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Landsberg

08.01.2019

Ein 80-Jähriger im Rollstuhl wird per Haftbefehl gesucht

Einen Polizeieinsatz direkt aus dem Gerichtssaal ordnete heute ein Landsberger Richter an.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein Rentner erscheint nicht vor dem Landsberger Amtsgericht und löst dadurch einen Polizeieinsatz aus. Er muss sich wegen eines kuriosen Vorfalls verantworten.

Vor dem Amtsgericht Landsberg kam es am Dienstag zwar nicht zur Verhandlung gegen einen 80-jährigen Landsberger, dafür löste der Mann aber einen Polizeieinsatz aus und wird jetzt per Haftbefehl gesucht.

Zehn Minuten vor Verhandlungsbeginn rief der Rentner mit dem Handy beim Gericht an. Er stecke mit seinem Rollstuhl am Lech im Schnee fest und der Akku sei leer, informierte er. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert und suchte das Lechufer nach dem Mann ab. Auch dessen Verteidiger, Marcus Becker, streifte sich die Jacke über und suchte seinen Mandanten. Da nur die Festnetznummer des Angeklagten bekannt war, war kein Rückruf möglich. Bei der Suche entlang des Lechs trafen aber weder die beiden eingesetzten Polizeistreifen noch der Anwalt den 80-Jährigen an. Hätten die Suche Erfolg gehabt, hätten die Polizisten den Mann im Gericht zwangsweise vorgeführt.

Die Polizei schaut bei der Wohnung des Mannes nach

Weil dies aber nicht der Fall war, ordnete Richter Michael Eberle an, dass in der Wohnung des Mannes nachgeschaut werden soll, ob er sich dort aufhält. „Das Fahrzeug des Mannes und einer der beiden auf ihn zugelassenen elektrischen Fahrstühle stehen vor dem Haus, er selbst ist aber nicht da“, informierte Eberle. Die Polizei verzichtete allerdings darauf, die Wohnung zwangsweise zu öffnen. „Der Angeklagte hat einen Hund, der hätte in dem Fall angeschlagen. Es war aber vor Ort nichts zu hören“, begründete der Richter die Entscheidung. Zudem gebe es „nicht näher bestätigte Informationen“, dass sich der Rentner zu dem Zeitpunkt in Kaufering aufhalte, sagte Eberle.

Mit Rollstuhl und Hund über die Straße

Angeklagt war der 80-Jährige, weil er im September 2017 mit seinem Krankenfahrstuhl mitten auf einer öffentlichen Straße in Landsberg gefahren sein soll und zusätzlich noch seinen Hund an der Leine führte. Durch sein Verhalten nötigte er laut Anklageschrift zwei Autofahrer, denen es nicht möglich war, an dem Angeklagten vorbeizufahren. Dabei wäre es dem Rentner laut Anklage „problemlos möglich gewesen, die Fahrzeuge passieren zu lassen“. Bei einem anschließenden Streitgespräch mit den Fahrzeuginsassen soll der Angeklagte eine Frau beleidigt und mit seinem Krankenfahrstuhl gegen deren Schienbeine gefahren sein. Die Frau klagte danach über Schmerzen.

Ist der Angeklagte ein Trickser?

Nach eineinhalb Stunden hatte Richter Eberle genug. „Gegen den Angeklagten gibt es ohnehin einen offenen Haftbefehl, der wird vollzogen, sobald der Mann angetroffen wird.“ Dies hatte auch Staatsanwältin Andrea Lieb gefordert. Verteidiger Marcus Becker sah dafür keine Notwendigkeit. Er kenne seinen Mandanten schon länger und der sei in der Vergangenheit immer zu seinen Verhandlungen erschienen. Es genüge deswegen, ihn beim nächsten Termin von der Polizei vorführen zu lassen. Dies sah der Richter anders. „Er trickst immer wieder. So gibt er auch auf dem Klingelschild an seiner Wohnung wechselnde Fantasienamen an.“ Sollte es dem Anwalt aber gelingen, eine plausible Erklärung für das Fernbleiben zu finden, könne gegebenenfalls auf Haft verzichtet werden, ergänzte er.

Dass er das Gericht über seinen Aufenthaltsort mutmaßlich belogen hat, hat keine Konsequenzen für den Rentner, wie Richter Eberle auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. „Angeklagte sind nicht dazu verpflichtet, gegenüber dem Gericht die Wahrheit zu sagen.“

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