglich. Es bleibt also spannend.

Ein Teil des LTG 61 bleibt der bayerischen Heimat aber erhalten. Die Flyout Transall 50+64, die mit dem Schriftzug „Servus Transall mach’s guad“, wird bald im Museum in Oberschleißheim an die „Engel der Lüfte“ aus Penzing erinnern.

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