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Landkreis Landsberg

30.08.2019

Die Ammerseerenade wird etwas ruhiger

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Dirigent Vladimir Fedoseyev wird bei der Ammerseerenade bei einem Klassik-Konzert in St. Ottilien auftreten.
Bild: Vladimir Volkov

Das Klassik- und Artfestival beschränkt sich heuer auf vier Veranstaltungen. Allerdings verspricht ein Event ein richtiger Kracher zu werden. Es gibt sogar einen Staatsempfang.

Ritterschlag für das Klassik- und Artfestival Ammerseerenade: Der bayerische Kunstminister Bernd Sibler wird das zweite Liberation Concert mit dem Tchaikovsky Symphonie Orchester Moskau unter der Leitung von Vladimir Fedoseyev wie auch der Weltpianistin Elisabeth Leonskaja am Freitag, 27. September, im Kloster St. Ottilien besuchen. Anschließend vor Ort einen Staatsempfang geben.

Mag es noch der Nachhall des großen Namens von Anne-Sophie Mutter und der von ihr im vergangenen Jahr präsentierten Neuauflage des „Befreiungskonzerts 1945“ in St. Ottilien sein, der die Aufmerksamkeit aus der Landeshauptstadt in die Ammerseeregion lenkte, das Intendantenehepaar Doris Pospischil und Hans-Joachim Scholz sieht sich bestätigt: „Die Reihe der Liberation Concerts im Rahmen der Ammerseerenade legen in einer Zeit der erst schleichenden und dann immer aufdringlicheren Verletzung religiöser Gefühle den Grundstein für eine neue Nachdenklichkeit.“

Der Kunstminister gibt in St. Ottilien einen Staatsempfang

Kunstminister Bernd Sibler wird daher in St. Ottilien mit dabei sein. „Dieses Festival setzt ein spürbares Zeichen für die verbindende Kraft der Musik und gegen Intoleranz und Ausgrenzung.“ Musik kenne, so der Minister weiter, keine Grenzen und baue Brücken, unabhängig von Nationalität, Religion oder kulturellem Hintergrund.

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Zunächst hat aber dieser Weg der sechsten Auflage der Ammerseerenade ein Sabbatical-Jahr auferlegt. „Wir müssen unsere Organisation dem zunehmenden Erfolg des Festivals anpassen“, erklärt Hans-Joachim Scholz, weshalb in diesem Jahr lediglich eine „Ammerseerenade light“ mit vier Programmpunkten – davon zwei in München – angeboten wird. Im kommenden Jahr, ergänzt Doris Pospischil, wird das Festival wieder mit vollem Programm fahren. Die Planungen dafür seien bereits jetzt schon wieder angelaufen.

Die Ammerseerenade findet zum sechsten Mal statt

Klein aber hochklassig, so mag das Motto der 6. Ammerseerenade ohne Übertreibung gewählt werden, denn mit Elisabeth Leonskaja und Vladimir Fedoseyev sind zwei weitere Stars der Klassikszene in der Region zu hören. Der inzwischen 86-jährige Fedoseyev hat „sein“ Orchester mit nach Deutschland gebracht, das Tchaikowsky Symphonie Orchester aus Moskau, das der Maestro seit 1974 leitet. Von 1997 bis 2004 dirigierte Fedoseyev zudem die Wiener Symphoniker, mit denen er heute noch auftritt. Er feierte Erfolge an der Mailänder Scala, bei den Salzburger Festspielen und an Opernhäusern der ganzen Welt.

Elisabeth Leonskaja, selbst Halb-Jüdin, ist in Tiflis geboren und galt schon früh als Wunderkind. Sie arbeitet mit den bedeutendsten Dirigenten ihrer Zeit und mit nahezu allen großen Orchestern, wie etwa den Berliner Philharmonikern.

Ein Gesprächskonzert mit Charlotte Knobloch

Bereits am Vorabend des Konzerts kommt es in München zu einer interessanten Begegnung im Rahmen der Festivalreihe Musik im Dialog (Donnerstag, 26. September, 17 Uhr). Schirmherrin Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und Vladimir Fedoseyev geben im Zeitzeugengespräch – beide sind Jahrgang 1932 – einen Einblick in ihre jeweiligen Lebensläufe unter dem Motto „Ein Leben zwischen Krieg und Frieden“. Es ist ein Gesprächskonzert über die Leningrader Blockade, die vor 75 Jahren zu Ende gegangen ist. Musikalisch umrahmt wird das Gespräch in der israelitischen Kultusgemeinde von dem Streichquartett des Tchaikovsky Symphonie Orchesters.

Da dieser Gesprächsrunde zahlreiche russische Mitglieder der jüdischen Kulturgemeinde beiwohnen werden, die auch Zeitzeugen der Leningrader Blockade sind, wurde der Veranstaltungsort in München gewählt. Zwar sei die Ammerseerenade explizit in der Region angesiedelt, doch wollte man diesen betagten Personen die weite Anfahrt nach St. Ottilien ersparen.

Die Ammerseerenade zieht mit einer Veranstaltung ins Künstlerhaus am Lenbachplatz

Zweiter Münchner Veranstaltungsort wird das Künstlerhaus am Lenbachplatz sein. Dort spielt erneut das Streichquartett des Moskauer Symphonieorchesters bei einer Matinée Werke von Schostakowitsch und Tschaikowsky (Samstag, 28. September, 11 Uhr).

Der Höhepunkt des Kurz-Festivals wird aber die zweite Auflage des Liberation Concerts mit Vladimir Fedoseyev und Elisabeth Leonskaja in der Klosterkirche von St. Ottilien sein. Mit diesem Konzert, erklärt Doris Pospischil, wird wieder an die jüdische Klostergeschichte 1945 bis 1948 und an das legendäre Befreiungskonzert von jüdischen Musiker im Jahre 1945 in St. Ottilien erinnert.

Inzwischen ist auch ein „Artist-in Residenz“-Konzept im Entstehen, mit dem das Kloster laut Mitteilung ab 2020 alle zwei Jahre im Rahmen eines Stipendiats künstlerische Impulse in einer „sich radikal ändernden Welt“ setzen möchte.

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