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26.07.2010

Ein weiterer Besuch ist schon geplant

Lateinamerikanische Rhythmen - die Schygulla erzählte von ihrer Begegnung mit Gabriel Garcia Marquez. Fotos: Jordan

Landsberg Ein Journalist fragte sie einmal, nach einer langen Zeit, in der sie nicht gearbeitet hatte, was sie denn nun spielen wollte: Die Schygulla wusste es nicht und blickte auf ein Kinderbuch mit einer Oma im Titel. "So was, sagte ich zu dem Radioreporter", erzählt die 66-jährige Hanna Schygulla. Sie war schon alles: von der "Somnambule" über die "Marionette Fassbinders" bis hin zur Oma, wie auf diesem Buchtitel "Meine Oma ist dick, weil sie voll Liebe ist". Und diesem großen Spektrum wurde die Künstlerin bei ihrem Auftritt am Sonntag im Landsberger Stadttheater mit dem Konzert "Aus meinem Leben" auch ganz und gar gerecht. Wobei die Oma eine untergeordnete Rolle spielte.

Viele waren gekommen, um die Schauspielerin, die nach ihren Fassbinder-Rollen auch international Karriere machte, ganz aus der Nähe zu sehen. Das merkte man schon an den Reaktionen während des Konzert. Am Flügel: Stephan Kanyar. Das Publikum war begeistert und bejubelte die Frau, die hier eine ganz eigene gesangliche Leistung brachte. Sie ist keine Sängerin, doch ihre Interpretationen von Volksliedern, Brecht, lateinamerikanischen Melodien bestechen durch ihre Vielfältigkeit. Ihre Altstimme ist nicht schön im eigentlichen Sinne, aber sehr wandelbar, rauchig und mit einem ganz eigenen Timbre. Das begann schon beim ersten Lied "Es schläft ein Lied in allen Dingen", ein Gedicht von Josef von Eichendorff. Melancholie, Zerbrechlichkeit und ein Gesichtsausdruck, der an ihre Filmrollen erinnert: Effi Briest, Maria Braun, oder Lilli Marleen. Hanna Schygulla bekennt sich in ihrem Konzert zu den Schwierigkeiten, die sie mit Deutschland hat, aber auch zu ihrem Alter. "Denn als ich mit meinem Vater mal spazieren ging, fragten mich einige, ob das mein Mann ist. Da lief doch was falsch", dachte sie damals.

Hanna Schygulla ist ebenso einfühlsam wie vielschichtig. Sie mochte ihre Karriere, unterbrach sie jedoch freiwillig, als ihre Eltern erkrankten, viele Jahre. Fragen, dass es still um sie geworden sei, beantwortete sie damals ruhig mit dem Satz: "Das kann auch wieder anders werden." Und es wurde anders. Rollen in Südamerika, bei Hans Steinbichler und unter der Regie von Fatih Akin brachten sie schnell ins Gedächtnis der Menschen zurück. Wirklich vergessen war sie nie, das merkte man an diesem Abend, denn viele der Zuhörer warteten nach dem Konzert noch lange auf ein Autogramm oder ein kurzes Gespräch mit Hanns Schygulla.

Bei all dieser Lebenslust merkt man kaum, dass die Schauspielerin inzwischen 66 Jahre alt ist. Natürlich: sie hat sich verändert, doch auch ohne Botox und Silikon gelingt es ihr, zu faszinieren. Denn bei welcher anderen Frau in diesem Alter gibt es schon stehende Ovationen, wenn sie nach der Pause die Bühne mit offenen Haaren betritt. Minutenlang muss die Sängerin warten, bis sie weitermachen konnte. Ein schöneres Kompliment kann man ihr wohl kaum machen.

Reihe "Aus meinem Leben" war der Auftakt für eine Filmreihe im Filmforum. Initiert ist das Ganze von Kurt Tykwer, dem Vater des Filmregisseurs Tom Tykwer, der jedes Jahr bekannte Filmgrößen wie schon Michael Ballhaus nach Landsberg holte.

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