Newsticker

Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Der Landsberger Schatz

Landsberg

26.11.2017

Der Landsberger Schatz

In der Landsberger Altstadt gibt es viele Baudenkmäler – mit besonders steilen Dächern. Sie gilt es zu schützen, was beim Umbau nicht immer ganz einfach ist.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Bauausschuss diskutiert über die Vor- und Nachteile von Baudenkmälern. Bei Investoren und möglichen Bewohnern stehen alte Gebäude hoch im Kurs. Architekten sind bei Sanierungen gefordert.

„Sowohl den Zweiten Weltkrieg als auch die 1960er-Jahre hat Landsberg gut überstanden“, sagt Martin Jörg von der Unteren Denkmalschutzbehörde in Landsberg, und so hat Jörg in einer Stadt mit der Größe Landsbergs vergleichsweise viel zu tun. Rund 440 Einzeldenkmäler gibt es hier, die historische Altstadt mit rund 500 Gebäuden ist als Ensemble geschützt. Und Immobilien in der Altstadt begehrt, bei Investoren wie auch bei potenziellen Bewohnern - ein nicht immer konfliktfreies Verhältnis, wie in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats deutlich wurde. Das Hauptthema dabei war der Ausbau der Dachgeschosse.

Diese bieten unter den meist sehr steilen Dächern meist zwei zusätzliche Etagen Wohnraum: ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit einer Altstadt-Immobilie. Denn die Altstadt ist ein teures Pflaster. Pro Quadratmeter Grundstücksfläche werden oft mehrere tausend Euro bezahlt, da kommen schnell eine halbe Million oder mehr Euro Kaufpreis zusammen. Inzwischen, so schätzt Jörg, wurden wohl schon in zwei Dritteln aller Altstadthäuser aus den früheren Lagerflächen unterm Dach Wohnflächen. Und die Nachfrage nach Wohnen in Altstadthäusern ist groß: „Die Wohnungen werden oft von der Baustelle weg vermietet, sobald der Kran aufgestellt ist, stehen die Interessenten da.“

Wertvolle Bausubstanz

Wenn saniert und ausgebaut wird, ist fast immer wertvolle historische Bausubstanz betroffen, wie Dr. Thomas Herrmann vom Landesamt für Denkmalpflege im Bauausschuss erklärte: „In Landsberg hat sich eine große Zahl historischer Dachkonstruktionen erhalten, aus dem späten Mittelalter und dem Barock, das ist ein wertvoller Schatz.“ Und deshalb wird bei denkmalpflegerischen Erlaubnissen die Auflage gemacht, Dachaufbauten zur Belichtung reversibel zu errichten, das heißt so, dass bei einem späteren Rückbau die historische Substanz nicht zerstört wird.

Doch wie so oft steckt auch hier der Teufel oft im Detail, insbesondere dann, wenn auch gestalterische Fragen im Raum stehen. Im Bauausschuss wurden Gauben mit hellen Blechverkleidungen gezeigt, unpassende Ortgangverkleidungen und ein Dachaufbau, der manchem in der Runde als zu wuchtig erschien. Balkone und Gauben, die die Denkmalpfleger bei einem Haus am Hofgraben noch als ensemblevertäglich bewerteten - auch weil man sie im öffentlichen Raum praktisch nicht wahrnehmen könne - empfand aber beispielsweise Franz Daschner (UBV) doch als „eklatanten Eingriff“ ins Stadtbild.

Lebhafte Diskussion

Lebhaft diskutiert wurde auch das „Bachwirt“-Gebäude, das Reinhard Skobrinsky per Antrag auf die Tagesordnung gebracht hatte. Der BAL-Stadtrat stößt sich vor allem an den Edelstahlkaminen, Denkmalschützer Herrmann wies zudem noch auf Feuerleitern, Taubenvergrämung und Schneefanggitter hin, alles Bestandteile eines „typischen Neubaudachs auf einem Baudenkmal“, wie er sagte. Zumindest die Edelstahlkamine dürften das Altstadtbild jedoch bald nicht mehr beeinträchtigen, hieß es in Sitzung. Der Eigentümer sei bereit, sie verkleiden zu lassen. Oft sei die Kooperationsbereitschaft der Bauherren der einzige Weg, zu einer besseren Lösung zu kommen.

Sollten sich Eigentümer einer Altstadt-Immobilie uneinsichtig zeigen, biete die 2006 erlassene „Altstadtsatzung“ ein „reichhaltiges Instrumentarium“ an Zwangsmitteln, fügte Ordnungsamtschef Ernst Müller an. Jedoch: „Jeder dieser Eingriffe geht in der Regel nicht klaglos ab“ – sprich Hauseigentümer wehrten sich gegen Bußgeldbescheide und Rückbauverpflichtungen. „Da müssen sie dem Richter gut erläutern, warum etwas ein erheblicher Eingriff ist“, sagt Müller.

Bei aller Problemorientierung in der Ausschussdebatte war insbesondere auch Thomas Herrmann darum bemüht, kein falsches Bild entstehen zu lassen: „95 Prozent der Architekten sind sehr bemüht und kooperativ“, betonte er, „aber die fünf Prozent Ausreißer sind oft schwer einzufangen.“

Damit diese nur eine kleine Minderheit bleiben, setzt Stadtbaumeisterin Birgit Weber darauf, die Bauberatung weiter auszubauen - auch personell: „Ab Januar wird dafür eine Beamtenanwärterin eingestellt“, kündigte sie an, „und mit den resistenten Fällen müssen wir noch konsequenter umgehen.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren