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Landsberg

05.01.2020

Das Landsberger Schuhmuseum ist international bekannt

Ottokar Grötsch hat seinen Cousin Hans-Jürgen Bäumler in seiner Heimat Nizza getroffen und hat ihn gebeten seine Schlittschuhe dem Landsberger Schuhmuseum zur Verfügung zu stellen.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Plus Jetzt hat der ehemalige Schlittschuhstar Hans-Jürgen Bäumler seine Weltmeisterschuhe dem Landsberger Schuhmuseum gestiftet. Dort hat Heinrich Pflanz mittlerweile 2000 Schuhe gesammelt.

Manchmal fragt Heinrich Pflanz seine Besucher, woher sie denn sein Schuhmuseum kennen würden. Nicht selten hört er dann Antworten wie: Freunde aus Südafrika hätten es empfohlen oder Verwandte aus Australien wären einmal dort gewesen. In seinen Gästebüchern sieht man Einträge in chinesischer, japanischer oder koreanischer Sprache. „Nur die Landsberger“, bedauert Pflanz, „die kennen mich nicht.“ Dabei beherbergen die Räumlichkeiten im Vorderen Anger 274, gleich neben dem Schuster Fuchs, nicht nur die deutschlandweit (vermutlich) umfassendste Schuhkollektion aus allen Zeitaltern und Kulturen, sondern daneben auch die größte Schuhlöffelsammlung der Welt, inklusive Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde.

Kaum Werbung, aber große Wirkung

Mittlerweile ist die Sammelleidenschaft und Schuhliebe des Landsbergers so bekannt, dass Leute ihm seltene Schuhe vorbeibringen oder ihn um Rat fragen, wenn mal wieder bei der Renovierung eines alten Hauses ein eingemauerter Kinderschuh gefunden worden ist. Oder wie neulich: Als die ehemalige Sportlegende, der mehrfache Deutsche, Europa- und Weltmeister im Eispaarlauf Hans-Jürgen Bäumler die seinerzeit getragenen Schlittschuhe über seinen Landsberger Cousin Ottokar Grötsch vorbeibringen ließ.

Im Bild: Ottokar Grötsch und Heinrich Pflanz bei der Übergabe. Pflanz hat auch die Schuhe von Willi Bogner zur Verfügung gestellt bekommen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Draußen auf der Straße hängt kein großes Schild, es gibt keinerlei Werbung und der Besuch des Museums ist nur nach Voranmeldung möglich. Heinrich Pflanz hat sein Refugium komplett alleine ohne staatliche oder städtische Hilfe aufgebaut: Zwei Räume im Obergeschoß eines Altstadthauses, ein handgemalter Zettel mit der Aufschrift „Eintritt zwei Euro“ an der Tür.

Das Landsberger Schuhmuseum ist international bekannt

In mehreren Vitrinen sieht man: Eine 3000 Jahre alte ägyptische Sandale, winzige chinesische Lotusschuhe (für die den jungen Mädchen die Füße gebrochen und eng gebunden wurden), Sklavenhändler Sandalen aus Zaire ebenso wie goldbestickte Eselsleder-Pantöffelchen aus Afghanistan. Dior Haute Couture und eine Vitrine weiter Wehrmachts- und Afrikakorps-Stiefel. Westernstiefel aus Pythonleder mit Kobrakopf auf der Spitze. Silberner Rokokopomp neben klerikalen und adligen Schühchen mit rotem Absatz.

Sogar Schuhe vom Moulin Rouge

Das Moulin Rouge hat Schuhe seiner Tänzerinnen geschickt. Überhaupt die Abteilung Prominentenschuhe: Der Basketballer Dirk Nowitzki, die Tennislegende Steffi Graf, Michael Schumacher, Franz-Josef Strauß (Pflanz: „Das war mein erster Prominentenschuh“), Luis Trenker, Senta Berger, die Hitlergeliebte Eva Braun („ein Spangenschuh aus Glacèleder“), die Hausschuhe von Luitpold von Bayern, die Stiefeletten der Kaiserin Sissi, die roten Lederslipper von Papst Benedikt oder die Cowboystiefel von Willy Bogner. Viele der Stars und Sternchen haben handgeschriebene Briefe oder Autogrammkarten beigelegt.

Heinrich Pflanz kennt die Geschichte jedes einzelnen Schuhs, „das sind alles meine Pflegekinder“ sagt der Seniorchef von einem der ältesten noch bestehenden Schuhhäuser Deutschlands, das zwei Häuser weiter residiert.

Der gelernte Schuhmacher und Einzelhandelskaufmann hat als passionierter Heimatforscher bereits mehrere Bücher über Landsberg geschrieben und natürlich - wie kann es anders sein - auch ein Buch über „den Schuh und seine Bedeutung“ veröffentlicht.

Kurz nach dem Krieg wurde das Geschäft geplündert

In jungen Jahren, so erinnert sich der 77-Jährige, hat er im Laden irgendwo in einem hinteren Winkel eine Kiste mit einzelnen Schuhen entdeckt. Die Mutter erzählte vom Krieg und von den drei Tagen, an denen Landsberg zu Kriegsende zur Plünderung freigegeben wurde und Amerikaner das Geschäft stürmten. Im Chaos seien eben einige Schuhe zurückgeblieben. Heinrich Pflanz' Interesse war geweckt. So begann er schon als junger Mann nicht nur Schuhe zu sammeln, sondern auch Geschichten, zeitgenössische, regionalkulturelle und eben auch besondere Erzählungen rund um das Kulturgut Schuh.

Heute befinden sich weit mehr als 2000 Schuhe in Pflanz‘ Obhut, nur ein kleiner Teil (rund 500) ist im Schuhmuseum ausgestellt, „kein Platz“ sagt der Chef, außerdem wolle er die Leute nicht überfordern. Denn wer von Pflanz durchs Museum geleitet wird, ist ziemlich schnell beeindruckt von dem immensen Wissen des Chefs und all den interessanten Anekdoten, die hinter jedem einzelnen Schuh stecken.

Die Schlittschuhe von der Marika Kilius, der damaligen Eislaufpartnerin von Hans-Jürgen Bäumler, die hätte Pflanz schon gerne noch, „wäre doch schön, wenn die beiden hier bei mir wieder vereint wären“.

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