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Interview

13.04.2017

Der Osterwitz gehört dazu

Zwei, die sich verstehen. Am Ende des Gottesdienstes am 2. April beglückwünschte Stadtpfarrer Gregory Herzel Ruhestandspfarrer Martin Bucher zu dessen 80. Geburtstag.
Bild: Richard Huber

Wie erleben katholische Pfarrer Ostern? Martin Bucher und Gregory Herzel gehören unterschiedlichen Generationen an. Im Gespräch mit unserer Zeitung haben sie einige Gemeinsamkeiten entdeckt

Herr Bucher, Herr Herzel, welche Bedeutung hat Ostern für Sie?

Martin Bucher: Ostern ist der Weg zu dem Gott des Lebens, der grenzenlos Ja sagt. Diesen Weg hat Jesus eröffnet.

Gregory Herzel: Ostern ist der Mittelpunkt des Glaubens, an dem sich alles andere orientiert. Dass Jesus auferstanden ist, ist die Hoffnung schlechthin.

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Was ist das Besondere?

Herzel: Die Karwoche bietet alle Facetten des Lebens. In der Liturgie reicht die Stimmung von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, von der Dunkelheit bis zum Licht.

Bucher: Mit 80 Jahren rückt der Augenblick näher, an dem es auch um die eigene Auferstehung geht.

Blicken wir zurück. Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit Ostern?

Bucher: Im Jahr 1945 war Ostern unmittelbar vor der Befreiung meines Heimatortes Egling durch die Amerikaner. Ich erinnere mich, dass wir am Karsamstag um 6 Uhr mit einem Handwagen die Holzscheite zur Weihe gebracht haben. Damit wurde das Osterfeuer entzündet. Auf dem Heimweg haben sie rußige Spuren auf den Straßen hinterlassen. Danach war aber wieder Anbetung vor dem Heiligen Grab bis zur Auferstehungsfeier am Nachmittag.

Herzel: An Ostern zu Hause habe ich keine großen Erinnerungen. Aber als acht- oder neunjähriger Ministrant habe ich in Dürrwangen der Mesnerin geholfen. Es war eine besondere Stimmung damals, die ich nicht näher definieren kann. Ich habe mir vorgestellt, dass man Ostern und Weihnachten nur in seinem Heimatort feiern kann.

Jetzt feiern Sie Ostern als Pfarrer der Stadtpfarrei Zu den Heiligen Engeln in Landsberg.

Herzel: Ja, aber ich habe einiges aus der Heimat mitgebracht. Die Altarverwüstung am Gründonnerstag feiere ich wie mein Heimatpfarrer in Dürrwangen. Ich lege das Altartuch nicht sauber hin und werfe die Kerzen um, dass es knallt. Die Gläubigen sollen innerlich erschüttert sein.

Wie bereiten Sie sich und die Gläubigen auf das Osterfest vor?

Herzel: Wir bieten von Montag bis Mittwoch eine Beichtgelegenheit an. Wer da kommt, der hat ein Herzensanliegen. Früher konnte erst nach dem Karfreitag gebeichtet werden. Ich finde, das sollte davor erledigt werden können.

Bucher: Die Zahl der Beichtenden zeigt uns, dass der Termin vor Karfreitag richtig ist.

Proben Sie den Ablauf der Gottesdienste?

Herzel: Ja, die Tage sind gut vorbereitet. So kann ich auch selbst in den Gottesdiensten gut dabei sein, weil wir alles geprobt haben. Dennoch werde ich in der Regel am Gründonnerstag leicht nervös. Für die Gläubigen haben wir Blätter, die erklären, was passiert. Die Symbolik an diesen Tagen ist so reichhaltig.

Bucher: Ich denke an den stillen Einzug am Karfreitag, wenn sich alle Ministranten auf den Boden legen. Bei der Probe gibt es unter den Ministranten oft ein Lächeln. Aber am Karfreitag selbst nicht mehr. Das geht allen unter die Haut.

Herzel: Die Atmosphäre bei den Proben ist eine ganz andere. Wenn die Kirche voll ist, ist es bei den besonderen Momenten ganz still. Jede Regung ist dann zu hören.

Herr Bucher, Sie helfen an Ostern oft in anderen Pfarreien aus. Heuer nicht. Warum?

Bucher: Ich hatte eine schwere Fußverletzung und wusste nicht, ob ich rechtzeitig fit werde. Deswegen konnte ich mich heuer nicht einteilen lassen. In den Jahren zuvor war ich in Penzing, Schwifting oder Weil. Mir war dabei immer wichtig, dass alle drei österlichen Termine gemeinsam in der gleichen Kirche gefeiert werden. Heuer feiere ich Ostern daheim in Zu den Heiligen Engeln.

In einer Kirche?

Herzel: Ja. Das ist der Segen der Einzelpfarrei. Wir können die Hauptgottesdienste alle bei uns feiern.

Haben Sie auch lustige Erinnerungen an das Osterfest?

Bucher: In meiner Zeit als Stadtpfarrer in Zu den Heiligen Engeln habe ich in der Fastzeit nicht geraucht. Auf meinem Schreibtisch im Pfarrbüro lag am Karsamstagabend ein Zigarillo bereit. Es war ein milder Frühlingstag und ich hatte das Fenster geöffnet, als ich noch an meiner Osterpredigt feilte. Ich hörte die Glocken von Mariä Himmelfahrt läuten und dachte mir: Wenn für die schon Ostern ist, dann darf ich mir auch mein Zigarillo anzünden. Das habe ich auch gemacht.

Herzel: Lustig soll der Osterwitz sein. Es ist in der Liturgie vorgesehen, dass die Gläubigen die Kirche mit einem Lächeln verlassen. Der Witz sollte sich auch nicht wiederholen. Es ist gar nicht so einfach, einen passenden zu finden. Heuer war es nicht leicht.

Interview: Thomas Wunder

Gregory Herzel kam im September 2014 als Nachfolger von Stadtpfarrer Reiner Hartmann in die Pfarrei Zu den Heiligen Engeln. Der 38-Jährige stammt aus Dürrwangen in Mittelfranken. Martin Bucher feierte am 1. April seinen 80. Geburtstag. Er stammt aus Egling an der Paar und war in Landsberg als Kaplan, Stadtpfarrer und als Ruhestandsgeistlicher über 35 Jahre tätig, zudem lange Jahre in der Pfarrei in Dettenschwang am Ammersee.

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