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Landsberg

08.11.2017

Der Mantel wird wieder geteilt

Die Kinder des Kindergartens St. Christophorus in Landsberg proben das Martinsspiel.
Bild: Julian Leitenstorfer

An St. Martin geht es um die Vermittlung von Werten. Wie sich kleine Landsberger auf den Festtag vorbereiten.

Sein Grab im französischen Tours ist eine bedeutende Wallfahrtsstätte. Doch es sind noch mehr die Werte, für die der Heilige Martin steht, die ihn zu einem Sinnbild der christlichen Nächstenliebe werden ließen. Es geht ums Teilen, um die Solidarität für die sozial Schwachen. Am 11. November, dem Martinstag, werden wieder vielerorts Umzüge veranstaltet, mit denen auch die Legende um den Bischof von Tours nacherzählt wird.

Für Sandra Huberts, Leiterin des Christophorus-Kindergartens in Landsberg, ist der Martinsumzug, der bereits am Vorabend des 11. November nach dem Martinsspiel in der Klosterkirche (17 Uhr) beginnen wird, ein ganz besonderer im Kindergartenjahr. „Für uns als katholischer Kindergarten hat der Tag einen festen Platz im Jahreskreis.“ Sie unterstreicht aber die herausgehobene Stellung des Heiligen, der vor allem die christlichen Werte des Teilens, also der Nächstenliebe, verkörpere.

Die Legende hat pädagogischen Nutzen 

St. Martin war als 15-Jähriger, das soll um 331/332 gewesen sein, dem römischen Heer beigetreten. Einige Jahre später, so die Geschichtserzählung, soll er mit anderen Soldaten am Stadttor der französischen Stadt Reims auf einen fast unbekleideten Bettler gestoßen sein. Bis auf Martin kümmerte keinen der Soldaten das Schicksal des bei klirrender Kälte frierenden Mannes. Martin aber teilte, trotz des Spottes seiner Kameraden, kurzerhand seinen Umhang in zwei Stücke und gab eines dem Bettler. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm laut Legende Jesus im Traum und dankte ihm für die gute Tat, denn bei dem Bettler hatte es sich um den Gottessohn gehandelt.

Daher ist es Sandra Huberts auch ganz wichtig, den Kindern die Begriffe „Teilen“ und „Nächstenliebe“ bereits im Vorfeld näherzubringen. Mit dem gemeinsamen Anschauen von Bilderbüchern und dem Nachspielen der Martins-Legende näherte man sich schon seit einiger Zeit dem Thema. „Die Kinder sind da sehr offen in ihrem Denken“, erklärt die Kindergartenleiterin. So sei auch die Frage „Was können wir tun?“ sehr schnell geklärt gewesen.

Jedes Kind bringt ein gut erhaltenes Kleidungsstück von zu Hause mit und gibt es beim Martinsspiel in einen Sammelkorb. „Es wird auch in einer Nachbereitung darüber gesprochen, wer das Kleidungsstück gebrauchen könnte“, erzählt Sandra Huberts, die verrät, dass die Gaben an die Aktion Hoffnung „Meins wird deins“ weitergeleitet werden.

Die Älteren kümmern sich um die Jüngeren

Doch damit nicht genug. Das Thema „Teilen“ beschäftigt Kinder und Erzieherinnen das gesamte Jahr über. Das habe auch mit Solidarität gegenüber den Mitmenschen etwas zu tun. „In unserem Kindergarten sind viele Glaubensrichtungen vertreten.“ Den Kindern werde ein guter Umgang miteinander vermittelt. So kümmern sich zum Beispiel die älteren um die neu hinzugekommenen („Patenamt“), das gelte für deutsche Kinder ebenso wie für Flüchtlingskinder.

Dass das Martinsfest eine integrierende Wirkung hat, erlebt auch der Penzinger Pfarrer Martin Rudolph Jahr für Jahr aufs Neue: „Die muslimischen Familien zum Beispiel gehen wie selbstverständlich beim Martinsumzug mit.“ Er kennt aber auch die immer wiederkehrenden Bestrebungen, mancherorts aus dem christlichen Martinsfest ein neutrales Lichterfest machen zu wollen, was er für unglücklich hält: „Ohne eine eigene Identität gibt es doch keinen Dialog.“ Außerdem fehle so dem Martinsumzug die Identifikationsfigur, die den Kindern helfe, die Geschichte und Wertmaßstäbe des Heiligen Martin leichter zu verstehen. Gerade heute hätten diese eine zunehmend wichtige Rolle. Die Botschaft sei deutlich: „Jeder tut, was er kann – gegen soziale Kälte und Gleichgültigkeit.“ Die Laternen verkörpern zudem das Licht in einer dunklen Zeit, das menschliche Wärme verspreche.

Martin Rudolph hat, wie es sein Vorname vermuten lässt, eine besondere Verbindung zu dem Heiligen – auch wenn er zu Kindergartenzeiten keinen Martinsumzug miterleben konnte. In seinem Elternhaus wurde der Namenstag des Martin sehr hochgehalten und stets gefeiert: „Das war uns sehr kostbar.“ Auch er selbst kann mit seinem Namenspatron und dessen Wertvorstellungen viel anfangen. In diesem Jahr übernahm der Pfarrer die Rolle des Martin, hoch zu Ross.

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