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Zuschussfrage

09.03.2017

Düstere Debatte um St. Johann

Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Alt-Kaufering muss saniert werden. Für das 800000-Euro-Projekt gibt es eine Förderung in Höhe von 90000 Euro vom Markt Kaufering.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Gotteshaus in Alt-Kaufering ist sanierungsbedürftig. Wie hoch soll die Förderung der Marktgemeinde sein? Die Grünen sprechen von einem Armutszeugnis.

Es war stellenweise eine hitzige Debatte, die sich die Mitglieder des Kauferinger Marktgemeinderates am Mittwochabend lieferten. Auslöser: eine Zuschussanfrage der Kirchenstiftung St. Johannes Baptist aus Alt-Kaufering. Die Barockkirche, die als Wahrzeichen des Ortes gilt, ist sanierungsbedürftig. Wie hoch soll der Zuschuss der Markgemeinde bei dem rund 800000 Euro teuren Vorhaben sein? Dazu gab es unterschiedliche sehr Meinungen.

„Die Kirche ist das Wahrzeichen von Kaufering und wir als politische Gemeinde müssen die Sanierung unterstützen“, warb Rosina Heinle (CSU) dafür, den 90000-Euro-Zuschuss, den die Kirchenstiftung mit Schreiben vom 3. Februar beantragt hatte, zu gewähren. In ihrem Schreiben hatten Pfarrer Helmut Friedl und Kirchenpflegerin Charlotte Kandziora den Finanzierungsplan des Projekts genau aufgeschlüsselt. Für die Außeninstandsetzung und die Sanierung von St. Johann würde das Bistum Augsburg rund 551000 Euro beisteuern. Die restlichen Gelder würden vom Bezirk Oberbayern (28600 Euro), dem Landesamt für Denkmalpflege (4000 Euro), der Bayerischen Landesstiftung (15000 Euro) und der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung (15000 Euro) sowie von der Kirchenstiftung selbst (95800 Euro) kommen. Fehlen eben noch die besagten 90000 Euro, bei denen der Markt ins Spiel kommt...

Manfred Huber (KM) plädierte dafür, diesen Betrag zuzuschießen: „Diese Sanierung hält dann auch wieder für die nächsten 20 Jahre.“ Mitte der 90er-Jahre bei der vorerst letzten Sanierung hatte die Kommune für die Turminstandsetzung eine Viertelmillion D-Mark beigesteuert. Auf Seiten der Grünen stieß die Fördersumme von 90000 Euro nicht unbedingt auf Gegenliebe. „Das ist eine rein freiwillige Leistung für ein Kulturgut“, sagte Alex Glaser.

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Die Grünen ziehen die Straßenausbaubeitragssatzung heran

Der GAL-Vertreter verwies in diesem Zusammenhang auf den vor einigen Wochen getroffenen Beschluss zum Erlass einer Straßenausbaubeitragssatzung (LT berichtete). Die brauche Kaufering, weil man so klamm sei. „Wenn man dem Bürger mit der Ausbaubeitragssatzung in die Taschen greift, kann ich es nicht verantworten, 70000 Euro mehr auszugeben als ursprünglich beschlossen.“ Damit sprach Glaser ein Votum des Marktgemeinderats vom April 2016 an. Damals hatte man per Mehrheitsbeschluss eine kommunale Förderung der Kirchensanierung in Alt-Kaufering in Höhe von 18500 Euro in Aussicht gestellt. Dieser Betrag stellte einen zehnprozentigen Anteil der Summe dar, den die Kirchenstiftung laut damaliger Kostenaufstellung zu stemmen hatte. Und Projekte von Organisationen beziehungsweise Vereinen werden in Kaufering mit zehn Prozent gefördert.

Wie auch Glaser, der die 18500 Euro „als faires Angebot“ bezeichnete, sprach sich auch sein Fraktionskollege Hans-Jörg Pilz für diese Summe aus. Den Bau der Kirche hätten damals die Bauern im Ort finanziert. Und dass die Pfarrei mit mehr als 1000 Mitgliedern heute nicht in der Lage sei, die Sanierung zu stemmen, sei ein Armutszeugnis, so Pilz. Das Bistum habe 2016 auch mitgeteilt, dass die Baulast für St. Johann komplett bei der Kirchenstiftung liege. „Wenn wir hier mehr Geld locker machen, ist das ein Grenzfall zur Veruntreuung.“

Kritik an der Argumentationsweise der Grünen kam von der UBV. „Wir haben eine schöne Hypothek hinterlassen bekommen“, sprach Sascha Kenzler den Schuldenberg der Kommune an. „Eine Straßenausbaubeitragssatzung mit den 90000 Euro in diesem Fall zu vergleichen, ist wild.“ Doch auch bei den Grünen war man sich nicht ganz einig: Fraktionssprecher Andreas Keller plädierte für die Förderung in Höhe von 90000 Euro. „St. Johann ist von einzigartiger Bedeutung. Und es ist eine Angelegenheit aller Kauferinger, dieses Wahrzeichen zu erhalten.“ Mit 19:4 Stimmen – auch von den Freien Wählern gab es ein Nein – sprach sich das Gremium dafür aus, die 90000 Euro Zuschuss zu gewähren.

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