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Kaufering

29.06.2020

Der vierjährige Jerome kämpft in der Uniklinik um sein Leben

Der kleine Jerome aus Kaufering leidet an einer aggressiven Form von Lymphdrüsenkrebs. Er wird im Uniklinikum Augsburg behandelt.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Im Januar wird bei Jerome aus Kaufering aggressiver Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Die psychischen und finanziellen Folgen für die Familie sind gravierend und werden durch Corona verstärkt.

Das Jahr 2020 hatte für Mario Wiegert, seine Frau Irina und die Söhne Jerome und Jeanero mit einem schönen Ausflug in den Circus Krone begonnen. Doch am Abend klagte der damals dreijährige Jerome über Bauchschmerzen. Es war der 5. Januar. Vier Tage später erhielt die Familie die schreckliche Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Es ist eine sehr aggressive Form der Krankheit. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hat das Coronavirus zusätzlich noch massive Auswirkungen auf das Leben der Familie aus Kaufering.

„Wir haben beim Abtasten gemerkt, das Jeromes Bauch etwas dicker ist und dachten zunächst, es wäre eine Verstopfung. Wir sind dann wegen des Feiertags erst am 7. Januar zum Kinderarzt gegangen“, erzählt Mario Wiegert. Und der Mediziner schließt aber eine Verstopfung nach der Untersuchung mit einem Ultraschallgerät aus und schickt die Familie weiter in die Kindernotaufnahme der Uniklinik Augsburg. Dort folgen weitere Untersuchungen. „Ich habe den Arzt gefragt, ob man an der Problemstelle nicht einfach etwas rausschneiden kann. Er hat mir geantwortet, dass man da nichts mehr machen könne. Der Krebs habe sich wie eine Tapete um alle Organe gelegt. Das war ein großer Schock für meine Frau und mich.“ Der Krebs ist im ganzen Bauchraum: von den Leisten über die Nieren bis zum Zwerchfell. Die linke Niere ist schon in ihrer Funktion extrem eingeschränkt. Der kleine Jerome lässt alles über sich ergehen und macht den Diagnosemarathon mit. Er sei schon immer ein aktives und mutiges Kind, sagt der Vater. Das habe in der Situation wohl geholfen.

Der Krebs hat die höchste Stufe erreicht

Am Donnerstag, nach drei Tagen im Schwäbischen Kinderkrebszentrum der Uniklinik Augsburg, bitten eine Oberärztin und eine Psychologin die Eltern zum Gespräch. Die Wände des Raumes sind rotgestrichen, es stehen eine Couch und ein Sessel darin und auf dem Tisch liegen Taschentücher. Irina Wiegert hält inne und sagt zu ihrem Mann: „Ich will da nicht reingehen.“ Sie ahnt, was kommt. Wiegert hört im folgenden Gespräch nur die Worte „sehr aggressiver Krebs, Stufe vier mit Hochrisiko“. Vier ist die höchste Stufe. Die Familie müsse sich auf ein sehr schweres Jahr einstellen, prophezeit die Oberärztin. „Natürlich fragt man sich, warum es ausgerechnet die eigene Familie trifft und ob man früher hätte etwas bemerken können“, sagt Mario Wiegert. Die Ärzte hätten ihm aber gesagt, dass es kaum eine Chance dafür gebe, weil das Burkitt-Lymphom – so die genaue Diagnose – zu den am schnellsten wachsenden Tumorarten gehöre.

Jerome fragt: "Muss ich sterben?"

Die Oberärztin macht den Eltern klar, dass es „kurz vor Zwölf“ ist und sie sofort mit einer stationären Intensiv-Chemotheraphie beginnen wollen. Normalerweise beginnen die Mediziner mit einer schwächeren Dosis. Weil Jeromes Nieren aber drohen zuzuwachsen, machen es die Ärzte bei ihm anders. Die Nieren müssen funktionieren, um die Zellabfallstoffe, die durch die Chemotherapie entstehen, aus dem Körper transportieren zu können. Die Belastung für Jerome ist jedoch sehr hoch und er muss immer wieder auf die Intensivstation. „Düstere Stunden“ seien das gewesen, in denen seine Frau mehrere Tage und Nächte auf dem Stuhl neben dem Sohn gesessen und dessen Hand gehalten hat, erinnert sich der 43-Jährige.

Auch Jerome, der seinen vierten Geburtstag im Januar im Krankenhaus feiern musste, spürt den Ernst der Lage. „Muss ich sterben?“, fragt er. Trotz Morphium hat er starke Schmerzen – vor allem wegen der sich auflösenden Schleimhäute. Vorsorglich wird in jedem Chemoblock per Operation unter Vollnarkose auch das Gehirnwasser mit einer extra Chemotherapie behandelt, weil unklar ist, ob sich der Krebs auch bis dorthin ausgebreitet hat.

Die Familie hat finanzielle Probleme

Während der Krankenhausaufenthalte ist die 39-jährige Irina Wiegert immer an der Seite von Jerome. Die Rechtsfachwirtin ist die Hauptverdienerin der Familie. „Sie hat viele Weiterbildungen gemacht und verdient gut, deswegen bin ich daheim geblieben und habe mich um die Kinder gekümmert“, so der selbstständig tätige Vater, der heuer in seinem Beruf als IT-Berater wieder durchstarten wollte. Seine Frau bekommt nur noch Krankengeld bezahlt und er hat keine Zeit zu arbeiten, weil er wegen der Corona-Krise Vater, Hausmann, Lehrer und Spielgefährte für den siebenjährigen Jeanero zugleich ist. Das bringt die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir zusätzlich auch noch wirtschaftlich in Not geraten“, sagt Mario Wiegert.

Ein zweites Bad muss eingerichtet werden

Sein Sohn Jeanero ging zu Beginn der Krankheit noch in die Schule, doch als im Januar bekannt wurde, dass sich ein in Kaufering lebender Mann mit dem Coronavirus angesteckt hat, nahm die Familie ihn aus der Schule. „Das Risiko war zu groß, bei den Besuchen im Krankenhaus etwas einzuschleppen. Wir sind in freiwilliger Selbstisolation.“ Als klar war, dass es sich um eine für die Behörden nachvollziehbare Infektionskette handelt und Entwarnung gegeben wurde, durfte der Siebenjährige – der seine Freunde derzeit nicht treffen kann – wieder in die Schule.

Sein kleiner Bruder kommt zwischen den Behandlungen immer wieder für ein paar Tage nach Hause. Durch die starke Immunschwächung ist Hygiene extrem wichtig. Die Wohnung wird gerade umgebaut, weil die Ärzte empfohlen haben, für Jerome einen separaten Sanitärbereich zu schaffen. Neben dem WC wird im zweiten Bad noch eine Dusche eingebaut. Der gepackte Koffer liegt immer im Auto der Familie, weil Jerome bei einer Infektion sofort wieder zurück ins Krankenhaus muss. Derzeit bekommt Jerome seine vorerst letzte stationäre Behandlung. Über den Berg ist er noch nicht, sagt sein Vater. „Wir kämpfen dafür, dass er überlebt. Was diese Behandlung für mögliche Folgeschäden verursacht, muss man abwarten.“

Jetzt haben die Eltern einen Spendenaufruf gestartet: Die Eltern des kranken Jerome aus Kaufering brauchen Hilfe

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