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Landsberg/Rott

28.01.2019

Die Ertls und die FDP – das war einmal

Christoph Ertl aus Rott ist aus der FDP ausgetreten. Vor Kurzem wurde der 64-Jährige aus der
Bild: Thorsten Jordan

Nach dem Aus als Kreisvorsitzender: Christoph Ertl aus Rott bricht mit dem FDP-Kreisverband und nennt Gründe für seinen Austritt. Sitzt er bald für eine andere Partei im Kreistag?

Der Familienname Ertl stand in Bayern und im Landkreis jahrzehntelang für die FDP: Seit Freitag ist diese Verbindung zerrissen (LT berichtete). Christoph Ertl, Sohn des früheren Bundeslandwirtschaftsministers Josef Ertl (1925-2000), hat die Liberalen verlassen. Eine Woche zuvor war der 64-Jährige aus Rott als Kreisvorsitzender abgewählt worden.

Lesen Sie dazu auch: FDP: Ertls Zeit endet mit einem Paukenschlag

Das allein hätte das Fass wohl noch nicht zum Überlaufen gebracht. Es war nicht das erste Mal, dass es zwischen ihm und der Kreis-FDP Ärger gab. 2004 hatte Ertl schon einmal den Kreisvorsitz abgeben müssen. Damals, so berichtete das LT, sei Ertl ob des "Störfeuers aus Denklingen" (Zitat Ertl) ausgerastet und habe in der Versammlung beruhigt werden müssen. Das Störfeuer aus Denklingen waren damals die Eheleute Albrecht.


Vor 15 Jahren gab es schon einmal Turbulenzen

Doch der Ärger von damals ist längst verraucht. In den vergangenen beiden Jahren arbeitete Ertl nicht nur mit seinem Stellvertreter und Schatzmeister Andreas Tillmann zusammen, sondern auch mit Tyll-Patrick Albrecht, der als Schriftführer amtierte. 15 Jahre später ist die Episode von 2004 fast vergessen und das Störfeuer kam aus einer anderen Richtung – und zwar mit einer Breitseite von Christian Tietgen. Der FDPler aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck war bei der jüngsten Landtags- und Bezirkswahl Kandidat gewesen. Unter anderem sagte Tietgen bei der Kreisversammlung, der Umgangston in der Landsberger FDP sei „unter aller Sau“.

Am Ende wurde Birgit Kerckhoff aus Greifenberg mit 6:4 Stimmen zur Kreisvorsitzenden gewählt. Ertl kehrte der Versammlung sogleich den Rücken. Besonders ärgerte sich Ertl darüber, dass ausgerechnet Kerckhoff und Ulla Schäfer an die Spitze des Kreisverbands gewählt wurden. Schäfer war bis 2016 Kreisvorsitzende gewesen, Kerckhoff Schriftführerin. Beide, so sagt Ertl, hätten einen „total verschuldeten und chaotischen Kreisverband“ hinterlassen. Christoph Ertl, so schrieb auch seine Frau Birgit auf Facebook, habe den Karren damals wieder aus dem Dreck gezogen.

Seit 1990 gehört Ertl dem Kreistag an

Seinen bereits unmittelbar nach der Vorstandswahl erklärten Austritt aus der Partei vollzog Ertl nun nach der Übergabe der Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin förmlich. „Ehrlichkeit, Vertrauen und Integrität sind für mich sehr hohe und wichtige Werte. Diese sehe ich bei den beiden neuen Kreisvorsitzenden nicht. Deshalb breche ich mit der jahrzehntelangen Tradition, mich auch im Geiste meines Vaters für die FDP in Landsberg einzusetzen“, teilte Ertl nach seinem Austritt mit. Vater Josef Ertl war über 13 Jahre – von 1969 bis 1983 – Bundeslandwirtschaftsminister und seit 1952 in der FDP. Ein Jahr später heiratete er eine Tochter des ersten Bundeslandwirtschaftsministers Wilhelm Niklas (CSU).

Eine andere Partei zeigt Interesse

Christoph Ertl wurde 1990 Mitglied der FDP. Kurz darauf wurde er auf Anhieb in den Kreistag gewählt, dem er seither ununterbrochen angehört. Die meiste Zeit blieb Ertl dort Einzelkämpfer, lediglich von 2008 bis 2014 hatte er einen Mitstreiter – den heutigen SPD-Kreisvorsitzenden Markus Wasserle. Zunächst will Ertl als Parteifreier im Kreistag weitermachen. Das dürfte aber möglicherweise nicht lange so bleiben: Schon kurz nachdem der Eklat bei der FDP-Versammlung öffentlich geworden war, klingelte bei Christoph Ertl das Telefon. Von welcher Partei der Anrufer war, wollen er und seine Frau aber bislang nicht verraten.

Andreas Tillmann, der Stellvertreter Ertls war, überlegt unterdessen noch, ob und wie er künftig in der FDP tätig werden will. Mitte Februar seien beim Ortsverband Landsberg, dessen Vorsitzender er ist, Wahlen angesetzt, erzählt Tillmann: „Da habe ich noch ein paar Nächte, um über die Sache zu schlafen.“

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: FDP im Landkreis: Mit Ertl ist die Konstante weg

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