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Mundraching

12.04.2016

Die Muttergottes kommt zurück

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3 Bilder
Die Antoniuskapelle bei Mundraching bekommt ein Ölgemälde, das die Darstellung einer 1969 gestohlenen Pietà wiedergeben wird.
Bild: Thorsten Jordan

1969 wurde eine Mundrachinger Kopie des Vilgertshofer Gnadenbilds gestohlen. Den Platz, auf dem sie stand, will die Gemeinde jetzt mit einem Gemälde wieder füllen

In den 1960er- und 1970er-Jahren kam es nicht selten vor, dass Diebe ungesicherte Kapellen und Kirchen auf dem Land heimsuchten und ihrer künstlerischen Ausstattung teilweise beraubten. Auch die Antoniuskapelle in Mundraching wurde in dieser Zeit bestohlen. Der damalige Verlust – eine Pietà, das ist die Darstellung Marias als Mater Dolorosa mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus – soll jetzt zumindest teilweise ersetzt werden.

Mehr über den Diebstahl weiß Siegfried Schaitl aus Mundraching. Er arbeitete zu der Zeit bei der Kripo München und bewahrt bis heute das Telegramm auf, mit dem die Polizei über den Diebstahl informiert worden war. Darin heißt es, dass die etwa 65 bis 70 Zentimeter große Holzplastik im Wert von 8000 Mark in der Zeit vom 24. April bis 4. Juni 1969 gestohlen worden war.

Seither ist der Platz auf dem barocken Altar der Antoniuskapelle leer. Das soll sich jetzt ändern. Der Vilgertshofer Gemeinderat beschloss, einen Ersatz in Form eines auf Eichenholz gemalten Ölbildes zu beschaffen. Die Kapelle gehört der Gemeinde. Die Kosten für das Gemälde, das die ortsansässige Kunstmalerin Andrea Skorpil anfertigen soll, werden sich auf rund 1700 Euro belaufen. Die Malerin geht davon aus, dass das Ölgemälde frühestens im nächsten Jahr seinen Platz in der Antoniuskapelle einnehmen wird. Denn die Trocknungsphase sei bei Ölfarben extrem lang. „In Abstimmung mit Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem werde ich jetzt erst einmal versuchen, die möglichst originalgetreue Farbgebung für das Bild zu finden.“ Als Vorlage diene bislang nur eine Aufnahme in Schwarz-Weiß.

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Und auch Siegfried Schaitl kann über die entwendete Figur nicht viel sagen. Nur, dass laut damaligen Polizeiangaben der Mantelüberwurf hellblau und die Krone der Mutter Gottes vergoldet gewesen sein dürfte. Zur Entstehung der Antoniuskapelle gibt es zwei Berichte: Der ehemalige Landrat Bernhard Müller-Hahl berichtet in seiner Festschrift zur Brückenweihe in Mundraching und im Kreisheimatbuch, dass der Bauer Georg Berchtold und seine Frau Barbara die Kapelle gestiftet haben. Dies geschah 1618, wie auch eine Inschrift an der Kapelle bestätigt. In dem Buch „Denkmäler in Bayern Landsberg am Lech, Stadt und Landkreis, Band 2“ ist hingegen zu lesen, dass die Eheleute Jakob und Katharina Knoller die Kapelle stifteten. Ihre Namen sind auf einer Stiftertafel aus dem Jahr 1624 verewigt, die auch deren Namenspatrone zeigen.

Beide Ehepaare waren der Literatur zufolge aus der Bremau, naheliegenderweise könnte die Kapelle ein gemeinsames Werk der Bewohner von Bremau gewesen sein. Auf dieser Landzunge am östlichen Lechufer, etwa zwei Kilometer südlich von Mundraching, befanden sich zwei Höfe, die 1632 während des Dreißigjährigen Kriegs untergingen.

Müller-Hahl berichtet weiter, dass dem Erbauer zuvor im Traum die schmerzhafte Muttergottes mit dem Auftrag, „einen großen Stein zum Dorfe Mundraching zu wälzen und ihr dort eine Kapelle zu erbauen“, erschienen sei. Die Kapelle lag am früheren Weg zur Lechüberfahrt. Zur künstlerischen Ausstattung gehörte bereits zur Zeit der Erbauung der Kapelle eine Holzplastik in Form einer Kopie des Vilgertshofener Gnadenbilds, die besagte, 1969 entwendete Pietà.

Bereits vor knapp zehn Jahren hatte der damalige Landsberger Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern angeregt, einen Ersatz für die Altarfiguren-Gruppe anfertigen zu lassen. Wie den Vilgertshofer Nachrichten vom Dezember 2007 zu entnehmen ist, gab es daraufhin einen Spendenaufruf. Daran erinnert sich Michael Maria Niestroj aus Mundraching noch gut. „Besonders groß war die Resonanz damals nicht“, aber der Wunsch, den Altar wieder zu komplettieren, sei nie ganz in Vergessenheit geraten. Bürgermeister Dr. Albert Thurner berichtet, dass aus der damaligen Spendenaktion 200 Euro auf ihren Verwendungszweck warten.

In der gleichen Ausgabe der Vilgertshofer Nachrichten berichtet Kirchenpfleger Erich Menhart, dass sich die Kapelle insbesondere in den Jahren nach ihrer Erbauung zu einem blühenden Wallfahrtsort am Pilgerweg aus dem Schwäbischen zum Heiligen Berg Andechs, nach Altötting und München entwickelt habe. Die Konkurrenz mit Vilgertshofen und der Mitte des 18. Jahrhunderts neu entstandenen Wallfahrtskirche in der Wies habe dafür gesorgt, dass die Wallfahrten zum Gnadenbild der spätgotischen Pietà, der in ihrer Blütezeit einige Wunderheilungen zugesagt worden seien, wieder abnahmen.

Über den Diebstahl der Pietà berichtet Menhart, dass das Kunstwerk aus der damals baufälligen Feldkapelle gestohlen worden sei. Damals, vor der baulichen Erweiterung des Ortes in Richtung Südwesten, hatte die Kapelle noch auf freiem Feld gestanden.

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