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Landkreis Landsberg

20.01.2019

Ein Kartenspiel für alle Generationen

Schafkopfen ist ein Spiel für alle Generationen. In der Alten Schule in Windach (von links: Johann Holzer, Bruno Müller, Traudl Brösdorf und Otto Brösdorf) treffen sich zum Beispiel regelmäßig Senioren zum Spielen. In Eresing gibt es sogar einen Verein.
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Schafkopfen ist ein Spiel für alle Generationen. In der Alten Schule in Windach (von links: Johann Holzer, Bruno Müller, Traudl Brösdorf und Otto Brösdorf) treffen sich zum Beispiel regelmäßig Senioren zum Spielen. In Eresing gibt es sogar einen Verein.
Bild: Thorsten Jordan

Tradition Schafkopfen fördert die Intelligenz. Das sagt der Lehrerverband und will das Spiel im Lehrplan sehen. Das Landsberger Tagblatt hat mit Lehrern und Schafkopfspielern geredet, was sie davon halten

Schafkopf spielen fördert die Intelligenz und das Sozialverhalten. Davon ist auf jeden Fall der Bayerische Philologenverband überzeugt. Er will, wie berichtet, dass Schafkopf den Kindern und Jugendlichen in der Schule beigebracht wird. Außerdem gab auch Ministerpräsident Markus Söder im Frühjahr vergangenen Jahres an, dass er „Mundart und regionale Kultur“ als Schwerpunkt im Stundenplan sehen wolle. Doch was macht das Kartenspiel so besonders? Darüber hat das LT mit Lehrern und Schafkopfspielern geredet.

Lesen Sie dazu auch: Warum Lehrer für das Schafkopfen an Schulen kämpfen

„Ich selbst spiele schon seit ungefähr 35 Jahren Schafkopf“, sagt Geografie- und Wirtschaftslehrer Florian Montag vom Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg. Schon vor vielen Jahren hatte ein Lehrer einen Schafkopfkurs angeboten. Florian Montag griff diese Idee auf. Der 45-Jährige hat 2017 und 2018 selbst Projekttage zu dem Kartenspiel angeboten. „Ziel war es, den Schülern Schafkopfspielen beizubringen, und denen, die es schon können, Zeit zu geben, um es zu spielen. Es ging auch darum, kulturelles Erbe zu sichern.“

Sehen Sie hier eine kleine Anleitung im Video:


Am ersten Tag wurden laut Montag die Regeln erklärt und am zweiten Tag konnte dann schon ein kleines Turnier veranstaltet werden. Der Kurs war so gefragt bei den Schülern, dass eine andere Lehrerin noch einen zweiten Kurs angeboten hat. „Ich finde, Schafkopfspielen macht einfach Spaß. Es ist ein echtes und analoges Spiel. Man muss mitrechnen, mitdenken und mitzählen.“ Mathematische und strategische Fähigkeiten seien gefragt und sozialen Fähigkeiten würden gefördert. Aufgrund der großen Nachfrage, will Florian Montag auch die nächsten Jahre weiter Projekttage Schafkopfen anbieten.

Das Kartenspiel ist Gedächtnistraining

Auch Maximilian Mirlach, der Konrektor der Grundschule in Windach, findet es wichtig, Schülern dieses Kartenspiel näherzubringen: „Es ist ein bayerisches Kulturgut, und das darf nicht aussterben.“ Einen primären Mehrwert für den Unterricht sehe er zwar nicht, aber das Kartenspielen würde das Gedächtnis schulen. So müsse man sich schließlich immer merken, was gerade Trumpf ist, welche Farben schon ausgespielt wurden, und eine gute Taktik wählen, um das Spiel zu gewinnen. Der 62-Jährige erzählt, dass er in seiner Zeit als Hauptschullehrer seinen Schülern das Schafkopfen beigebracht habe. „Das war vor circa 20 Jahren. In den Pausen habe ich dann oft mit ihnen gespielt.“

Seit zehn Jahren arbeitet Mirlach nun an der Grundschule, an der er das Kartenspielen bisher noch nicht weitergeben kann. Mirlach freut es, dass gerade die Generation, die er damals unterrichtet hat, jetzt wieder vermehrt spielt. „Das sind so die Jahrgänge um die 30 oder etwas jünger.“ So würden auch seine Neffen, Joachim und Johannes Loy, schafkopfen und hätten in Eresing sogar einen Verein gegründet.

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In Eresing gibt es sogar einen Schafkopfverein

„Gut Blatt“ heißt dieser Verein und besteht seit Dezember 2015. Mittlerweile sind es 66 Mitglieder. „Vor allem nach Schafkopfturnieren steigen viele ein“, sagt Zweiter Vorsitzender Johannes Loy. Aber auch durch Schafkopfgruppen auswärts, zum Beispiel in Wirtshäusern, würden viele von dem Verein erfahren. „Unsere Mitglieder sind zwischen 20 und 75 Jahre alt.“ Die Idee zur Vereinsgründung kam bei einer gemeinsamen Schafkopfpartie auf. „Wir haben uns eh immer wieder getroffen, um zu spielen, und dann dachten wir, dass es doch witzig wäre, einen Verein zu gründen“, erzählt der 24-jährige Loy.

Besonders der Aspekt, dass man durch den Verein neue und auch mehr Mitspieler findet, war ihnen wichtig. Aber nicht nur Spieler, die das Schafkopfen schon beherrschen, sind bei ihnen willkommen. „Es gibt auch Kompaktkurse für Leute, die es noch nicht können. Wir schließen da niemanden aus.“ Für ihn selbst sei am Schafkopfen das Tolle, dass es immer wieder etwas Neues sei, denn jeder habe seine eigene Spielweise. Nach dem Spiel wird bei dem Verein „Gut Blatt“ auch noch über das Spiel geredet. „Man kann oft von der Erfahrung der älteren Spieler noch etwas lernen“, sagt der 24-Jährige.

Kartenspiel ist auch ein Gesellschaftsspiel

„Schafkopf ist nicht nur das beste und schönste Kartenspiel, das ich kenne, sondern toll daran ist auch, dass es immer interessant bleibt“, sagt Otto Brösdorf, der für die Seniorenbetreuung in Windach zuständig ist und dort auch Schafkopf spielt. Ihm mache das Spiel einfach Spaß. „Wenn man Schafkopfen kann, dann hat man meiner Meinung nach einen gesellschaftlichen Vorteil. Es gibt einem die Möglichkeit, Kontakte zu pflegen.“ Der 77-Jährige hat das Spiel bei der Bundeswehr gelernt. „Man muss während des Spiels konzentriert bleiben, denn wenn man das nicht ist, dann verliert man“, erzählt Brösdorf.

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