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Landsberg

26.01.2020

Die stille Heldin genießt das Leben

Ingetraut Krebber an einem ihrer Lieblingsorte: dem Kneippbecken im Wildpark südlich von Landsberg.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Ingetraut Krebber aus Landsberg ist die Stille Heldin im Monat Januar. Die 80-Jährige schöpft die Kraft fürs Ehrenamt aus ihrem Glauben. Wofür sonst noch Zeit bleibt.

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufheben davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ vor. Heute: Ingetraut Krebber aus Landsberg.

Das Leben hat Ingetraut Krebber herumkommen lassen, und es hat ihr einiges abverlangt. „Ich bin im Osten geboren, im Norden aufgewachsen, war mit einem Westfalen verheiratet und lebe im Süden“, umreißt die 80-Jährige ihre eigene Geschichte geografisch. Obwohl ihr das Leben selbst schwer zusetzte, engagierte sie sich stets für andere – neben der Sorge um ihre große Familie, zu der nach dem Tod ihrer Schwägerin für ein paar Jahre auch deren beide Töchter gehörten. „Alle Schicksalsschläge habe ich durch den Glauben überwunden.“

Ihr Leben ist eine gelebte Ökumene

Die Kraft, die sie aus ihrer tiefen Gläubigkeit schöpft, gibt sie seit Jahren an andere weiter. Dabei macht Krebber keinen Unterschied, ob ihre Einsatzfelder der katholischen oder evangelischen Kirche zuzuordnen sind. Ihr Engagement ist wie ihr gesamtes Leben gelebte Ökumene. Durch die Heirat mit einem Katholiken musste sie sich verpflichten, ihre Kinder katholisch taufen zu lassen. „Das war damals so üblich“, sagt sie. Die Glaubenserziehung im Sinne der Kirche habe sie nicht übernommen, jedoch vor allem den jüngsten Sohn regelmäßig zum Gottesdienst begleitet. Als die eigenen Söhne noch klein waren, organisierte sie auch Kindergottesdienste. Sie selbst besucht jeden Sonntag den evangelischen Gottesdienst. „Das gibt mir als Alleinstehende Struktur für den Tag“, sagt sie.

Sie unterrichtete auch in Nigeria

Über den eigenen Tellerrand blickte sie auch in anderen Bereichen hinaus. So initiierte die ausgebildete Realschullehrerin 1978 die Gründung einer deutschen Schule in Nigeria. Krebber war ihrem Mann, einem Ingenieur beim Flugzeugbauer Dornier, dorthin gefolgt. Sie unterrichtete bis zur Ausreise 1980. „Das war eine sehr interessante und entbehrungsreiche Zeit.“ Drei ihrer sechs Söhne verlor die Familie Krebber im teils sehr frühen Kindesalter. 1986, einige Jahre, nachdem die Familie von einem zweijährigen Aufenthalt in den USA nach Deutschland zurückgekehrt war und sich in Landsberg niedergelassen hatte, gründete Krebber eine Trauergruppe für verwaiste Eltern. Diese leitete sie acht Jahre lang.

Parallel war die Realschullehrerin bis zum Jahr 2000 in einem sozial-karitativen Arbeitskreis des Diözesanverbands Augsburg im Katholischen Deutschen Frauenbund engagiert. Selbst habe sie zwar immer in der Stadt gewohnt, sagt sie, fühlte sich aber stets zu den Landfrauen hingezogen. „Die sind einfach so zupackend“, sagt sie. Dass sie selbst zuzupacken versteht, bewies sie beim Bau des Hauses in Landsberg, als sie beim Fliesenlegen und anderen Arbeiten half.

In einem Jahr 50 Tage ehrenamtlich aktiv

Von 1994 bis 2007 war Ingetraut Krebber Bezirksleiterin der Landfrauen in Landsberg und damit für 13 Ortsvereine zuständig. In dieser Funktion konnte sie die Sorgen und Anliegen der Landsberger Landfrauen zum Diözesanverband nach Augsburg tragen. In den Jahren 1998 bis 2014 engagierte sie sich im Bayerischen Landesverband als Schriftführerin. Für das Jahr 2012 schrieb sie einmal ihre ehrenamtlichen Stunden für diese Gremien zusammen: Sie summierten sich auf 50 Tage oder 600 Stunden. Hinzu kamen noch weitere 130 Stunden für das Schreiben der Protokolle. Als Funktionärin im Landesverband war Krebber delegiert für die Landfrauenvereinigung und das Familienpflegewerk, acht beziehungsweise sechs Jahre gehörte sie auch deren Vorständen an. 13 Jahre lang leitete sie das Teegespräch in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, ein zunächst katholischer, inzwischen ökumenischer Gesprächskreis für Frauen. Die Leitung hat sie abgegeben, an den monatlichen Treffen aber nimmt sie immer noch teil.

Seit zehn Jahren Vorsitzende des Kneipp-Vereins

Das Ehrenamt stand neben der Familie bei Ingetraut Krebber immer im Fokus. Begleitend dazu absolvierte sie eine Ausbildung zur Gedächtnistrainerin. 27 Jahre lang pflegte sie zudem ihren schwerkranken Mann. Heute sagt sie: „Jetzt genieße ich das Leben.“ Eine Weile war sie in der Nachbarschaftshilfe aktiv, hat dies aber wieder zurückgeschraubt. „Ich will jetzt ein bisschen frei sein“, sagt sie. Die freie Zeit nutzt sie zum Wandern, Lesen, Rätseln und für Handarbeit. Im Notfall springt sie bei der Betreuung der sieben Enkel ein. Immer noch aktiv ist sie im Kneipp-Verein, für den sie seit zehn Jahren als Vorsitzende tätig ist und lange das Amt der Schriftführerin ausübte. „Das mache ich jetzt auch wieder“, sagt Krebber, die für die evangelische Kirche den Gemeindebrief austrägt.

Sie kennen einen Menschen in Ihrer Umgebung, der sich ehrenamtlich für andere einsetzt? Dann schlagen Sie diese Person hier für die Wahl zum „Stillen Helden“ vor!

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