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Landwirtschaft

01.04.2015

Die Milchquote ist jetzt Geschichte

Einige Bauern sehen den Wegfall der Regulierung als Chance. Andere fürchten um ihre Existenz

Für Leonhard Welzmiller ist heute ein guter Tag. Nach 31 Jahren ist an diesem 1. April die Milchquote gefallen, die bisher geregelt hat, welcher Landwirt wie viel Milch liefern darf (LT berichtete). Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, sagt: „Ich bin froh, dass es vorbei ist.“ Die Milchquote habe ihr Ziel nie erfüllt, „da sie in Europa nicht richtig gelebt wurde“. Die meisten Länder hätten sich nicht an die Vorgabe gehalten. Lediglich immense Kosten für die Landwirte habe sie verursacht und dadurch expansionswillige Betriebe behindert.

Die Quote war 1984 von der Europäischen Gemeinschaft (EG) eingeführt worden. Der Grund: Damals gab es zuviel Milch auf dem Markt, man sprach von „Butterbergen und Milchseen“. Um das zu verhindern, begann die EG, die Produktion stärker zu kontrollieren. Seitdem wurde in landwirtschaftlichen Kreisen viel über die Sinnhaftigkeit der Quote diskutiert.

Aktuell ist die Diskussion wieder aufgekocht, obwohl der Wegfall der Quote im Zuge der Reform der EU-Agrarpolitik bereits beschlossene Sache ist. Anders als Leonhard Welzmiller sieht zum Beispiel Hermann Dempfle, Kreisvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), den Wegfall der Quote kritisch. Dempfle sieht vor allem für die kleinen Höfe schwarz: „Ich denke nicht, dass die Betriebe dem Wettbewerb auf dem Markt standhalten können.“ Der BDM habe über Jahre Konzepte in Bezug auf die Abschaffung der Milchquote erarbeitet und der Politik und Wirtschaft vorgelegt. Jedoch seien diese ignoriert worden.

Im Landkreis machen diese kleinen Höfe den größten Anteil der Milchviehbetriebe aus. Nach Angaben von Leonhard Welzmiller gibt es im Landkreis 290 Betriebe mit bis zu 50 Kühen, 125 mit bis zu 100 und zwölf Betriebe mit über 100 Kühen.

Der BDM fürchtet vor allem, dass der Milchpreis durch die neue Lage auf dem Weltmarkt deutlich sinken könnte – und damit die Landwirte weniger Geld für ihre Arbeit bekämen. Dieses Argument stört Leonhard Welzmiller: „Keine andere Branche redet sich schon vor einer Marktregulierung die Preise schlecht“, sagt er. „Das macht nur die Landwirtschaft.“ Die Käufer der Milch würden schließlich auch die Berichte in den Medien verfolgen. Und in der heutigen Zeit spiele auch Psychologie an den Märkten eine entscheidende Rolle, ärgert sich der Bauernvertreter.

Welzmiller argumentiert mit der Konkurrenzsituation zwischen den Ländern, die Milch produzieren. Diese sei heute anders als noch vor 30 Jahren. „Deutschland ist eine Industrienation und dazu gehört auch die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte auf dem globalisierten Weltmarkt.“ Wie sich die Situation auf dem Markt nach Wegfall der Quote dann tatsächlich entwickeln wird, müsse sich erst noch zeigen, sagt Hermann Pfluger vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Fürstenfeldbruck. Es sei natürlich schwierig, sich auf dem Weltmarkt zu behaupten. Selbst die Experten können noch nicht absehen, wie es weitergehen wird, so Pfluger weiter. „Aber die bayerische Milch hat mittlerweile weltweit einen guten Ruf und unsere Molkereien haben die richtigen Produkte.“ Hermann Dempfle vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter ist nicht so optimistisch: „In Zukunft“, sagt er, „können sich die Befürworter der Abschaffung sehr warm anziehen“.

Wie geht es nach dem Wegfall der Quote weiter? Das wird auch bei der Jahreshauptversammlung des BDM am Mittwoch, 29. April, um 20 Uhr im Bürgerhaus Pflugdorf-Stadl Thema sein. BDM-Vorstandssprecher Hans Foldenauer wird unter anderem zu diesem Thema referieren.

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