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Dießen

21.11.2019

Dem SOS-Kinderdorf Dießen gehen die Betreuer aus

Im SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech in Dießen gehen die Betreuer aus. Unser Archivfoto zeigt die Kindertagesstätte.
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Im SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech in Dießen gehen die Betreuer aus. Unser Archivfoto zeigt die Kindertagesstätte.
Bild: Julian Leitenstorfer

Seit Juni leitet Andreas Brommont das SOS-Kinderdorf Dießen. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht er eine erste Bilanz seiner Arbeit. Worüber er sich Sorgen macht.

Wie fühlen Sie sich nach einem halben Jahr im SOS-Kinderdorf?

Brommont: Ich bin gut angekommen und habe einen Überblick über das, was wir anpacken müssen. Die Arbeit ist vielschichtig, es gibt viele Themen und die Herausforderungen sind groß.

Was sehen Sie denn als größte Herausforderung?

Dem SOS-Kinderdorf Dießen gehen die Betreuer aus

Brommont: Leider fehlt uns der Nachwuchs an Kinderdorfmüttern und -vätern. Wir brauchen meines Erachtens verschiedene Modelle, die nebeneinanderstehen können. Außerdem müssen wir nach Lösungen suchen, wie wir das bestehende Modell zeitgemäß gestalten können, damit es wieder attraktiv wird. Stichworte sind Partnerschaften von Kinderdorfmüttern und -vätern sowie gerechte Entlohnung von Mitarbeitern im sozialen Bereich.

Was sagen Sie zur Arbeit der Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf?

Brommont: Die Arbeit in den Kinderdorffamilien, aber auch generell in der Kinder- und Jugendhilfe ist fordernd und anspruchsvoll. Es geht ja schließlich um oft langfristige Beziehungen. Die Mitarbeiter sind engagiert und sie sind überzeugt von dem, was sie tun. Außerdem gefällt mir die Offenheit der Mitarbeiter für Veränderungen.

Nachhaltigkeit? Wie gehen Sie dieses Zukunftsthema an?

Brommont: Auch hier möchten wir unsere Hausaufgaben machen und den Betreuten gegenüber ein Vorbild sein. Da hatten wir schöne Beispiele, wie den Landwirt gegenüber nach seiner Produktpalette zu befragen und dort einzukaufen. In der Verwaltung haben wir im Sommer auf Recyclingpapier umgestellt. Kleine Schritte passieren überall, viele völlig unbemerkt.

Was waren Ihre bisherigen Highlights?

Brommont: Die Feste hier im Kinderdorf wie das Maibaumklettern oder das Sommerfest oder auch Besuche, wie der von Frau Baumüller-Söder und der Delegation der Fregatte Bayern bei der Einweihung unseres neuen Spielschiffs. Weitere Highlights sind für mich die Begegnungen mit den Mitarbeitern. Ich habe fast alle Einrichtungsteile besucht und kenne inzwischen viele der rund 200 Mitarbeiter beim Namen. Das hat für mich eine sehr hohe Wertigkeit.

Was sind Ihre Aufgaben in der Einrichtung?

Brommont: Ich führe derzeit viele Mitarbeitergespräche. Und es sind täglich Entscheidungen zu treffen. In der Dichte und Frequenz ist das neu für mich, obwohl ich ja schon lange Jahre in verantwortungsvollen Positionen gearbeitet habe. Dabei geht es um finanzielle, bauliche, strategische und vor allem pädagogische Inhalte und Konzepte. Mitarbeiter zu führen, den gesamten Einrichtungsverbund im Blick zu behalten, mit den Kooperationspartnern eine tragfähige Zusammenarbeit zu pflegen und zu entwickeln, das alles gehört zu meinen Aufgaben. Die pädagogische Arbeit mit den Betreuten hat dabei für mich persönlich einen hohen Stellenwert.

Was sind Ihre persönlich größten Herausforderungen?

Brommont: Der Rückbau der in Landsberg aufgebauten Flüchtlingseinrichtungen, die strategische und zukunftsorientierte Umplanung der Wohngruppen, die Nachwuchsgewinnung, eine gute Aufstellung der Teams und vieles mehr. Persönlich liegen mir die Mitarbeiter sehr am Herzen, sie sind unser Kapital. Ich habe aber auch sehr hohe Ansprüche an die Qualität unserer Arbeit und an die Pädagogik, die wir den Betreuten zukommen lassen. Da können wir uns noch steigern. Beides gut hinzubekommen, ist eine große Herausforderung für mich.

Wie nehmen Sie die Mitarbeiter mit?

Brommont: Es bedeutet mir viel, das Ganze auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern zu entwickeln und den Weg gemeinsam zu gehen. Wichtig dabei ist, dass die Mitarbeiter das Tempo mitgehen können. Nur so können wir die großen Herausforderungen anpacken und miteinander die nächsten Schritte in die Zukunft zu gehen. Dies ist für mich der einzig gangbare Weg. Ich bin jedoch überzeugt davon: Mit Geduld werden wir das gut hinbekommen.

Was gefällt Ihnen bei SOS-Kinderdorf ganz besonders gut?

Brommont: Besonders gefällt mir, für einen Träger zu arbeiten, der nicht nur mir, sondern vielen Menschen seit Kindesbeinen präsent ist. Diese Öffentlichkeitswirkung ist schon etwas Besonderes. Auch unsere vielen privaten Spender sind überzeugt von uns, interessieren sich vielfach für unsere Arbeit und möchten erfahren, was mit ihrem Geld passiert. Unsere Organisation ist sehr transparent und die Leute können bestimmen, was genau mit ihrer Spende geschieht. (lt)

Der Sozialpädagoge Andreas Brommont hat im Juni das Amt als Leiter des SOS-Kinderdorfs in Dießen von Susanne Dillitzer übernommen. Zehn Jahre lang war der 51-Jährige in der stationären Jugendhilfe beim Kinderschutz in Dachau tätig, danach 13 Jahre als Fachdienstleiter der Ökumenischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche und stellvertretender Geschäftsführer der Caritas im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

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