Stadttheater

01.06.2011

Duell der Mächtigen

Maria Stuart, Königin von Schottland (Britta Hübel) und Wilhelm Davison, Staatssekretär (Raul Semmler) auf der Landsberger Theaterbühne.
Bild: Foto: Thorsten Jordan

Tübinger gastieren mit Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ in Landsberg. Platte Inszenierung

Landsberg Ein gnadenloses Duell zweier mächtiger Frauen, so wird Friedrich Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ gerne in knappen Worten zusammengefasst. Ganz stimmt dies nicht, denn es geht um viel mehr. Da sind zunächst die Berater der Königin von England, Elisabeth I., zu nennen sowie ihre Günstlinge, von denen jeder ein eigenes Ziel verfolgt und sich auf unterschiedliche Weise einen Anteil an der Macht sichern will.

Aber auch die im Stück gar nicht auftauchenden Personen, wie der König von Frankreich, der Papst oder der Herrscher Spaniens spielen eine bedeutsame Rolle. Schließlich versucht Elisabeth sich auf dem Thron zu halten, indem sie Maria Stuart, Königin von Schottland, gefangen hält, um deren „legitimeren“ Ansprüche auf die Krone zur Farce verkommen zu lassen. Maria, die ihren Ehemann ermorden ließ, um den Mörder zu ehelichen, steht, obschon diese Tat allgemein verurteilt wird, den Katholiken als königliche Schwester im Glauben vor und ihre Inthronisation würde die Rekatholisierung Englands nach sich ziehen.

Diplomatie, Spionage und Intrige

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Also hat sie die päpstliche Kirche und die katholischen Herrscherhäuser Europas auf ihrer Seite und stellt trotz ihrer Einkerkerung das Zentrum einer machtvollen Gefahr dar. Wenn auch die Beweggründe für den Sturm, der den Thron in „Maria Stuart“ umtost, nicht mehr aktuell sind, die im Stück beschriebene Machtbesessenheit ist es allemal. Hier kämpfen nicht nur beide Königinnen, sondern alle Beteiligten verbissen um ihre Privilegien und ihre Machtposition. Da ist jedes Mittel recht, sei es Diplomatie, Spionage, Intrige, Eifersucht und, so will es Schiller, das Ausspielen weiblicher Reize. Sprache und Thema des Stückes sind so dicht und gewaltig, so fein austariert und präzise dargelegt, wie man es sich nur wünschen kann. Kein Wunder also, dass Maria Stuart in vielen Spielplänen zu finden ist, so auch beim Landestheater Tübingen (LTT), die ihre Version des bewegenden Dramas als Gastspiel im Stadttheater auf die Bühne brachten.

In Sachen Besetzung hat Regisseur Mario Portmann feines Gespür bewiesen. Mit Jessica Higgins als Elisabeth und Britta Hübel als Maria Stuart ist es ihm gelungen den Gegensatz zwischen der kühnen und nach außen hin jungfräulich strengen Sittenhüterin Elisabeth und der katholisch lustvollen Sünderin Maria aufzuzeigen.

Während Jessica Higgins als Karrierefrau überzeugt, die die zweifelnden Regungen ihres Herzens verschweigt und gleichzeitig als launische, fast despotische Femme fatale auftritt, legt Britta Hübel ihre Maria als reife, geläuterte Frau mit Vergangenheit an, deren Stolz von den Verfehlungen ihrer Jugend nicht gemindert, sondern gestählt wurde. Auch bei den männlichen Charakteren ist jede Rollenvergabe augenfällig und stimmig, so bietet Udo Rau seinen Großschatzmeister Baron von Burleigh herrlich arrogant-distanziert, Philip Wilhelmi als Graf von Leicester, der umsichtig gleich für beide Königinnen den Retter in der Not mimt, gibt sich wollweich und biegsam und Martin Schultz-Coulon alias Mortimer legt überzeugende Hitzigkeit in seine Doppelagentenrolle mit Märtyrer-ende. Alle beteiligten Schauspieler füllen ihre Rollen mit Verve und überzeugender Kraft aus, doch dass trotzdem nicht mehr als ein laues Gefühl im Zuschauerraum ankommt, liegt an der leider recht platten Inszenierung, für die Mario Portmann und sein Team nicht zu beglückwünschen sind.

Kurioser Sound und unangebrachte Komik

Die Ausgestaltung des Stückes mutet oberflächlich an, als habe man sich stets für die erstbeste Idee entschieden. Da sind also eine schräge Bühne, um rutschiges Parkett zu symbolisieren, Spotlight und Mikrofon à la DSDS zur finalen Beichte der Maria, ein peinliches Lichterkettenkleidchen und schon ist die Sünderin als Heilige ausstaffiert. Dazu ein etwas kurioser Sound zwischen Rauschen und dumpfem Herzschlag und ein griffiges Klischee, beispielsweise Golfen ist was für die Herrscherklasse – fertig ist die Inszenierung.

Dazu kommt, dass viele dieser Ideen nicht den Inhalt des Stücks transportieren, sondern schlicht Beiwerk sind, sich dabei überlagern, unangebrachte Komik ins Stück mengen und sinnlos bleiben.

Warum musste sich beispielsweise Mortimer mit Golfbällen selbst kreuzigen? Wozu wird die sich anbahnende Tragödie durch Nonsens, wie ein als Sehrohr eingesetzter Golfschläger, persifliert? Warum müssen die königlichen Berater wie eine Boyband die schräge Bühne hinauf robben? Eine wünschenswerte Balance zwischen pointierter Leichtigkeit und nachvollziehbarem, aufrichtigem Pathos schufen diese Einfälle nicht. Schade, dass die Schauspieler sich ins Korsett der beliebig wirkenden Inszenierung zwängen mussten. Friedrich Schillers feingeschliffenes Trauerspiel „Maria Stuart“ hätte mehr Reflektion und Kreativität verdient.

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