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Katharinenstraße

22.02.2019

Der Kratzerkeller könnte ein reines Wohnhaus werden

Die Rückseite des Kratzerkellers in der Katharinenstraße in Landsberg. Wie dort künftig gebaut wird, war jetzt Thema im Stadtrat.
Bild: Thorsten Jordan

Wenn es nach dem Investor geht, dann wird es keine Gastronomie mehr geben. Der Stadtrat diskutiert heiß über die Pläne

Richtungswechsel beim Projekt Kratzerkeller? Am Mittwochabend haben sich im Stadtrat bei diesem Thema die Ereignisse regelrecht überschlagen. Zunächst waren überarbeitete Neubaupläne für die mittlerweile geschlossene Gaststätte in der Katharinenstraße vorgestellt worden. Dann ließ Investor Jürgen Kriegel eine kleine Bombe in der Sitzung platzen: „Wir würden die Gastronomie am liebsten weglassen. Reines Wohnen wäre uns am liebsten. Wir haben sehr viel Geld investiert, aber wir sind in eineinhalb Jahren keinen Schritt weitergekommen.“ Im Verlauf der weiteren Diskussion gab es für UBV-Fraktionssprecher Christoph Jell noch eine Schelte von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU).

Viele kennen das „Libre“ noch. Die Gaststätte, früher Kratzerkeller, machte im Frühjahr 2017 dicht. Wenige Monate später stieg im daran angeschlossenen Club „Glücklich“ die letzte Party. Im gleichen Jahr kam ein neuer Besitzer ins Spiel und erstmals beschäftigte sich der Stadtrat im Oktober 2017 mit den Neubauplänen. Das bestehende Gebäude sollte zwar abgerissen, aber in gleicher Kubatur wieder aufgebaut werden und einen Gastronomiebetrieb und Wohnungen beinhalten (bei Erhalt des denkmalgeschützten Bierkellers). Außerdem sollen ein zweites Gebäude mit Wohnungen entstehen, dazu ein Biergarten und eine Tiefgarage. Damals wurde der dafür erforderliche Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Katharinenstraße, Saarburgstraße“ getroffen und befürwortet, dass es in Zukunft wieder Gastrobetrieb am Katharinenberg gibt. Aber: Mehrfach wurde im Stadtrat heiß über die Pläne für das 3500 Quadratmeter große Grundstück diskutiert und auch die Anwohner der benachbarten Saarburgstraße sehen negative Folgen durch die erweiterte Bebauung – unter anderem die Gefahr einer Beschattung.

Am Mittwoch wurde nun ein Entwurf eines sogenannten Vorhabenbezogenen Bebauungsplans vorgestellt. Durch den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags mit dem Investor soll gewährleistet werden, dass ein konkretes Vorhaben mit Erhalt des Bierkellers und eine Wiederaufnahme der gastronomischen Nutzung mit Biergarten innerhalb von fünf Jahren realisiert wird.

Der Kratzerkeller könnte ein reines Wohnhaus werden

Die konkreten Pläne stellte Architekt Wolfgang Tröger vor. Das über der Gaststätte geplante sogenannte Boarding House (Kurzzeitwohnen) verfüge über 23 Zimmer. Darüber hinaus soll in dem fünfgeschossigen Gebäude auch betreutes Wohnen möglich sein. Weitere 14 Wohneinheiten sind im sogenannten Gartenhaus geplant. Die Tiefgarage soll 70 Stellplätze bieten. Das neue Gebäude soll 11,42 Meter Wandhöhe haben (aktuell 9,06). Die Stadträte reagierten verwundert über die überarbeiteten Pläne und den Verfahrenswechsel. „In der Pflugfabrik entsteht bereits ein Boarding House. Das ist keine Wohnform, die mir gefällt“, sagte Felix Bredschneijder (SPD). Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) bemängelte, dass sein Fragenkatalog zum Projekt seit Oktober nicht beantwortet worden sei. Er erneuerte seine Kritik an der Ausfahrtssituation vom Gelände. „Gerade für Radfahrer wird es gefährlich.“ Gegen eine massive Nachverdichtung sprach sich Dr. Reinhard Steuer (UBV) aus. Sein Fraktionskollege Christoph Jell sah es ähnlich und kritisierte die Absicht des Investors, eine Gewinn-Maximierung anzustreben.

Jürgen Kriegel, der Geschäftsführer der Investorenfirma, erhielt Rederecht. Er bestritt, dass es ihm um eine Gewinnmaximierung gehe und betonte, dass ihm eine reine Wohnnutzung lieber wäre. Er würde lieber mit dem Denkmalschutz reden, das Kellergewölbe beseitigen und dafür zwei Stockwerke höher bauen, um auf das Nebengebäude zu verzichten. „Der Erhalt von Gastronomie und Biergarten kommt von der Stadt. Eine Entscheidung wäre schön. Wir würden es so machen, wie es die Masse hier will“, sagte er an den Stadtrat gewandt.

Christoph Jell kritisierte daraufhin die Verwaltung. „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit. Es hat immer geheißen: ’Der Investor will es so.’“ Oberbürgermeister Mathias Neuner konterte: „Da brauchen Sie nicht beleidigend zu werden.“ Der Rathauschef stellte sich hinter die Pläne mit einem Erhalt der Gastronomie. Er fände es schade, wenn anstelle des Kratzerkellers „seelenlose“ Wohnbebauung realisiert werden würde. Am Ende wurde das Thema auf Antrag von Berthold Lesch (CSU) vertagt. Jetzt ist wieder der Architekt des Investors dran.

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