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Kreisausschuss

19.01.2012

Ehrenamtskarte wird abgelehnt

Auf Ablehnung stößt die Ehrenamtskarte bei Landrat, Bürgermeistern und Mitgliedern der Kreisausschusses. Ihre Einführung wurde abgelehnt.
Bild: Foto: Sozialministerium

Kritik an willkürlicher Festlegung der Voraussetzung für Erwerb der Karte

Landkreis Im Landkreis Landsberg wird die Ehrenamtskarte nicht eingeführt. Diesen Entschluss fasste der Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Bereits in ihrer Dienstbesprechung Mitte Dezember hatten sich die Bürgermeister gegen die Einführung ausgesprochen. Im Landkreis werde die Arbeit von Ehrenamtliche bereits ausreichend geschätzt und honoriert, war die einhellige Meinung. Die Ehrenamtskarte, die Personen erhalten, die sich im Schnitt fünf Stunden pro Woche unentgeltlich engagieren, grenze zudem jene Ehrenamtlichen aus, die weniger aktiv sind.

Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres gibt es die Ehrenamtskarte. Die Staatsregierung sieht in ihr eine Anerkennung der Leistung von Ehrenamtlichen und gewährt unter anderem geringe Vergünstigungen in staatlichen Museen, Schlössern und der Bayerischen Seenschifffahrt. Sollte sich ein Landkreis daran beteiligen, erhält er 5000 Euro für die Einführung der Karte. Allerdings ist die Resonanz eher verhalten. Lediglich rund ein Drittel aller Landkreise und kreisfreien Städte im Freistaat ist bislang dabei. Etliche haben der Ehrenamtskarte eine Absage erteilt.

Nach dem Willen des Sozialministeriums sollen die Landkreise weitere Vergünstigungen schaffen, etwa in Bädern, Theatern oder Büchereien. Die Ehrenamtskarte gelte dann in allen teilnehmenden Landkreisen und kreisfreien Städten. Wer sie beantragt, muss sich mindestens zwei Jahre aktiv bürgerschaftlich engagieren und dies durchschnittlich fünf Stunden in der Woche oder mindestens 250 Stunden im Jahr. Der jeweilige Verband muss die Tätigkeit bestätigen, die Karte selbst stellt der Landkreis aus.

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Als willkürlich und ungerecht empfinden Landrat Walter Eichner und die Bürgermeister, dass festgelegt wurde, wie lange die Besitzer einer Ehrenamtskarte mindestens tätig sein müssen. „Ist einer, der vier Stunden in der Woche arbeitet, ein Ehrenamtlicher zweiter Klasse?“, fragte Walter Eichner. Auch ein Engagement unterhalb der festgesetzten Grenze sei wertvoll und sollte wertgeschätzt werden. In der Praxis sei es zudem so, dass Ehrenamtliche ihre Stunden nicht aufschreiben. Ein Nachweis sei daher nur schwer zu führen.

„Wir müssten jedes Jahr überwachen, ob sich an den Angaben etwas geändert hat“, sagte Landsbergs Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Eine Aufgabe der Kommunen oder des Landratsamtes, die sich auch mit der Ausstellung der Karte befassen müssen. Die 5000 Euro, die vom Ministerium in Aussicht gestellt werden, werden laut Walter Eichner schnell vom höheren Verwaltungsaufwand aufgefressen.

Händedruck bedeutet mehr

Nach Ansicht von Landrat, Bürgermeistern und der Mehrheit der Mitglieder des Kreisausschusses werde die ehrenamtliche Arbeit im Landkreis geschätzt. „Der Händedruck eines Bürgermeisters bedeutet mehr Wertschätzung als diese Karte“, sagte Dr. Albert Thurner. Ein „ehrliches Dankeschön“ der Gesellschaft wird auch von den Ehrenamtlichen mehr geschätzt, war die Meinung im Ausschuss. Kreisrat Markus Wasserle kritisierte die Ablehnung der Ehrenamtskarte als Schnellschuss. Er regte an, erst in Landkreisen nachzufragen, die die Karte bereits eingeführt haben. Sein Antrag auf Vertagung wurde aber mit 11:1 Stimmen abgelehnt. (wu)

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