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Landsberg

04.08.2019

Die Blumen kommen von alleine auf die Wiese

Mario Düchs ist fürs Stadtgrün zuständig: Auf dem Katharinenanger blühen viele Blumen.
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Mario Düchs ist fürs Stadtgrün zuständig: Auf dem Katharinenanger blühen viele Blumen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Statt einheitlichen Rasens blühen auf vielen städtischen Flächen Wilde Möhre, Wegwarte und Kartäusernelke. Mario Düchs von der Stadt erklärt, was es damit auf sich hat.

Kiesbeet, englischer Rasen oder Wildblumenwiese – diese Möglichkeiten stehen sich bei der Gestaltung von Garten- oder Parkflächen gegenüber. Bei der Stadt Landsberg setzt man bei vielen Flächen auf Blühwiesen, die Nahrung für Insekten bieten. Das LT hat sich mit dem Beauftragten fürs Stadtgrün, Mario Düchs, unterhalten.

Wie eine Fläche gepflegt wird, hängt davon ab, wie sie genutzt wird. Bei Kindergarten und Schule, oder auch direkt an einem Kinderspielplatz, soll Platz zum Spielen sein. Dort steht Rasen im Vordergrund, wie Düchs erzählt. Anders ist es beispielsweise am Katharinenanger an der Saarburgstraße. Hier haben die Kinder ihren Spielplatz nebendran, die Wiese darf für Insekten auch höher wachsen: Weiße Dolden von Wilder Möhre wechseln sich mit dem Violett der Flockenblume ab. Vereinzelt sind blaue Wegwarten zu sehen, einzelne zierliche Kartäusernelken bestechen mit ihrem leuchtenden Pink, dazu bildet gelber Hornklee einen Kontrast.

Bei Kindergärten wird der Rasen kurz gehalten

„Ich finde es total schön“, sagt Petra Cronauge. Sie ist eine Anwohnerin der rund 2500 Quadratmeter großen Fläche und geht am Weg mit ihrem Hund spazieren. Zuständig für die städtische Bepflanzung ist Mario Düchs. Der gebürtige Schongauer hat bei der Gärtnerei Engler in Schongau gelernt und ein Gartenbaustudium an der Fachhochschule Weihenstephan absolviert. Seit 2010 ist der 52-Jährige in Landsberg, von 2011 bis 2017 als Vorarbeiter im Bauhof, und jetzt zuständig fürs Stadtgrün im Referat Stadtbau.

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Parkanlagen, Spielplätze, Liegenschaften der Stadt wie beispielsweise die Stadtverwaltung, Kindergärten oder Schulen sowie Straßenbegleitgrün zählen zu den Flächen, um die sich Mario Düchs kümmert. Die Zielsetzungen sind unterschiedlich. Beispielsweise an Kindergärten oder Schulen wird der Rasen kurz gehalten, damit die Kinder ihn auch betreten können. Manchmal gibt es auch eine Mischnutzung: „Ein Drittel wird kurz gehalten, zwei Drittel bleiben stehen“, sagt Düchs und zeigt auf eine Wiese im Baugebiet Obere Wiesen. Wie kommt es nun, dass es auf einer Fläche blüht und auf der anderen Rasen wächst? Es liegt an den Nährstoffen und an der Pflege: Je nährstoffreicher der Boden, desto stärker können sich Gräser gegenüber den meisten krautigen Pflanzen behaupten, wie Düchs sagt. Und Gräser können mehrmals im Jahr gemäht werden.

Für Blumenwuchs braucht es nährstoffarmen Boden

Wer eine Blumenwiese wachsen lassen will, braucht einen eher nährstoffarmen Boden: Düchs berichtet, dass, als der Katharinenanger angelegt wurde, ein spezielles Substrat mit Riesel aufgebracht worden sei. Etwas Gras säte man an und die Blumen kamen von alleine, das Saatgut war noch im Boden oder flog an. „Im ersten Jahr hat sich nichts getan“, sagt Düchs, doch seit zwei Jahren würden die Blumen wachsen. Gemäht werde im September.

In Sachen Insekten ist Düchs auch in Kontakt mit dem Botaniker Andreas Fleischmann, der im LT schon Serien über Pflanzen und Wildbienen veröffentlicht hat. Auch Kulturpflanzen wie Rosen oder nicht einheimische Stauden und Halbsträucher wie Perowskien werden beispielsweise in den Beeten an den Wegen oder innerstädtischen Straßenrändern gepflanzt. In Wohngebieten, in denen wegen Hitze und Versiegelung schlechtere Wuchsbedingungen herrschten, greife er gerne auf an heiße Sommer und kalte Winter angepasste Pflanzen wie die Blauraute (Perowskie) aus Vorderasien zurück, sagt Düchs. In der freien Landschaft müsse man heimische Pflanzen verwenden.

Es stehen auch bereits verblühte Pflanzen

Auf der Wiese und in den Beeten zeigt sich, was für manche Bürger gewöhnungsbedürftig ist: Braune Pflanzen, die schon verblüht sind. Denn wer Blumen dauerhaft ansiedeln will, muss ihnen Zeit lassen, auszusamen. Und damit bleiben auch verblühte Pflanzenteile stehen bis zur nächsten Mahd oder dem Frühjahr, denn sie sind oft auch Lebensraum für Insekten. Es gibt auch Flächen, wie den Kreisel an der Autobahnausfahrt Ost, der als trockene Kiesfläche kein üppiges Blumenbeet ermöglicht, sondern entsprechend angepasste Pflanzen. „Außerdem müssten wir Kulturpflanzen auch stärker pflegen“, erläutert Düchs. An dieser Stelle mit Verkehr sei dies problematisch.

Die Mitarbeiter des Bauhofs, die sich anfangs daran gewöhnen mussten, nicht mehr einfach alles „sauber“ kurz zu mähen, hat Düchs mittlerweile in Sachen Blumenwiese im Boot: „Da ruft schon mal einer an und sagt, dass es noch so schön blüht und ob die Mahd nicht noch verschoben werden solle.“

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