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Landsberg

09.05.2020

Die Reisebusse im Landkreis Landsberg stehen still

Busunternehmer Thomas Eisele (links) und Thomas Planer, der das Insolvenzverfahren durchgeführt hat.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Busunternehmer im Landkreis Landsberg wissen nicht, wann wieder Tagestouren und längere Fahrten unternommen werden dürfen. Wie sie mit der unsicheren Situation umgehen.

Der Reisebus der Firma Steinherr steht auf dem Bahnhofsparkplatz im Dießen. Das Fahrzeug ist stillgelegt wie auch die Busse anderer Unternehmen. Seit den Einschränkungen wegen Corona gibt es keine Busreisen mehr. Die Busunternehmen aus dem Landkreis Landsberg wissen nicht, wie es für sie weitergeht. Wie in anderen Branchen herrscht Unsicherheit. „Wir bekommen keine Anhaltspunkte“, kritisiert Thomas Eisele aus Landsberg. Und dann gibt es auch noch Probleme mit den staatlichen Hilfen.

Busunternehmer Johann Rehm aus Stadl hat drei Busse im Schulbusverkehr und einen Reisebus, den er stillgelegt hatte und jetzt wieder aktiviert. Denn es tue dem Fahrzeug nicht gut, nicht gefahren zu werden, sagt Rehm. Mit einer Sitzreihe Abstand und im Zickzack über beide Seiten verteilt, so säßen die Schüler, berichtet er – im Augenblick 19 in einem Bus mit 55 Sitzen. „Ab nächster Woche dürfen bis zu 30 transportiert werden.“ Als die Schulen geschlossen waren, fuhr kein Schulbus. Dort kommt es für Johann Rehm aber nicht zum Totalausfall, da er sich mit den Bürgermeistern einigte. Einbußen hat aber auch der Busunternehmer aus Stadl, unter anderem seien die Reisen weggebrochen. „Lustig ist es nicht“, sagt Johann Rehm, aber er sieht sich nicht in der Existenz bedroht.

Fünf Reisebusse sind stillgelegt

Philip Schnappinger vom gleichnamigen Busunternehmen in Utting berichtet über Schwierigkeiten, staatliche Hilfen zu bekommen: „Der bayerische Omnibusverband verhandelt noch.“ Die fünf Reisebusse seien stillgelegt und abgemeldet, so spare man sich Versicherung und Steuern. Alle 30 im Linien- und Schulbusverkehr fahrenden Busse sollen Anfang der Woche wieder unterwegs sein. Philip Schnappinger rechnet nicht damit, dass heuer noch große Auslandsfahrten wie „fünf Tage Gardasee“ gemacht werden. Er kann sich vorstellen, dass höchstens noch kleinere Tagesfahrten unternommen werden.

Auch im Linienverkehr hat das Busunternehmen Einbußen: „Kurzarbeit, Homeoffice, es ist viel weniger los, wir merken das extrem.“ Und in der Zeit ohne Maskenpflicht, als die Fahrgäste nur hinten und nicht beim Busfahrer einsteigen durften, „da wurde vier bis fünf Wochen gar nicht kassiert“. Für die Zeit, als die Schulbusse nicht fuhren, hätte die Kommunen die Fixkosten der Fahrten übernommen, sagt Philip Schnappinger.

Bis September sind alle Busreisen abgesagt

Beim Unternehmen Steinherr in Dießen sind die zwei Busse stillgelegt und abgemeldet. „Bis September sind alle Busreisen abgesagt“, erzählt Mitarbeiter Michael Hartmann. Und selbst wenn es gesetzlich möglich ist, Busreisen wieder durchzuführen, sei offen, ob sie nachgefragt würden. Denn sie würden zumeist von älteren Menschen gebucht, so Hartmann, und die zählten zur Risikogruppe. Einbußen gibt es laut Hartmann auch im Taxibereich, denn die Fahrgäste fehlten.

Das Busunternehmen Eduard Eisele GmbH & KoKG kam Ende 2018 nach dem Verlust der Stadtbuslinie in eine finanzielle Schieflage und startete ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. So konnte man sich an die jetzige Corona-Situation schnell anpassen, wie Sanierer Thomas Planer erläutert. Er steht den Sanierungsverwaltern sowie Thomas und Christoph Eisele als Fachmann zur Seite. Planer erläutert, dass mit dem Verlust der Stadtbuslinie auch Subventionen für andere Buslinien geringer wurden. In dem Verfahren habe man sich auf die Linien beschränkt, die nach der Reduktion der Subventionen noch rentabel waren. Busse wurden verkauft. Kosten wurden also verringert und die Ertragssituation ist laut Planer ausreichend, um durchzuhalten, auch wenn jetzt Einnahmen wegfielen. Durch das Eigenverwaltungsverfahren sei man gewissermaßen geimpft für die Corona-Krise.

Kunden lassen die Anzahlungen stehen

Ein getrenntes Unternehmen ist die Eiseletours GmbH, über die Busreisen gebucht werden können. Eiseletours ist nicht in Insolvenz, jetzt fehlen aber die Einnahmen. Trotz der positiven Effekte bei Eduard Eisele GmbH & KoKG sei die Eiseletours GmbH darauf angewiesen, dass die Kunden nach Corona wieder Busreisen mit Eiseletours buchten, sagt Planer. In Sachen Nachfrage hat Eisele positive Rückmeldungen: Viele Kunden, die Reisen gebucht hätten, ließen Anzahlungen stehen. Seiner Meinung nach haben nur wenige der Senioren Angst, sich bei einer Busreise mit dem Coronavirus zu infizieren. „Sie sagen, wir gehen ja auch zum Einkaufen.“ Eisele glaubt, dass Busreisen mit Abstandsregelungen für Passagiere wieder möglich wären.

Das Busunternehmen Eisele hatte im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens die Flotte von 21 auf sieben reduziert und zu Beginn der Einschränkungen auch Fahrzeuge stillgelegt. Laut Thomas Eisele wird der Linienverkehr zwischen Landsberg und Erpfting bedient und nun auch wieder Schulbusverkehr. Auch würden drei Busse für ein anderes Unternehmen fahren, da sie mit bis zu 63 Plätzen größer seien und Abstände eingehalten werden könnten.

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