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Scheuring

23.12.2020

Die strahlenden Kinderaugen vergisst ein Scheuringer Christkind nie

Elfi Eisele war einst das erste Christkind bei der Scheuringer Waldweihnacht. Auch ihre Tochter Veronika (im Bild) schlüpfte bereits in die Rolle.

Plus Elfi Eisele war das erste Christkind bei der Waldweihnacht in Scheuring. Eigentlich hätte sie gerne länger als vier Jahre mitgewirkt. Warum das nicht ging.

Aufgeregt und auch ein wenig stolz sei sie gewesen, die damals 17-jährige Elfi Haas: Am Heiligen Abend 1979, durfte sie als erstes Scheuringer Christkind nachmittags mit der Kutsche zur Waldweihnacht fahren. Dort verteilte sie dann Geschenke an die Kinder. Vier Mal war sie als Christkind unterwegs, dass sie dann bereits aufhören musste, hat einen kuriosen Grund – aber sie hat die Tradition, die in diesem Jahr wie so viele andere ausfallen muss, weitergegeben.

Wilfried Gebauer war damals, vor über 40 Jahren, gerade zum Vorsitzenden des Heimat- und Volkstrachtenvereins Scheuring gewählt worden und hatte sich schon lange Gedanken gemacht, wie für Kinder die schier endlosen Stunden des Wartens auf die Bescherung ausgefüllt werden könnten.

In diesem Jahr ist Stille im Scheuringer Walde

Er wurde zum Gründer der feierlichen Waldweihnacht, die im vergangenen Jahr zum 40. Mal stattfand und sich nicht nur bei den Kindern großer Beliebtheit erfreut. Da war in Scheuring alles auf den Beinen, doch in diesem Jahr ist Stille im Walde. „Es gibt auch keine Alternative“, sagte der jetzige Vorsitzende Günther Reitmeier dem LT.

Elfi Haas, die mit acht Jahren dem Heimat- und Volkstrachtenverein beitrat, entsprach damals genau den Vorstellungen eines holden, blonden Christkindes – für das lockige Haar sorgten ein paar Wickler. Ihre Eltern waren nach dem Krieg von Erdberg nach Scheuring gekommen und hatten sich schnell integriert.

Elfie Eisele blickt auf eine "schöne Zeit" zurück

Vater Franz Haas zeigte großes Interesse an der Geschichte seiner neuen Heimat. Er rekonstruierte anhand von Fotos das historische G’wand Alt-Scheurings, das Anni Magg mit Unterstützung von Franz Haas’ Ehefrau Marie nachschneiderte. Da war es natürlich Ehrensache für Marie Haas, auch das wunderschöne Christkind-Kleid für die Tochter zu nähen, das Scheuringer Christkinder 40 Jahre weiter gaben und das im nächsten Jahr hoffentlich wieder getragen wird.

1979 fand in Scheuring die erste Waldweihnacht statt. Erstes Christkind war Elfi Eisele.
Bild: Eisele (Archiv)

Elfi war das perfekte Christkind für weitere vier Jahre, auch nachdem sie Michael Eisele geheiratet hatte und 1980 Tochter Sonja geboren war. Mama Elfi war auch noch Christkind, nachdem ihre zweite Tochter Nicole auf die Welt gekommen war, doch dann wurde es schwierig. Ehemann Michael Eisele, selbst ein begeisterter Musiker und späterer Vorsitzender der Trachtenkapelle, wollte nämlich auch wieder gerne zur Waldweihnacht – und zwar mit den Kindern. Doch das konnte man nicht riskieren: Was wäre geschehen, wenn Elfi Eiseles Mädchen beim Anblick des Christkindes laut Mama rufen würden? Das hätte dem Fest seinen einzigartigen Zauber genommen.

Und so gab Elfie Eisele das „Amt“, wenn auch schweren Herzens, wieder ab. „Es war eine schöne Zeit“, erinnert sie sich gerne daran. „Im Blick der kleineren Kinder lag so ein unglaubliches Staunen und eine gewisse Ehrfurcht.“ Im Vorfeld hatten nämlich die Eltern Geschenke für die Kinder abgegeben – und diese wurden dann vom Christkind verteilt.

Mit ihrer Familie bewirtschaftet Elfi Eisele einen Biobauernhof

Nachdem Elfi Eisele nicht mehr als Christkind zur Verfügung stand, war aber schnell klar: Diese Rolle sollte auch weiterhin aus den Reihen des Heimat- und Volkstrachtenvereins oder der Trachtenkapelle besetzt werden. Bei der Haarfarbe gab es mehr Toleranz, so übernahm Gertrud Freudenthaler für einige Jahre dieses Amt, von dem zahlreiche Mädchen träumten.

Und in den 40 Jahren, in denen die Waldweihnacht stattfinden konnte, erlebten die Christkinder – und alle Besucher – einiges. Manchmal musste auf dem Weg zum Bienenhaus an der Lechstaustufe, wo die Feier traditionell stattfindet, erst mal Schnee geräumt werden, damit die Eltern mit ihren Kindern kommen konnten. „An die Pferdekutsche, die Christkind und Nikolaus in den Wald brachte, mussten oft Kufen angeschweißt werden“, hatte Initiator Wilfried Gebauer mal erzählt. Stattgefunden hatte die Feier trotzdem – nur der Corona-Krise hatten die Organisatoren nichts entgegenzusetzen.

Mit ihrer Familie bewirtschaftet Elfi Eisele heute einen Biobauernhof.
Bild: Eisele

Das erste Christkind Elfi Eisele, die mit Mann und Sohn Michael einen großen Biobauernhof nebst Hofladen bewirtschaftet, erfüllte sich danach einen anderen Traum. Mit 60 Mitwirkenden führte sie nach vier Monaten Probe die Weihnachtsgeschichte von Carl Orff in der Turnhalle vor 400 Besuchern auf. Nachdem sie die Noten von der Musikschule Landsberg bekommen hatte, besorgte sie die Orff-Instrumente. Unterstützt wurde sie von der damaligen Scheuringer Grundschullehrerin Gabriele Meyer.

Auch ihre Töchter schlüpften ins Kostüm des Scheuringer Christkinds

Schon als Kind hatte Eisele ein Gespür für Musik entwickelt, lernte mit zehn Jahren bei der Trachtenkapelle das Saxofonspiel und erzielte mit diesem Instrument große Erfolge. Als anmutige Mama leitete sie als Christkind die Engel bei der Waldweihnacht – und als dynamische Oma ist sie nun seit vier Jahren Dirigentin der Trachtenkapelle.

Doch auch in den Folgejahren stammten einige Scheuringer Christkinder aus dem Hause Eisele: Drei der vier Töchter schlüpften zur Waldweihnacht in das von Oma genähte Kleid, Sonja, Carina und Veronika. Letztere war noch bis vor zwei Jahren das Scheuringer Christkind.

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