Newsticker

Auseinandersetzungen bei Protesten gegen die Corona-Politik in Rom
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Dießen: Dieselfrei für ein besseres Klima

Dießen

16.10.2019

Dießen: Dieselfrei für ein besseres Klima

Noch müssen in Dießen Bauhof-Mitarbeiter Hans Mayr und seine Kollgen ihre Fahrzeuge mit Dieselkraftstoff an der öffentlichen Tankstelle versorgen. Bald tanken sie aber den umweltfreundlicheren Kraftstoff GTL.

Plus Die Marktgemeinde Dießen wird ihre Fahrzeuge künftig mit dem synthetischen Kraftstoff GTL betanken. Dazu wird eine eigene Tankstelle gebaut. Was bedeutet das für die Gemeinden?

Die Marktgemeinde Dießen verabschiedet sich vom Diesel als Kraftstoff für den kommunalen Fuhrpark. Da gab es in der Sitzung des Gemeinderats zwar eine Diskussion, aber letztendlich keine zwei Meinungen. So steht einstimmig fest: Nachdem eine geplante Tankstelle für den Kraftstoff GTL (Gas To Liquid) auf dem Gelände des Wertstoffhofes an der Fritz-Winter-Straße fertiggestellt ist, fahren Bauhof und andere Gemeindefahrzeuge nur noch mit diesem auf Erdgas basierenden Kraftstoff. Der Diesel ist dann Vergangenheit. Was bedeutet das für die Gemeinde?

Erster Schritt für eine bessere Klimabilanz

„Damit werden wir die Welt nicht retten“, räumt Bürgermeister Herbert Kirsch ein. Er, wie auch sein Gemeinderat, sieht jedoch „einen kleinen Schritt, der uns in Sachen Umwelt- und Klimaschutz auf alle Fälle weiterbringt“. Und das ist ja erklärtes Ziel und Vorgehensweise der Marktgemeinde. Vor zwei Wochen wurde eigens eine verwaltungsinterne Projektgruppe gegründet. Der erste Schritt für eine bessere Klimabilanz soll nun die Umrüstung der kommunalen Fahrzeuge von Diesel- auf GTL-Kraftstoff sein. Allerdings war schnell klar, dass durch den Einsatz dieses synthetischen Stoffes GTL keine signifikante CO2-Reduktion zu erwarten sein wird. Was sind dann aber die Vorteile? Karl Heinz Springer, Geschäftsstellenleiter und Vorsitzender der Projektgruppe: „GTL wird aus Erdgas gewonnen und setzt beim Verbrennen deutlich weniger Stickoxide und Feinstaub frei.“

Noch nicht an öffentlichen Tankstellen

Dies bestätigte Tobias Stowasser vom für Oberbayern zuständigen Großhändler. Er konnte auch gleich die Begründung für Georg Stadlers (CSU) Frage liefern, weshalb GTL bei all den propagierten Vorteilen gegenüber Diesel noch nicht öffentlich an den Tankstellen erhältlich sei. „Nicht alle Kfz-Hersteller haben ihre Modelle für GTL freigegeben, deshalb ist die Bundesregierung noch zurückhaltend.“ Allerdings, und auch das wusste er zu berichten, ist GTL bereits ganz in der Nachbarschaft in der Gemeinde Utting im Einsatz wie auch unter anderem bei der Bayerischen Seenschifffahrt am Ammersee, Starnberger- und Tegernsee wie auch auf Staffel- und Forggensee. Außerdem prüft nach Informationen der Verwaltung derzeit auch die städtische Forstverwaltung München den Einsatz von GTL bei der Holzernte.

Eine eigene Tankanlage

Doch wie kommt die Gemeinde künftig an den synthetischen Kraftstoff? Der werde in Kathar aus Erdgas gewonnen und nach Europa geliefert. Florian Stowasser auf erneute Nachfrage von Georg Stadler: „Auch ihr Diesel wird dort nach oben gefördert.“ Und vom Öl wolle man in der Bundesrepublik ja langfristig unabhängig werden. Nachdem GTL an Tankstellen momentan noch nicht erhältlich ist, wird man auch in Dießen nicht umhinkommen, eine eigene Tankanlage zu bauen. „Die würde ein Fassungsvermögen von 10.000 Litern haben und auf der Wertstoffsammelstelle in der Fritz-Winter-Straße ohne Baugenehmigung errichtet werden können“, erklärte Herbert Kirsch. Ein weiterer Vorteil: Da auch Feuerwehrfahrzeuge künftig GTL tanken würden, könnten die dort auch nach nächtlichen Einsätzen sofort wieder aufgetankt werden. Dazu notwendig ist lediglich ein entsprechender digitaler Clip, der jedem Fahrzeug exakt die Verbräuche und Kosten zuordnet.

Bodenplatte samt Ölabscheider für 25.000 Euro

Insgesamt sei eine Investition in Höhe von rund 47.500 Euro für die Infrastruktur notwendig. 25.000 Euro für die Bodenplatte samt Ölabscheider sowie weitere 22.500 Euro brutto für die Tankanlage selbst. „Die kann später auch auf allen anderen Kraftstoffe umgenutzt werden, ohne Umbau“, versicherte Florian Stowasser. Die Marktgemeinde entschied sich allerdings für einen alternativen Mietkauf über drei Jahre. Karl Heinz Springer: „Da liegen wir bei den Kosten etwa gleichauf.“ So würden für den 10.000-Liter-Tank monatlich 590 Euro brutto fällig, in 36 Monaten ist die Anlage abbezahlt. In dieser Größenordnung beliefen sich die Kosten für 100 Liter auf rund 125 Euro. Die gleiche Menge Diesel an einer freien Tankstelle kostet rund 129 Euro, errechnete die Verwaltung. Auch Marc Schlüppmann (Grüne) sah den Vorteil einer größeren Mengenabnahme, um Rabatte erzielen zu können. Laufende Kosten etwa für die Wartung der Tankanlage fallen laut Florian Stowasser keine an.

Wie die Marktgemeinde das Klima schützen möchte: Wie die Gemeinde Dießen das Klima schützen will

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren