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Finning

03.11.2019

Die "Polarstern" ist im ewigen Eis mit Spezialsystemen aus Finning unterwegs

Auf dem Forschungsschiff Polarstern wird mit Seilspulsystemen der Firma Lebus gearbeitet.
Foto: Mario Hoppmann

Plus Das Forschungsschiff „Polarstern“ ist mit Technik der Finninger Firma Lebus ausgestattet. Damit können Proben aus bis zu zehn Kilometern Tiefe entnommen werden.

Seilbahnen, Ölplattformen oder Forschungsschiffe arbeiten mit schweren Stahlseilen. Und oft tragen sie ein Gütesiegel aus Finning. Wie zum Beispiel auf dem derzeit wohl bekanntesten Polarforschungsschiff, der Polarstern. Die Firma Lebus International Engineers Germany GmbH hat die Seilspulsysteme für das Forschungsschiff geliefert und trägt somit einen wichtigen Teil zur einjährigen spektakulären Polarexpedition bei. Den Forschern bieten die Seile ungeahnte Möglichkeiten. Doch wie ist diese Firma nach Finning gekommen?

Die Polarstern ist das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts im Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. An Bord sind 44 Mann Besatzung und 55 Wissenschaftler, die über neun Labore verfügen. Mithilfe der insgesamt acht Mehrlagen-Seilspulsysteme aus Finning können die Wissenschaftler Proben aus bis zu zehn Kilometern Tiefe entnehmen. Herzstück des Seilspulsystems ist die Lebus-Rille, 1937 von Frank Lebus senior entwickelt. „Seither wurde nichts Wesentliches verändert, denn ein perfektes System kann man nicht verbessern“, sagt Cris Seidenather, Geschäftsführender Gesellschafter der deutschen Niederlassung.

Mit der Lebus-Rille erreichen Stahlseile eine mehr als fünffache Lebens- und Funktionsdauer, verglichen mit anderen Systemen. „Wir werden immer wieder kopiert, aber es geht meistens so aus, dass wir dann als Nothelfer gerufen werden, um die Probleme der Kopierer zu lösen.“

Das Prinzip der Rille wurde 1937 erfunden

Wie kam es zur Gründung der Firma? Lebus ist eigentlich eine Kleinstadt in Brandenburg. Vermutlich von dort, so Cris Seidenather, wanderte der Schmied Frank Lebus senior, der den Namen dieser Stadt trug, vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA aus. Das Prinzip der Rille erfand er 1937 für den Einsatz auf Ölförderanlagen in Texas. Nach dem Zweiten Weltkrieg übertrug Lebus das Prinzip mit einigen Innovationen auf Kräne und Förderanlagen für die Bauindustrie und für das Be- und Entladen von Schiffen.

In den 1960er-Jahren lernte der Ingenieur Karl Seidenather, Vater von Cris, den Sohn des Erfinders, Frank Lebus junior, kennen und freundete sich mit ihm an. So kam es 1963 zur Gründung einer deutschen Niederlassung, zunächst in Niedersachsen, später wurden Büro und Werkstatt nach Inning verlegt. Das Gebäude brannte 1972 ab, man siedelte nach Gilching um und 2002 nach Finning ins Gewerbegebiet. Dort teilen sich seit 2017 mittlerweile Diplomingenieur Tim Seidenather, Sohn von Cris, und Diplom-Wirtschaftsingenieur Matthias Kunkel das operative Geschäft. Cris Seidenather bleibt dem Unternehmen als Gesellschafter und Berater im Kundenmanagement erhalten.

Foto: Firma Lebus
Foto: Firman Lebus

Heute gibt es in Finning drei Hallen, 32 Produktionsmitarbeiter sind dort tätig, sieben Mitarbeiter in der Verwaltung. In den Finninger Hallen wird in der Schlosserei und Schleiferei noch viel von Hand gearbeitet. „Die Werkstatt ist unser Zentrum, unser Team ist wie eine Familie, jeder muss jeden ersetzen können“, sagt Seidenather. Weitere Niederlassungen gibt es in Blackpool und Sittingbourne in England.

Anwendung finden die Seilzugsysteme auch beim Bau von Seilbahnen oder bei Pistenfahrzeugen. „Schon vor 28 Jahren haben wir den Auftrag für die Seilbahn in Hongkong bekommen. Nun steht eine Bahnerweiterung an, es wird eine Winde mit fünf Metern Durchmesser gebraucht“, erzählt Cris Seidenather, der in Seefeld-Hechendorf am Pilsensee geboren wurde.

1966 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag

Aufgewachsen ist er in Venezuela, den USA und Frankreich. Seidenather spricht vier Sprachen und hat Maschinenbau studiert. 1966 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Bei einem Verkehrsunfall verstarb die Mutter, der Vater musste anderthalb Jahre im Krankenhaus verbringen. So übernahm Sohn Cris mit nur 23 Jahren das Unternehmen. Das betriebswirtschaftliche Wissen eignete er sich parallel in Abendkursen an. 1975 wurde er Geschäftsführender Gesellschafter. Unter seiner Regie hat sich Lebus nicht nur in Deutschland, sondern auch auf den europäischen Märkten und in Asien stabile Positionen gesichert. Dazu Charles Lebus, Direktor des US-Mehrheitsgesellschafters: „Cris hat das, was sein Vater Karl und mein Vater Frank aufgebaut haben, zu einer Erfolgsstory gemacht.“

Viele Menschen am Ammersee und darüber hinaus kennen Cris Seidenather auch als Skilehrer und Gründer der Skischule Cristiania, einer der führenden Skischulen Bayerns, sowie einer Drachenflugschule. Heute lebt er in Windach. Übrigens: Die Polarstern hat inzwischen an einer Eisscholle angedockt, wird dort ein Jahr lang im arktischen Eis festgefroren treiben und so Forschungsergebnisse über die Eisbewegungen liefern. Ein Nachfolgeschiff ist bereits im Bau und wird wieder mit Lebus Mehrlagen-Seilspulsystemen aus Finning ausgerüstet sein.

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