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Landsberg

12.11.2017

Die Würde zurückgeben

Der Menschenrechtsaktivist und Aktionskünstler Raffael Sonnenschein.
Bild: Stephan Albrecht

Bildungsreise zum Auftakt der Reihe „Kultur wider das Vergessen“. Kunstinstallation am Bahnhof Kaufering als Höhepunkt. Eröffnungsfeier im Stadttheater mit Klezmer-Musik.

„Ich wünsche Ihnen Spaß an diesem heutigen Abend, denn Spaß ist, weil er Leben bringt, Teil der Kultur und somit Teil der Erinnerungsarbeit. Dies schulden wir auch den ermordeten und geschändeten Künstlern, die mit ihrer Musik und Kultur Spaß und Freude bringen wollten. Wenn wir heute Spaß an ihren Werken haben, geben wir ihnen die Würde zurück, die sie verdient haben.“. Mit diesen Worten eröffnete Stephan Albrecht, Sprecher der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, die Veranstaltungsreihe „Kultur wider das Vergessen“ im Stadttheater Landsberg. Im Rahmen des Klezmer-Konzertes der Band „KlezFez“ aus Berlin kamen viele Landsberger Bürgerinnen und Bürger in den Theatersaal, um der Opfer der Konzentrationslager im Landkreis Landsberg zu gedenken.

Rund 100 Teilnehmer

Begonnen hatte der Tag mit einer Bildungsreise durch den Landkreis. Organisiert von dem Künstler und Menschenrechtsaktivisten Raffael Sonnenschein verbrachte die Bürgervereinigung den Vormittag mit einer großen Gruppe von Schülerinnen und Schülern, insbesondere mit geflüchteten Jugendlichen. Mit zwei Bussen fuhren rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Bildungsreise „Der himl is a bejser“ von Station zu Station.

Beginn war am KZ-Friedhof in Utting. Dort wurde die Gruppe von Bürgermeister Josef Lutzenberger in Empfang genommen und Raffael Sonnenschein begann mit seinen intensiven Erzählungen zu der Zeitgeschichte im Landkreis Landsberg. Mithilfe von Installationen schaffte es der Künstler, die Emotionen der jungen Menschen anzusprechen und diese für die Reise zu begeistern.

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Weiter ging es über den KZ-Friedhof in Igling, wo Bürgermeister Günter Först die Gruppe in Empfang nahm und nach einem weiteren Halt in Hurlach stoppte die Bildungsreise an der Gedenkstätte „Bahnhof Kaufering“ und dem dort aufgestellten Waggon, an dem Bürgermeister Erich Püttner wartete. Die vorbereitete Kunstinstallation von Raffael Sonnenschein war Höhepunkt der Fahrt. Der Güterwaggon jenes Types, mit dem Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus von Ort zu Ort transportiert wurden, war von Sonnenschein komplett verhüllt worden (LT berichtete). „Nichts gehört“, die Botschaft des Kunstwerkes. Damit will Sonnenschein auf das Grauen in den Waggons aufmerksam machen und er zeigt, dass dennoch „nichts gehört“ wurde.

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Emotionen mit Kultur zu erreichen – mit künstlerischen Aktionen, wie der Bildungsreise, mit Konzerten, mit Lesungen, mit Musik, Literatur oder der Malerei. Dass diese Emotionen für junge Menschen von großer Bedeutung sind, bewiesen auch fünf Schülerinnen des musischen Zweiges am Ignaz-Kögler-Gymnasium. Zusammen mit der Band „KlezFez“ spielten Johanna Reimler (Geige), Josephine Reimler (Klavier), Sarah Scherer (Geige), Lina Koch (Klarinette) und Emilie Albrecht (Klarinette) das Stück „Kol Dodi“ im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung.

Die junge Gruppe erntete großen Applaus und stimmte passend auf das anschließende Konzert der Band „KlezFez“ ein.

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