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Landsberg

18.08.2020

Die Landsberger gönnen sich was – gerade jetzt

Stephanie Rapp von Stephanie Rapp Couture in Landsberg glaubt, dass ihre Kunden besonnener geworden seien, bewusster lebten und sich genau deshalb etwas Besonderes gönnen wollen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Zuerst Lockdown, dann Kurzarbeit und eine ungewisse Zukunft: Hat sich das Shopping-Verhalten in den vergangenen Monaten verändert? Das sagen Einzelhändler aus dem Landkreis Landsberg.

Kurzarbeit, die Unsicherheit, wie es überhaupt mit dem Job weitergeht oder ob gar ein zweiter Corona-Lockdown kommt, sind Fragen, die den Menschen in der Region zu schaffen machen. Hat das Zurückhaltung im Kaufverhalten zur Folge oder gönnen sich die Landsberger jetzt erst recht etwas Besonderes? Das Landsberger Tagblatt hat sich in einigen Geschäften umgehört.

„Es gibt durchaus Kunden, die mir gesagt haben, dass sie sich das Schmuckstück, das sie eigentlich haben wollten, im Moment nicht leisten können“, sagt Barbara Helleis. Die Goldschmiedemeisterin hat im Hinteren Anger ihre Schmuckwerkstatt. Die meisten ihrer Kunden aber kämen ohnehin anlassbedingt zu ihr, da spiele Corona nicht die ganz große Rolle. „Ich hatte aber auch schon Kunden, die tatsächlich zu mir gekommen sind und sich jetzt erst recht etwas Schönes gönnen wollten“, sagt sie. Helleis glaubt, dass so mancher in diesen Krisenzeiten lieber in etwas Wertbeständiges investiere als beispielsweise in ein neues Auto. „Und Eheringe, die Paare bei mir bestellen oder bestellt haben, werden dann halt erst im nächsten Jahr getragen, wenn die Hochzeit stattfinden kann.“

In die Goldschmiedewerkstatt von Barbara Helleis kommen Kunden auch in Corona-Zeiten eher anlassbedingt.
Bild: Thorsten Jordan

Wegen Corona werden Hochzeiten verschoben

Verschobene Hochzeiten sind auch bei Tian van Tastique ein Thema. Der in Starnberg geborene Designer ausgefallener Brautmode und mehr hat in Landsberg einen Showroom. Marco Notheis, der kaufmännische Leiter des Modelabels, stellt fest: „Wenn es darum geht, den Kaufvertrag beispielsweise für ein Brautkleid zu unterschreiben, spüren wir schon eine gewisse Zurückhaltung.“ Das liege in seinen Augen vor allem daran, dass „die Braut sich in diesen Zeiten gar nicht sicher sein kann, wie viele Menschen sie in ihrem tollen Outfit überhaupt sehen können“. Denn noch sei die Zahl der Gäste bei Hochzeiten begrenzt. Und Kleider, die längst an die künftige Braut angepasst waren, konnten zeitweise gar nicht abgeholt werden, denn auch bei Tian van Tastique blieben im Lockdown die Türen geschlossen.

Den Landsbergern steht der Sinn nach etwas Neuem

Stephanie Rapp von Stephanie Rapp Couture im Vorderen Anger sagt: „Es ist sehr schwer einzuschätzen, ob die Menschen jetzt weniger oder mehr besondere Kleidung kaufen als vor Corona.“ Sie glaube, dass ihre Kunden besonnener geworden seien, bewusster lebten und sich genau deshalb auch etwas Besonderes gönnen wollten. Diesen positiven Nebeneffekt des Lockdowns schätze sie sehr. „Ich habe in den letzten Wochen tatsächlich viel darüber nachgedacht, was sich verändert hat“, sagt Rapp. „Ich glaube, dass die Landsberger ihren Kleiderschrank rauf und runter getragen haben und ihnen jetzt einfach der Sinn nach etwas Neuem steht.“ Ihr hätten vor allem die treuen Stammkunden über die außergewöhnliche Zeit geholfen, sagt Rapp.

Und dafür sei sie sehr dankbar. Nicht nur in ihrem Couture-Laden, sondern überhaupt sei es heute wichtiger denn je, zusammenzustehen und sich an der Hand zu nehmen. „Dann schaffen wir das alles“, ist sie überzeugt.

Nach dem Lockdown machen kleine Gesten Freude

Wie gut es sich anfühlt, mit Kunden zu tun zu haben, die einem die Treue halten oder die einfach nur mit kleinen Gesten Unterstützung leisten, davon kann auch Angela Birnbaum von der Fischzucht Birnbaum berichten: „Bei uns gibt es eine Sonne am Corona-Himmel, namens Samantha“, erzählt sie und erklärt, was dahinter steckt. „Bei uns hat eine Dame angerufen, die gerade in den Bergen unterwegs war und auf dem Nachhauseweg Fisch mitnehmen wollte“, erinnert sich Birnbaum. Weil die Dame – Samantha – es aber bis 18 Uhr nicht nach Penzing schaffen würde, bat sie darum, die bestellte Ware in einer Kühlbox vor dem Laden abzustellen. „Die Rechnung lag dabei, 36,50 Euro hat alles zusammen gekostet. Als ich dann später die Kühlbox aufräumte, fand ich darin einen zu einem Herz gefalteten 50-Euro-Schein.“

Auch die Fischzucht Birnbaum sei vom Lockdown im Frühjahr getroffen worden. Vor allem die Lieferungen an Gastronomiebetriebe seien weggefallen. „Aber wir haben ein bisschen was auffangen können, weil die Leute mehr zu Hause gekocht haben und gemerkt haben, dass regionale Produkte doch besser sind, als viele vielleicht bis dahin dachten“, sagt Birnbaum.

In Landsberg fehlen die Touristen

Elke Magg merkt in ihrem Schuhgeschäft Milano im Vorderen Anger in Landsberg, dass in diesem Jahr Touristen in der Stadt fehlen, die sonst gerne bei ihr eingekauft hätten. „Meine Stammkunden sind aber weiter da, auch wenn das Kaufverhalten insgesamt doch eher zurückhaltend ist.“

Vor allem die Stammkundschaft hält Elke Magg in ihrem Schuhgeschäft im Vorderen Anger in Landsberg die Treue.
Bild: Thorsten Jordan

Die Nachfrage nach Geschenken steigt

Ins Culiente von Monika Bigus sind die Kunden gleich nach der Wiedereröffnung sehr gerne zum Einkaufen gekommen, hat sie festgestellt. „Man hat richtig gemerkt, dass die Landsberger ihre Innenstadt unterstützen wollen“, sagt die Inhaberin des Geschäfts, das alles rund um den gedeckten Tisch bis hin zu Wohnaccessoires und ausgesuchten Spezialitäten bietet. „Es werden jetzt wieder viel mehr Geschenke gekauft, weil man ja endlich wieder Gäste einladen darf.“ In diesem Bereich habe sie anfangs schon eine starke Zurückhaltung gespürt. Auch sie hat den Eindruck, dass in Corona-Zeiten bei vielen das Motto gilt: „Jetzt tue ich mir erst recht etwas Gutes.“

Lesen Sie dazu auch: Landsberger Altstadt: Weniger Verkehr, aber mehr Lebensqualität?

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