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Utting

08.12.2020

Die Uttinger begeistern sich für einen seltenen Baum

Auch auf den Selzamweiden wurden in Utting Elsbeeren gepflanzt. Bürgermeister Florian Hoffmann (Mitte) sowie Tilo Scholze (links) und Erwin Schmid vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schauen sich die Bäume an.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Das Fünf-Seen-Land ist die einzige Region in Südbayern, in der es Elsbeeren gibt. Förster sehen in ihr eine Art, die im Klimawandel bestehen kann. In Utting wird der Baum verstärkt gepflanzt.

Die Elsbeere ist bislang ein recht seltenes Gewächs in der Region, doch in den nächsten Jahren werden wir sie immer häufiger zu Gesicht bekommen. Denn die Förster setzen auf eine Verbreitung dieser mutmaßlich ziemlich wärme- und trockentoleranten Baumart in unseren Gefilden. Aber auch als Einzelbaum wird sie gepflanzt – jüngst zum Beispiel in Utting. Vor einer Woche vermeldete die Seenverwaltung die Pflanzung dreier junger Elsbeeren bei der „Alten Villa“. In ein paar Tagen, teilte die Gemeinde Utting mit, dass auch sie Elsbeeren setzen werde – und zwar acht Stück.

Die Wiederentdeckung der Elsbeere begann vor neun Jahren. Damals wurde die mit der Eberesche und der Mehlbeere verwandte Art zum „Baum des Jahres“ gekürt – und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) fing gleich Feuer für die Elsbeere. Denn der Baum, der normalerweise vor allem in den trockenwarmen Gebieten Mitteldeutschlands wächst, findet sich vereinzelt auch im Fünf-Seen-Land, ein einmaliger Bestand im ansonsten elsbeerenfreien Südbayern. „Sie ist ein Überbleibsel aus der Zeit nach der letzten Eiszeit, das Gebiet reicht von Fürstenfeldbruck im Norden bis Geltendorf im Westen, bis zum Ammersee im Süden und im Osten bis zum Starnberger See“, erklärt Tilo Scholze, der Projektmanager der Initiative Zukunftswald am AELF Fürstenfeldbruck.

Dunkle Wälder behagen der Elsbeere nicht

Wenn man nichts tun würde, so die Auffassung des Försters, würde die Elsbeere aber in 100 oder 200 Jahren auch bei uns verschwunden sein. Zum einen verjünge sich die Elsbeere generell nicht so üppig wie etwa Ahorne. Zum anderen sagen die heutzutage dichten und eher schattigen Wirtschaftswälder der lichtbedürftigen Baumart weniger zu als die Wälder, die in früheren Jahrhunderten die Landschaft prägten und von Weide- und intensiver Brennholznutzung geprägt und entsprechend licht waren. In der Gegenwart werden die eher langsam wachsenden Elsbeeren von Buchen und Fichten verdrängt.

Laub und Früchte der Elsbeere.
Bild: Thorsten Jordan/Archiv

Deshalb wurde das AELF im Jahr der Elsbeere aktiv: Die Bürger rund um Starnberger See und Ammersee wurden aufgerufen, Elsbeerbäume zu melden. Tatsächlich seien in den vergangenen Jahren bereits rund 600 Bäume kartiert worden, erzählt Scholze. 2014 wurden erstmals die kleinen Früchte der heimischen Elsbeeren geerntet, um daraus Saatgut zu gewinnen. Dieses sei im staatlichen Forstgarten in Laufen ausgesät und die daraus entstandenen Sämlinge in einer Baumschule bei Schrobenhausen aufgezogen worden, berichtet Scholze. Die Vermehrung erwies sich als mühsames Unterfangen: Es keimten nur wenige Prozent der Samen, und 2015 konnten von 18 Bäumen nur 140 Gramm Saatgut gewonnen werden.

Wo die jungen Elsbeeren in Utting stehen

Die meisten der bislang rund 2000 Pflanzen aus diesem Nachzuchtprogramm wurden in den vergangenen Jahren in Wäldern gesetzt, ein Restbestand von rund 100 Jungbäumen war in der Baumschule noch bis vor Kurzem vorhanden. Diesen hat das AELF jetzt den Kommunen im Fünf-Seen-Land für Park- oder Straßenbäume angeboten. Acht dieser Jungbäume, die inzwischen drei bis vier Meter groß sind, sicherte sich die Gemeinde Utting. Sie wurden in den vergangenen Tagen gepflanzt: Jeweils drei auf den Selzamweiden und im Grünstreifen im Dyckerhoff-Wohngebiet und je ein Baum an der Schule und in der Dyckerhoffstraße, berichtet Bürgermeister Florian Hoffmann.

Noch mehr Elsbeeren wurden bereits in den Uttinger Wäldern gepflanzt, beispielsweise im Gemeindewald. Der Waldbesitzer Ignaz Ludwig erhielt über ein Sponsoring-Projekt der Stadtwerke Fürstenfeldbruck im Frühjahr 2018 33 Pflanzen. Er setzte sie auf eine von Sturm und Borkenkäfer zerstörte Waldfläche in Südostlage. Mit dem Gedeihen der Elsbeere ist er zufrieden: „Alle leben noch“, freut er sich. Trotz des nach der Pflanzung folgenden sehr trockenen Sommers seien alle Pflanzen angewachsen, wobei er auch mit Gießen nachgeholfen habe. Inzwischen seien die Pflanzen einen halben Meter gewachsen. Ähnlich gut haben sich die Elsbeeren auch im Gemeindewald entwickelt. Die Beobachtung Ludwigs ist offenbar kein Einzelfall. Die Ausfallquote der gepflanzten Elsbeeren liegt bei knapp vier Prozent, sagt Tilo Scholze vom AELF, und es zeige sich, dass die jungen Elsbeeren gerade auch trockene Frühjahre gut überstehen.

So blüht die Elsbeere.
Bild: Dorothea Schuster/Archiv

Das Elsbeerholz ist hart und elastisch und für den Möbelbau interessant und hat zudem einen hohen Brennwert. Die Früchte können Menschen ebenso wie Vögel verzehren und ihre Blüten werden gerne von Bienen besucht.

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