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Ausstellung

13.11.2019

Die Wiege der Malerei

Ohne Titel und mit Öl auf Plakatpapier gemalt. Höhlenbilder von Axel Wagner.
Foto: Minka Ruile

Die Höhlenbilder von Axel Wagner werden im Altstadtsaal gezeigt. Eine Reise zurück in die Menschheitsgeschichte

Neu ist nur der Name, ansonsten reicht die vermeintlich junge Kunst des Graffito mehr als 40000 Jahre zurück, von der New Yorker Bronx direkt hinein in die Steinzeithöhlen Nordspaniens, Südfrankreichs und Indonesiens. Dabei galten ihre Auf-Zeichnungen den jungen Writern sogenannter Tags und sehr wahrscheinlich auch deren Urzeitahnen nicht als Kunst. Den Weg aus den Höhlen heraus über eine Vielzahl an Zwischenschritten an die Fassaden der Häuserblocks und schließlich sogar in die neuzeitlichen „Höhlen“ der Museen vollzogen Graffiti quasi mit dem jüngsten Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte.

Im Altstadtsaal der VR-Bank unternimmt nun ein Künstler das Wagnis einer Zeitreise zurück an die Wiege der Malerei. Das gelingt Axel Wagner mit seinen archaisch-zeichenhaften Bildern eindrucksvoll und misslingt in der Setzung des Rahmens: Der Ausstellungs- und Konferenzraum mit seinen glatten Wänden und hochmodernem technischen Inventar ist nicht die behauptete Steinzeithöhle. Vielmehr begegnet die in den Lichtkegeln der Strahler präsentierte Kunst dem Betrachter nirgendwo anders als im Hier und Jetzt, und der ist sich dessen auch stets bewusst. Eine Unstimmigkeit, die allerdings nicht dazu verleiten sollte, am Wesentlichen der Ausstellung vorbeizugehen: Das sind vor allem die Werke selbst, und erst in zweiter Linie deren Inszenierung – zu welchem Gesamteindruck auch immer.

Noch vor Betreten des Altstadtsaals lenkt Axel Wagner das Interesse der Besucher in einfachen Worten auf diese Beschreibung: „Ein Mann kehrt zurück von der Jagd in die Höhle. Er brät die Beute. Er spielt mit den Kindern. Er schläft mit seiner Frau.

Er macht eine Zeichnung an die Höhlenwand. Er geht zurück auf die Jagd.“ - Basissätze zum Rollenverständnis und den Aufgaben des Urmannes, die, so der Künstler, ähnlich noch heute gelten. So weit das „Setting“. Erst dann öffnet sich die Ausstellung: Höhlenbilder, überwiegend mit schwarzer Ölfarbe auf dunkel grundiertes Plakatpapier gebannt und teilweise vor dem Hintergrund aufgeschnittener Kartons ziehen sich rund um den Raum. Archaische Urzeitwesen, erschaffen vom steinzeitlichen Alter Ego des Künstlers, erfüllen den Saal mit eigentümlich gefangen nehmender Präsenz. An der Stirnseite, in hervorgehobener Position, die einzige Abbildung eines Menschen: ein Selbstporträt des steinzeitlichen Künstlers, dessen Augen sich bei näherer Betrachtung als Abdrücke der Hand und die Pupillen als farbliche Leerstelle aufgrund der Höhle des Handtellers erweisen.

Nach der Grundierung, dem „Berußen“ des Papiers, entstehen alle Bilder in nur einem weiteren Arbeitsgang. Auf den vergleichsweise kleinen Flächen gestisch zu arbeiten, bedeute für ihn ungeheure Freiheit, erfordere zugleich aber eine klare innere Vorstellung und hohe Konzentration: „An welcher Stelle etwas entsteht, wo ein Strich hin- und wie es dann weitergeht“, erklärt Wagner, „entscheidet sich in Bruchteilen von Sekunden.“ Die meist monochrome, hier schwarze Farbwahl befördert den schnellen Arbeitsprozess um ein Weiteres.

Dass Wagners Höhlenmalerei nicht in jedem Fall Abbild der Wirklichkeit ist, sondern etwa mit vierfüßigen Vögeln auch innere Fantasiebilder zum Leben erweckt – auch das ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern findet seine eindrucksvollen „Vor“Bilder bereits vor 40000 Jahren.

Ein ungewöhnlich, wenn auch nicht als Steinzeithöhle bespielter Altstadtsaal lädt Besucher zu einer sehenswerten Ausstellung mit Höhlenbildern von Axel Wagner noch bis Samstag, 7. Dezember, immer zu den Öffnungszeiten der VR-Bank ein.

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